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Lokales Lübeck Gefährliches Gedränge auf Lübecks Mühlentorbrücke
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17:16 20.12.2019
Enger geht’s kaum: Fußgänger und Radfahrer behindern sich auf der Mühlentorbrücke gegenseitig.
Enger geht’s kaum: Fußgänger und Radfahrer behindern sich auf der Mühlentorbrücke gegenseitig. Quelle: Holger Kröger
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Innenstadt/St. Jürgen

Dass es mehr als eng ist auf dem nun eingerichteten Geh- und Radweg der Mühlentorbrücke, berichten nicht nur täglich Radfahrer und Fußgänger. Der Allgemeine Deutsche Fahrrad Club (ADFC) Lübeck hat sich die Mühe gemacht, die aktuelle Situation auf der Brücke zehn Minuten lang zu beobachten.

Zahl der Radfahrer und Fußgänger nicht berücksichtigt

Der eingerichtete Gehweg, den Radfahrer mit nutzen dürfen, ist laut Infotafel 1,55 Meter breit. Das entspreche zwar, räumt Wolfgang Raabe vom ADFC ein, in etwa dem Mindestmaß der Empfehlungen der Arbeitsgemeinschaft für fußgänger- und fahrradfreundliche Kommunen (AGFK) in einigen Bundesländern. Doch dabei werde das hohe Aufkommen des nicht motorisierten Verkehrs von 4400 Radfahrern und 4000 Fußgängern täglich auf der Mühlentorbrücke nicht berücksichtigt.

Gefährliche Situationen

Denn durch die große Dichte entstehen gefährliche Situationen. Eine erlebte die 79-jährige Heidi Kobabe am Freitagvormittag. Sie lässt ihr Fahrrad mittlerweile aus Sicherheitsgründen vor der Brücke stehen. „Auf dem Weg in die Stadt ging’s noch, auf dem Rückweg überholten mich diverse Radfahrer, die vorher nicht geklingelt hatten.“ Sie sei immer, mit Einkaufstasche beladen, auf den schrägen, unebenen und nur 50 Zentimeter breiten Streifen am Brückenbogen ausgewichen, so schnell sie konnte. „Trotzdem sind die Radfahrer teilweise an meiner Jacke entlanggeschrammt“, sagt Kobabe.

Die Fußgängerin muss mit ihrer Einkaufstasche sehr plötzlich auf den unebenen, schmalen Streifen am Brückenbogen ausweichen, weil von hinten Radfahrer kommen. Quelle: Holger Kröger

116 Radfahrer in zehn Minuten auf dem Gehweg

Der ADFC hat am Donnerstag binnen zehn Minuten 120 Radfahrer beobachtet, die die Brücke auf beiden Seiten – stadtaus- und stadteinwärts – überquerten. „116 Radfahrer nutzten die freigegebenen Gehwege“, sagt Raabe, „nur vier die Fahrbahn, alle in Richtung Innenstadt.“ Ein auffällig großer Teil der Fußgänger nutze den schmalen, wackeligen Streifen entlang des Brückenbogens, „häufig mit Berührung der Planke“.

Generell seien die Begegnungen sowohl zwischen Fußgängern untereinander als auch zwischen Radfahrern und Fußgängern „sehr beengt“ gewesen, es sei häufig zu Berührungen gekommen, Radfahrer hätten regelmäßig nur einen Abstand von weniger als zehn Zentimetern zwischen Pedal oder Reifen und Bordstein gehabt.

Schmalen Streifen baulich anpassen

Vorschlag des ADFC: Man solle den schmalen, unebenen Streifen zwischen Brückenbogen und dem Bordstein baulich entsprechend herrichten und dem Geh- und Radweg zuschlagen. Als weitere Alternative sieht der Fahrrad Club die Möglichkeit, bis zum Beginn der Brückensanierung die östliche Fahrspur für den stadteinwärts fließenden Fahrverkehr zu belassen, die beiden westlichen Streifen jedoch als Fußgängerbereich mit Freigabe für Radfahrer und Linienbusse zu widmen. Der stadtauswärts fahrende individuelle Kfz-Verkehr aus der Mühlenstraße würde dann über die Wallstraße weitergeleitet.

Auch für die Zeit nach der Brückensanierung hat der ADFC bereits Vorschläge, die allerdings zu späterer Zeit vorgestellt werden.

Von Sabine Risch