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Lübeck Prozess um Familiendrama in Lübeck-Siems beginnt von vorn
Lokales Lübeck Prozess um Familiendrama in Lübeck-Siems beginnt von vorn
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19:26 27.06.2019
Ein Großaufgebot an Polizei und Rettungskräfte eilte am späten Abend des 14. Juli 2017 nach Siems. Quelle: Holger Kröger
Kücknitz/St. Lorenz Nord

 Es geht wieder los: Dieses Mal ist es die III. Große Strafkammer unter Vorsitz von Richter Kai Schröder, die alles noch einmal aufrollen soll. 37 Zeugen und drei Gutachter sollen gehört werden. Der inzwischen 32-jährige Angeklagte Hartmut L. (Name geändert) sitzt in Freizeitkleidung am Tisch. Inzwischen trägt er einen Vollbart und etwas mehr als schulterlange Haare. Er werde sich nicht äußern, wird sofort klargestellt, und sein Strafverteidiger Christian Schumacher erklärt auf Nachfrage, dass Hartmut L. mit der Vernehmung der mitbehandelnden Ärzte nicht einverstanden sei.

Tödliches Familiendrama

Dennoch soll mehr Licht in das tödliche Drama gebracht werden, das sich am späten Abend des 14. Juli 2017 in dem Haus der Familie in Lübeck-Siems abspielte. Der Vorwurf der Staatsanwaltschaft: Hartmut L. soll an jenem Abend in Streit mit seiner Mutter Iris L. (Name geändert) geraten sein, als er seinen bettlägerigen Vater körperlich anging. Iris L. sei dazwischen gegangen, aber dann von ihrem Sohn zu Boden geschleudert, mit Fäusten und später mit einer Geflügelschere traktiert worden. Die Hilferufe von Iris L. riefen Großmutter Hanna M. (Name geändert) auf den Plan, die selbst von ihrem Enkel angegriffen und lebensgefährlich verletzt wurde. Schließlich konnte sie ihren Enkel mit dem Hieb einer Bratpfanne außer Gefecht setzen. Wenig später traf die noch von der tödlich verletzten Iris L. gerufene Polizei ein.

Verfahren mit Geschichte

Vom Vorwurf des Totschlags und des versuchten Totschlags in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung war Hartmut L. am 23. März 2018 von der VII. Großen Strafkammer des Landgerichts Lübeck freigesprochen worden. Er habe die Taten im Zustand der Schuldunfähigkeit begangen, weil er sich in einem atypischen Rausch befunden habe, begründete die Vorsitzende Richterin Helga von Lukowicz seinerzeit. Zudem sei kein Motiv erkennbar. Angeordnet wurde die Unterbringung in einer Entziehungsanstalt. Aktuell ist Hartmut L. in der Ameos-Klinik Neustadt untergebracht.

Staatsanwaltschaft und Nebenklage-Vertreter legten Revision ein. Am 13. Dezember 2018 hob der Bundesgerichtshof das Urteil auf und verwies die Angelegenheit zurück an eine andere Schwurgerichtskammer des Landgerichts Lübeck.

„Es war ein Blutbad“

So die Kurzversion des grausigen Geschehens, das auch zwei Jahre nach der Tat nicht nur bei L.’s Großmutter und Freunden der Verstorbenen alptraumhafte Bilder hervorruft. Ein 53-jähriger Polizist, der seit seinem 16. Lebensjahr im Dienst ist und mit einer Kollegin als Erster am Tatort eintraf, macht seinen Gefühlen bei der Befragung durch Richter Kai Schröder Luft. „Der Einsatz war der schlimmste meiner gesamten Laufbahn“, sagt er. Drei Nächte habe er nach der Ladung zur Wiederaufnahme nicht geschlafen. „Es war ein Blutbad, wir waren wie gelähmt.“

Großmutter erzählt von Streitigkeiten

Auch die Hauptzeugin, die Großmutter des Angeklagten, ist zwar aufgeregt, doch die zierliche 80-Jährige öffnet sich deutlich mehr als in der ersten Verhandlung. Schröder lässt ihr Zeit, sich zu sammeln. Hanna M. erzählt, dass ihr Enkel schon als Zwölfjähriger mit dem Drogenkonsum begann, dass es ständig Auseinandersetzungen über sein Verhalten gab. Zwar habe Hartmut L. seine Dachdeckerlehre abgeschlossen, „aber danach hat er nie wieder gearbeitet.“ Schröder will wissen, ob sie nie Angst gehabt habe, dass ihr Enkel ausrastet. „Nein“, erwidert sie, allerdings habe ihre Tochter Hartmut auch mal rausgeschmissen, einmal habe er unter Verfolgungswahn gelitten, ein paar Tage vor der Tat in der Küche gestanden und den Herd angelacht.

Verhaltensänderung durch andere Drogen?

Die Frage des psychiatrischen Gutachters, ob sie in den Wochen vor der Tat eine Verhaltensänderung bei ihrem Enkel festgestellt habe, kann Hanna M. nicht wirklich beantworten. Es ist eine Frage, die darauf abzielen soll, ob Hartmut L. möglicherweise andere Drogen als Cannabis zu sich genommen hat. Großvater Walter M. (Name geändert) allerdings berichtet in der Vernehmung, sein Enkel sei in der letzten Zeit vor der Tat „irgendwie hektisch und aufgedreht“ gewesen. Jetzt sitzt Hartmut L. , der in der ersten Verhandlung noch selbst Zeugen befragte, still und stumm an seinem Platz, die Augen oft geschlossen, das Kinn in die Hände gestützt.

Fortsetzung nächste Woche

Der Prozess wird am Donnerstag, 4. Juli, ab 9.30 Uhr in Saal 315 des Landgerichts, Schwartauer Landstraße 9-11 (Eingang Eldeweg) fortgesetzt.

Sabine Risch

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