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Lübeck Prozess um Familiendrama in Lübeck-Siems: Keine Entlastung für Angeklagten
Lokales Lübeck Prozess um Familiendrama in Lübeck-Siems: Keine Entlastung für Angeklagten
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19:34 11.07.2019
Ein Großaufgebot von Polizei und Rettungskräften war am 14. Juli 2017 vor Ort in Lübeck-Siems. Quelle: Holger Kröger
Lübeck

Keine Entlastung für den Angeklagten: Im Revisionsprozess um den 32-jährigen Hartmut L. (Name geändert), der im Sommer 2017 seine Mutter mit einer Geflügelschere getötet und seine Großmutter schwer verletzt haben soll, stand am Donnerstag der dritte Verhandlungstag an. Im Landgericht Lübeck war das toxikologische Gutachten erneut Gegenstand der Verhandlung.

Rauschzustand hängt vom Individuum ab

Wie bereits im ersten Prozess vor einer anderen Großen Strafkammer stellte die Gutachterin fest, dass im Blut des Mannes eine gewisse Menge von THC, Kokainabbauprodukten und Spuren des fiebersenkenden Mittels Paracetamol nachgewiesen wurden. Ob das Zusammenspiel der verschiedenen Drogen zu einem atypischen Rauschzustand bei dem Angeklagten geführt hatte, blieb weiterhin ungeklärt. „Es kann sein, es kann aber auch nicht sein. Das kommt immer auf die Person an“, sagte die Gutachterin.

Die Menge an THC, die im Blut von Hartmut L. festgestellt wurde, bezeichnete die Gutachterin als nicht besonders hoch. Außerdem wirke sich der Konsum von Cannabis eher sedierend und entspannend auf die Verfassung des Konsumenten aus. Es könne aber auch zu Angst, paranoiden Zuständen und aggressiven Impulsen führen. „Die Bandbreite bei einem Cannabis-Rausch ist groß“, sagte die Gutachterin. „Ich kann nicht sagen, in welche Richtung der Rausch bei dem Angeklagten gegangen ist.“

50 Stiche mit einer Geflügelschere

Hartmut L. soll am späten Abend des 14. Juli 2017 mit seiner Mutter Iris L. in Streit geraten sein und sie mit Fäusten und einer Geflügelschere traktiert haben. 50 Stiche soll der Angeklagte seiner Mutter zugefügt haben. Iris L. verblutete. Seine Großmutter, die ihrer Tochter zu Hilfe geeilt war, soll Hartmut L. ebenfalls lebensgefährlich verletzt haben. Sie ist seitdem auf einem Auge blind.

Hartmut L. hatte ausgesagt, dass er sich nach dem Konsum von Cannabis und der Einnahme eines Medikamentes gegen Erkältungen merkwürdig gefühlt habe. Die VII. Große Strafkammer des Landgerichts Lübeck hatte den Angeklagten im März vergangenen Jahres freigesprochen, weil er die Tat in einem „atypischen Rausch“ begangen haben und somit schuldunfähig gewesen sein soll. Er wurde auf unbestimmte Zeit in eine Entziehungsklinik eingewiesen, zumal er sich therapiewillig zeigte. Aktuell sitzt Hartmut L. in der Ameos-Klinik in Neustadt.

Nachdem die Staatsanwaltschaft und die Nebenklagevertreter in Revision gegangen waren, hatte der Bundesgerichtshof das Urteil gekippt und das Verfahren an eine andere Kammer des Landgerichts Lübeck zurückverwiesen.

Gericht steht vor schwerer Entscheidung

Das Gericht muss nun entscheiden, ob der Angeklagte in einem typischen oder einem atypischen Rauschzustand gehandelt hat. Der Prozess wird am 24. Juli fortgesetzt. Dann sollen weitere Zeugen sowie psychologische Gutachter vernommen werden.

Hannes Lintschnig

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