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Lübeck Gehört Vortrag zur „Schönheit des Islam“ in den Hörsaal?
Lokales Lübeck Gehört Vortrag zur „Schönheit des Islam“ in den Hörsaal?
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20:10 30.01.2013
Von Michael Hollinde
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Dass die Lübecker Hochschulen bei ihren Veranstaltungen regelmäßig mit einem vielfältigen Themenangebot aufwarten, ist nichts Überraschendes; schließlich sind zahlreiche Fachdisziplinen auf dem Campus vertreten. Die Ankündigung, am heutigen Donnerstag um 18 Uhr im Uni-Hörsaal 1 einen Vortrag mit dem Titel „Der Prophet Muhammad — warum bewegt er die Menschen?“ besuchen zu können, ragt dann aber doch aus dem üblichen Veranstaltungsgeschehen heraus. Als Referent wird Hammad Härter, der mit 19 Jahren vom christlichen Glauben zum Islam konvertierte, genannt. In dem Hinweisflyer zum Vortrag heißt es unter anderem: „Der Islam stellt die letzte, vollkommene und allgemeingültige Religion für den nunmehr spirituell und geistig vollkommenen Menschen dar.“

Unterstützt wird die Info-Veranstaltung von der „Islamischen Ahmadiyya Studentenvereinigung“ (IASV), der deutschlandweit etwa 700 Studenten angehören. In Lübeck sind es zwei Studierende, die den Abend organisiert haben. So Informatik-Student Malik Khokhar, der sein Anliegen so umschreibt: „Unser größtes Anliegen besteht darin, dass das Bild des Islam in seiner vollkommenen Schönheit wiederhergestellt wird. Die Darstellung der ,islamischen‘ Praxis von einer kleinen Minderheit in gewalttätigen Aktionen oder freiheitsfeindlichen Denkmustern widerspricht absolut unserer Auffassung von Islam.“ Trotz dieses positiven Grundansatzes sind auf dem Campus einige kritische Stimmen zu hören, warum „für diese Botschaft ausgerechnet ein öffentlicher Hörsaal als Veranstaltungsort herhalten müsse“.

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Doch die Hochschule verteidigt die Entscheidung. So erklärt Pressesprecher Rüdiger Labahn: „Obwohl grundsätzlich keine Veranstaltungen religiöser Vereinigungen an der Uni stattfinden sollen, haben wir der Bitte eines unserer Studenten in diesem Fall doch entsprochen. Diese Veranstaltung zum Thema Islam ist als Beitrag der Information und Verständigung in Religionsfragen aufzufassen.“

Ob so ein Vortrag auch in einem Hörsaal der benachbarten Fachhochschule gehalten werden könne, beantwortet FH-Präsident Prof. Stefan Bartels mit den Worten: „Die FH Lübeck wird keine Veranstaltungen auf ihrem Campus genehmigen oder zulassen, die eindeutige parteipolitische oder religiöse Wertvorstellungen zum Inhalt haben.“ Nachfragen, was die beiden christlichen Studentengemeinden der Hansestadt von dem Bestreben der IASV halten, ergeben ein unterschiedliches Bild. Während von katholischer Seite Kaplan Knut Hermanns die Sache nicht kommentieren möchte, sagt Pastor Joachim Lipfert:

„Ich werde mir das anhören und versuchen, nach dem Vortrag in eine Diskussion einzutreten.“

Von Seiten des Innenministeriums werden die Aktivitäten der muslimischen Vereinigung jedenfalls als „unbedenklich“ bezeichnet. Thomas Giebeler, Pressereferent im Kieler Innenministerium: „Die Ahmadiyya wird von den Verfassungsschutzbehörden als nicht extremistisch eingestuft und wird deshalb auch nicht durch den Verfassungsschutz beobachtet.“

Michael Hollinde

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