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Lübeck Gelebte Inklusion und eigene Werkstatt
Lokales Lübeck Gelebte Inklusion und eigene Werkstatt
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13:06 30.05.2017
Es ist eine bunt gemischte Truppe, die sich an diesem Montagabend in der Schlutuper Sporthalle am Krümmling zusammenfindet. Alle sitzen im Rollstuhl, aber nicht alle sind auf ihn angewiesen. Es ist ein abendliches Training, das der Rollstuhl Sportclub Hanse Lübeck (RSC) anbietet – für Behinderte und Nichtbehinderte. Quelle: Jacob/König
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Schlutup/Kücknitz

Gemeinsamer Sport im Rollstuhl: Gelebte Inklusion

Es ist eine bunt gemischte Truppe, die sich an diesem Montagabend in der Schlutuper Sporthalle am Krümmling zusammenfindet. Alle sitzen im Rollstuhl, aber nicht alle sind auf ihn angewiesen. Es ist ein abendliches Training, das der Rollstuhl Sportclub Hanse Lübeck (RSC) anbietet – für Behinderte und Nichtbehinderte. Heute wird Basketball gespielt. Auch ein Flüchtling ist dabei. Raeed Shikani kommt aus Syrien und ist bereits festes Mitglied der Rollstuhltruppe. Viel Deutsch spricht der Rollifahrer (noch) nicht. „Aber das wird von Trainingstag zu Trainingstag mehr“, sagt RSC-Vorsitzender Uwe Lück. Der Verein, der seine Öffentlichkeitsarbeit unter anderem durch Schulbesuche, Firmeneinladungen und öffentliche Turniere ausbauen will, bietet jedermann die Möglichkeit, Sport im Rollstuhl zu betreiben. „Wir möchten Barrieren abbauen, Gemeinsamkeiten fördern und bekannter werden, damit mehr Menschen inklusiv Sport machen können“, erklärt Lück das wichtigste Ziel des Vereins. Seit 30 Jahren setzt er sich dafür ein, dass Behinderte mit Nichtbehinderten zusammen beim Sport Spaß haben können. An diesem Trainingstag sind auch einige angehende Physiotherapeutinnen, die den neuen Studiengang an der Uni Lübeck absolvieren, dabei – und setzen sich wie alle anderen in die Spezialrollis. Es gibt übrigens auch eine familiäre Seite des gemeinsamen Rollstuhlsports: Björn und Matti Stumpf, Vater und Sohn aus Schönwalde, sind auch dabei. Der Sohn ist auf den Rolli angewiesen, der Vater nicht. Und doch haben beide gemeinsam ihren Spaß und ihren Sport. Lück: „Das ist gelebte Inklusion.“ Denn jeder kann mitmachen. „Die Voraussetzungen sind dann für Behinderte und Nichtbehinderte gleich. Und das ist das Tolle daran“, sagt Lück. Etwa 7000 Euro kostet solch ein maßangefertigter Spezial-Rollstuhl. Dank einer ausgeklügelten Technik kann er auch bei starker Beanspruchung, etwa im Zweikampf bei kleinen Zusammenstößen, nicht umkippen. „Unser Ziel ist, noch mehr Menschen für diesen inklusiven Sport zu begeistern“, sagt Lück. Und dazu bedarf es weiterer Spezialrollis in ausreichender Zahl. Genau deshalb wäre die Unterstützung durch die Gemeinnützige Sparkassenstiftung eine tolle und wichtige Sache für den Verein. jac

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Eine eigene Werkstatt für Jungs der Kirchengemeinde

An einem Oldtimer rumschrauben, mit einem Winkelschleifer hantieren lernen oder ein Segelboot lackieren – die Jungs aus der Evangelisch-Lutherischen Kirchengemeinde Kücknitz träumen schon lange von einer eigenen Werkstatt, in der sie handwerkliche Fähigkeiten erlernen können. „Im Kunstunterricht hab ich mal einen Pfeil aus Holz geschnitzt“, sagt Tim Meinke aus Kücknitz, „da hört mein Wissen aber auch schon auf.“ Der 18-Jährige engagiert sich seit seiner Konfirmation in der Gemeinde. Handwerklich, so erzählt Tim, sei er null begabt, weswegen er sich über das Werkstattangebot sehr freuen würde. „Gerade für so Talentfreie wie mich ist es super zu lernen, was ich machen muss, wenn zum Beispiel meine Fahrradkette gerissen ist“, sagt er. Sein Freund Jan Delbrügge, auch seit Jahren in der Gemeinde aktiv, bringt da schon etwas mehr Erfahrung mit. „Mein Opaist Maurermeister, der hat mich immer mit auf den Bau genommen“, erzählt der 16-Jährige aus Kücknitz. In der Werkstatt will er mit seinen Freunden alte Autos auseinandernehmen, daran schweißen und löten, um die alten Karren wieder in Schuss zu bekommen. Das entspricht auch den Vorstellungen von Lars Sörensen, Diakon für Jugendarbeit und zukünftiger Leiter der Werkstatt. „Die Jüngeren sollen von den Älteren lernen und sich gegenseitig den Werkstattbetrieb näherbringen“, sagt der gelernte Kfz-Mechaniker. In der Kirchengemeinde gibt es bisher viele Freizeitangebote für Mädchen. Mit der Werkstatt will Sörensen speziell Jungs abdem13. Lebensjahr ansprechen. Eine Hand voll Interessierte kennt der Diakonschon, die Lust auf das Werkeln unter fachkundiger Anleitung haben. „Wer hat schon ein eigenes Schweißgerät zuhause?“, so Sörensen. Einen Raum hat der Diakon schon organisiert, und zwar in einem alten Feuerwehrgerätehaus. „Da gibt es viel Platz für Werkzeuge, Geräte und Bastelkram“, sagt Sörensen. Jetzt fehlt nur noch die Ausstattung: Schweißgerät, Hebebühne, Akkuschrauber und Bohrmaschinen wollen die Jungen mit den Fördergeldern finanzieren. Wenn die Gruppe mit Tipps und Tricks von Sörensen und aus dem Internet nicht weiterkommt, wollen die Jungs spezielle Fortbildungen für Schrauber und Schweißer besuchen. sbu