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Lübeck Gesundheitsmobil vorerst gesichert
Lokales Lübeck Gesundheitsmobil vorerst gesichert
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14:53 23.02.2018
Zum Start in die neue Förderperiode besuchen die Spender das Projekt, v. l.: Wilken Willand (Bluhme und Jebsen-Stiftung), Kay Diederichsen (Jacob Cement Baustoffe), die Ehrenamtlerin Antje Urban, Dietmar Fröhlich (Possehl) und Wolfgang Pötschke (Sparkassenstiftung). 
Zum Start in die neue Förderperiode besuchen die Spender das Projekt, v. l.: Wilken Willand (Bluhme und Jebsen-Stiftung), Kay Diederichsen (Jacob Cement Baustoffe), die Ehrenamtlerin Antje Urban, Dietmar Fröhlich (Possehl) und Wolfgang Pötschke (Sparkassenstiftung).  Quelle: Neelsen
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Lübeck

„Tue Gutes und rede darüber“ – das hat sich auch Antje Urban gedacht, die ehrenamtlich für das Lübecker Gesundheitsmobil arbeitet. „Als ich wieder mal als Pflegekraft im Einsatz war, wir vor der MuK standen und auf Hilfesuchende warteten, rief mich auf einmal mein Bruder auf dem Handy an“, erinnert sie sich, „und fragte, was ich gerade so mache.“

Da habe er im Laufe des Gesprächs „große Ohren“ bekommen, sei sehr beeindruckt und neugierig auf weitere Informationen gewesen. Mit dem Ergebnis, dass der Unternehmer nun zu dem Förder-Quartett gehört, das für die nächsten drei Jahre die Zukunft der mobilen Praxis gesichert hat. „Ich kann mir Zeit abknapsen, mein Bruder kann sich Geld abknapsen – das ist doch eine gute Kombination“, kommentiert Urban schmunzelnd den Deal.

Neben Boy Meesenburg, dem Inhaber der Firma Jacob Cement Baustoffe, übernehmen die Possehl-Stiftung, die Gemeinnützige Sparkassenstiftung sowie die Bluhme und Jebsen-Stiftung einen Großteil der Finanzierung. „Mit diesen Mitteln können wir die Personalkosten für die beiden hauptamtlichen Mitarbeitenden decken“, freut sich Dörte Eitel, Geschäftsführerin der Gemeindediakonie. Denn Ende des vergangenen Jahres lief die bisherige Förderung durch die Damp-Stiftung aus.

Weitere Ausgaben – wie zum Beispiel Anschaffungs- und Instandhaltungskosten für das Fahrzeug, Arzneien und Verbandsmaterial sowie Fortbildungen oder Arbeitskleidung – werden über die Eigenanteile der Träger und viele weitere kleinere Spenden finanziert. Insgesamt beträgt der Finanzbedarf des Gemeinschaftsprojektes von Gemeindediakonie und den Johannitern bis 2020 rund 270 000 Euro.

„Es ist das Zusammenspiel von zeitlichem, menschlichem und finanziellem Engagement. Und ohne den unermüdlichen Einsatz unserer Ehrenamtlichen könnten wir gar nicht rollen“, betont Sabine Gritzka, die seit 2009 dabei ist und als Koordinatorin fungiert. Die Sozialpädagogin bildet zusammen mit Krankenpfleger Thomas Müller das hauptamtliche Gespann.

Es sei nach wie vor sehr bedauerlich, „dass wir nicht vom Projektstatus wegkommen und zu einer festen Einrichtung werden, die eine Regelfinanzierung durch öffentliche Mittel erhält“. Auch nach über zehn Jahren sei der Bedarf für diesen kostenlosen Gesundheitsservice vorhanden – „die Zahl der Hilfesuchenden ist über die Jahre erschreckend konstant geblieben“, stellt sie fest.

Bei den rund 900 Klienten – „benachteiligte Menschen der verschiedensten Couleur“, wie Gritzka es ausdrückt –, die das Gesundheitsmobil jährlich aufsuchen, ginge es um viel mehr, als um medizinische Erstversorgung. „Klar sind es aufgrund der Jahreszeit momentan Erkältungen, dann mal Rückenprobleme oder auch der Blutdruck, der vorgeschoben wird“, sagt die Projektleiterin.

Letztendlich stehe jedoch ein Batzen an vielen anderen Problemen im Hintergrund, die viel wichtiger seien. „Der Redebedarf ist meist sehr groß“, weiß sie aus Erfahrung, „Zuhören ist entsprechend die wirksamste Medizin, die wir anbieten.“ Bei ernsthafteren medizinischen Problemen habe man zum Glück ein Netzwerk an kooperierenden Fachärzten in der Hinterhand.

 

Zehn Stationen pro Woche

Das Gesundheitsmobil wurde 2007 gegründet. Neben zwei Hauptamtlichen engagieren sich zurzeit sechs Ärzte, ein Zahnarzt, eine Krankenschwester, eine Arzthelferin und drei Fahrer ehrenamtlich für das Gemeinschaftsprojekt der Gemeindediakonie und der Johanniter-Unfall-Hilfe.

An fünf Tagen in der Woche fährt der zum Behandlungsraum umgebaute Transporter zehn Stationen in Lübeck an; zusätzlich ist die Gesundheitsstation im Haus der Diakonie mittwochs von 9 bis 11 Uhr geöffnet.