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Lübeck Bürgermeister Lindenau: „Busfahrer hat Schlimmeres verhindert“
Lokales Lübeck Bürgermeister Lindenau: „Busfahrer hat Schlimmeres verhindert“
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12:51 21.07.2018
Begehung des Tatortes in Kücknitz. Quelle: Lutz Rößler
Lübeck

Drückt das Ereignis nach Ihrer Beobachtung auf die Stimmung der Travemünder Woche?

Ja, die Menschen bewegt das. Das ist Gesprächsthema. Viele haben gesagt: Wir trinken jetzt noch ein Glas, und dann lassen wir es heute ruhiger ausklingen, als wir es sonst getan hätten. Ich denke, das ist auch richtig so – dass man zumindest kurz in sich geht. Natürlich sind viele Menschen verunsichert. Aber wenn wir mehr Klarheit darüber haben, was wirklich passiert ist, kann man auch die Travemünder Woche wieder genießen. Solche feigen Taten dürfen nicht die Oberhand gewinnen, wenn es um das Leben in einer Stadt geht.

Wie haben Sie von den Ereignissen in Kücknitz erfahren?

Ich bin am frühen Nachmittag von der Leitstelle der Polizei informiert worden, dass es einen Messerangriff gegeben hat in einer Buslinie des Stadtverkehrs. Ich habe mich informiert und mich mit dem Innenminister abgestimmt – mit dem ich eigentlich bald darauf die Travemünder Woche eröffnen wollte. Wir haben vereinbart, dass wir uns zunächst hier vor Ort ein Bild machen über die Lage – bevor wir entscheiden, wie es weitergeht.
In Anbetracht der Tatsache, dass wir dort ein großes Fest mit vielen Menschen feiern wollen, habe ich als Bürgermeister vor dem Hintergrund so einer entsetzlichen Tat ein Interesse daran, rechtzeitig zu erfahren, wie wir hier reagieren sollten. Mein Eindruck ist, dass hier alles getan wird, um Klarheit zu schaffen. Mir ist aber auch mitgeteilt worden, dass man keinerlei Bedenken hat, was die Durchführung der Travemünder Woche angeht. Ich bin sehr froh, dass die Polizei keine großen Veränderungen in der Sicherheitslage sieht, und ich bin sehr sicher, dass die Freude und die Weltoffenheit dieses Ereignisses nicht zu kurz kommen werden.

Eine entsetzliche Bluttat erschüttert Lübeck: Ein junger Mann entzündet im Bus nach Travemünde seinen Rucksack, schlägt und sticht dann wahllos auf die Fahrgäste ein. Auch der Fahrer wird verletzt. Das Motiv ist unklar.

Ihre erste Eröffnung der Travemünder Woche hätten Sie sich sicher anders vorgestellt.

Ja, es gibt bessere Tage. Gleichwohl darf man sich von solchen Ereignissen auch nicht beherrschen lassen. Von daher denke ich, es ist richtig, die Travemünder Woche zu eröffnen. Aber am Ende geht es auch um die Opfer. Ich werde mich mit Innenminister Hans-Joachim Grote treffen und sehen, ob wir die Verletzten besuchen können. Wir hoffen, dass möglichst alle schnell wieder gesund werden. Der Busfahrer hat nach allem, was wir wissen, sehr schnell und gut reagiert: Er hat schnell gebremst und die Türen aufgemacht, so dass viele Menschen gleich ins Freie kamen – und damit Schlimmeres verhindert. Darüber können wir froh sein. Und wir sind wirklich sehr dankbar für das gute Zusammenspiel der Feuerwehr, der Hilfskräfte und der Polizei.

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kab/fet