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Lübeck Gibt es bald die Thomas-Mann-Uni?
Lokales Lübeck Gibt es bald die Thomas-Mann-Uni?
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07:56 24.04.2015
Schriftsteller Thomas Mann könnte künftig Namensgeber der Lübecker Uni sein.
St. Jürgen

„Das Beste kommt zum Schluss“, dass dieser Spruch manchmal genau ins Schwarze trifft, bewahrheitete sich gestern Abend beim Uni-Jahrsempfang. Denn erst am Ende seiner Rede, in der finalen Phase der über zweistündigen Veranstaltung im Audimax vor rund 300 Gästen, machte Uni-Präsident Prof. Henrik Lehnert das schwelende Campus-Gerücht öffentlich. „Ich glaube, es steht dieser Universität vorzüglich zu Gesicht, wenn sie sich den Namen eines großen Bürgers unserer Stadt gibt“, erklärte er, „Thomas Mann.“ Alles Weitere sei „nun eine intensive, transparente Diskussion in der Hochschulöffentlichkeit“. Und er fügte hinzu: „Ich habe diesbezüglich meine eigene Ungeduld schon etwas gebremst.“

Die Begründung, warum der Name des lübschen Nobelpreisträgers zu seiner Hochschule passt, lieferte er auch. Er spielte dabei auf das Essay von Thomas Mann aus dem Jahre 1926 an, „Lübeck als geistige Lebensform“, und zitierte den Satz „Alles Interesse an der Krankheit ist nur ein innerer Ausdruck für das Interesse am Leben“. „Schöner kann man wohl eine Beziehung zwischen Thomas Mann und unserer Universität nicht herstellen“, schlussfolgerte er. Jedenfalls hatte der Uni-Präsident mit dieser Einlassung zum thematischen Komplex „Leitbild und Name“ für reichlich Gesprächsstoff beim anschließenden Empfang im Foyer des Hörsaalzentrums gesorgt, an dem geladene Vertreter aus Hochschulen, Kultur, Politik, Wirtschaft und Verwaltung teilnahmen, wie aber auch Mitarbeiter und Studierende.

Lehnert betonte zudem, dass seine Hochschule mit derzeit 3860 Studierenden bis zum Jahr 2025 die 5000er Marke reißen möchte. Studiengänge wie Biophysik, Physiotherapie sowie Ernährungswissenschaften seien in Vorbereitung. „Auch die Wissenschaftsphilosophie würde sehr gut in den Gesamtkontext passen“, kündigte er an. Besonders stolz mache ihn die Tatsache, „dass wir als Stiftungsuniversität seit dem 1. Januar dieses Jahres bereits eine Gesamtfördersumme von 2,3 Millionen Euro einwerben konnten. Das erfüllt mich mit großer Dankbarkeit.“

Das Wort „Dankbarkeit“ stand auch im Mittelpunkt der Erwiderung von Dr. Bernd Schwarze an diesem Abend. Denn der Pastor an der Universitätskirche St. Petri wurde gestern mit der Ehrenbürgerschaft der Universität ausgezeichnet. „Du hast uns als Impuls- und Ideengeber in den schwersten Stunden unserer Hochschule beigestanden, du bist mit Petri der Brückenbauer zwischen Wissenschaft und Stadt“, sagte Uni-Alt-Präsident Prof. Peter Dominiak in seiner Laudatio. Die Ehrennadel erhielten Dr. Ulrich Fieber, Amtsgerichtsdirektor in Reinbek und über viele Jahre Mitglied der Ethikkommission der Universität, und Dr. Georg Nowak, Leitender Oberarzt in der Klinik für Neurochirurgie und langjähriges Mitglied im Konvent der Medizinischen Fakultät und dessen Nachfolgegremium, dem Senatsausschuss Medizin.

Einen Video-Auftritt hatte dann noch als i-Tüpfelchen an dem Abend Schauspieler und Künstler Armin Mueller-Stahl. Seiner Hand entspringt die Lithografie, die ab Sommer die Absolventinnen und Absolventen bei ihrer Verabschiedung erhalten sollen. Auf dem porträtierten Kunstwerk zu sehen ist kein anderer als Thomas Mann.

Michael Hollinde