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Lübeck Gigaliner: Furcht in Lübeck vor den Riesenlastern
Lokales Lübeck Gigaliner: Furcht in Lübeck vor den Riesenlastern
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11:07 31.08.2011
„Stopp für Gigaliner“, fordert Ute Pache, Eigentümerin des Hotels „Pache’s Gasthof“, mitten auf dem Steinrader Damm. Foto: Wolfgang Maxwitat Quelle: Wolfgang Maxwitat
Lübeck

Es ist ein anspruchsvoller Plan, aber ein äußerst umstrittener: Über Deutschlands Straßen sollen künftig weniger Lastwagen, dafür aber superlange rollen. Sie würden weniger Schadstoffe ausstoßen und weniger Diesel verbrauchen, beteuern Befürworter.

Hintergrund: Im Herbst rollen die Gigaliner

Lübecker Teststrecken für die Gigaliner sind unter anderem der Padelügger Weg, der Steinrader Damm, die Seelandstraße, Mecklenburger Straße, Geniner Straße, der Bereich Lohmühle und die B 75 zwischen Autobahn und Skandinavienkai. „Die zerstören unsere Häuser und den Steinrader Damm“, sagt Ute Pache (60), Eigentümerin von Pache’s Gasthof mit Bed & Breakfast (neun Zimmer). Pache will nicht, dass die Riesenlaster an ihrem Hotel vorbeirauschen. Schon jetzt würden die ganz normalen Lastwagen Erschütterungen auslösen. Die 60-Jährige: „Die Gigaliner müssen unbedingt verhindert werden, die Sicherheit der Kinder ist gefährdet.“ Viele Lastwagenfahrer würden jetzt schon tagsüber und nachts von der Autobahn herunterfahren, um an der günstigen „Schlüsseltankstelle“ im Gewerbegebiet Rapsacker zu tanken. „Wenn jetzt noch die Gigaliner dazu kommen . . .“ Ute Pache mag nicht daran denken. Sie glaubt nicht, dass es bei der Testphase bleibt. „Erst machen sie einen Versuch, und dann werden Tatsachen geschaffen“, wettert die Unternehmerin.

Jörg Haase, Vorsitzender des FC Dornbreite (550 Mitglieder), dessen Vereinsgelände direkt am Steinrader Damm liegt, sieht keine Nachteile für seinen Verein durch die Gigaliner, doch begeistert ist auch er nicht. „Man muss auch an die Kinder denken“, sagt er und verweist auf den benachbarten Kindergarten. Haase ist überzeugt: „Die Anwohner werden auf die Barrikaden gehen.“

„Das ist nicht toll, noch mehr Schwerlastverkehr zu bekommen“, kommentiert Michaela Wulf vom Campingplatz Lübeck-Schönböcken (20 000 Übernachtungen jährlich) den Gigaliner-Plan. Schon jetzt gebe es einen starken Lastwagen-Verkehr auf dem Steinrader Damm: „Das scheppert ganz gut.“ Seit einem Jahr lebt Anne-Kathrin Skaide in der neuen Siedlung Hagenskoppel am Steinrader Damm. Die Mutter einer zweieinhalbjährigen Tochter macht sich Sorgen: „Die Lastwagen machen den Weg zum Kindergarten und zur Schule noch gefährlicher.“ Außerdem ärgert sie sich schon jetzt darüber, dass Lastwagen „den Steinrader Damm zuparken“.

Umweltsenator Bernd Möller (Grüne) sieht durch immer größere Lkws „Probleme auf uns zukommen“. Aus ökologischen Gründen sollte Ladung auf das dicht ausgebaute Schienennetz verlagert werden. Das fordert auch die SPD. „Gigaliner laufen voll gegen das Konzept ,Lübeck staufrei‘“, kritisiert Verkehrspolitiker Ulrich Pluschkell, „der Verkehr wird behindert, und unsere Straßen werden kaputtgefahren.“ Pluschkell nennt den Feldversuch eine „Speichelleckerei gegenüber dem Speditionsgewerbe“. Speditionen und Logistikbetriebe haben nach Angaben des Kieler Verkehrsministeriums weitere Strecken nachgemeldet. Die Liste des Ministeriums fiel kürzer aus.

„Unsere Liste hatte Hand und Fuß“, erklärt Verkehrsminister Jost de Jager (CDU), der jetzt mit dem Bund über die Zusatzwünsche verhandeln muss. Kiel hatte mehrere Autobahnen sowie Zubringerstrecken nach Berlin gemeldet, aber weniger, als der Bund jetzt vorgelegt hat. De Jager fordert eine sorgfältige Abwägung zwischen den Wünschen der Wirtschaft, ökologischen Belangen und der möglichen Belastung der Bevölkerung: „Es gibt Gesprächsbedarf mit dem Bund, aber es gibt keinen Streit.“

Die Lübecker Stadtverwaltung sieht die Straßen und Brücken in der Hansestadt für die langen Lkws gerüstet. „Wir sehen bei dem Feldversuch mit Lang-Lkws keine großen Probleme“, sagt Stefan Klotz, Bereichsleiter Verkehr. Kritisch könnte es werden, wenn eines Tages Gigaliner mit 60 Tonnen Gewicht rollen. Klotz: „Wir haben noch keine statischen Berechnungen vorgenommen, ob unsere Straßen und Brücken das aushalten.“

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