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Lübeck Graffiti: Bürgerinitiative kämpft für ein sauberes Lübeck
Lokales Lübeck Graffiti: Bürgerinitiative kämpft für ein sauberes Lübeck
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18:29 25.11.2013
Von Peer Hellerling
Vor allem an der Untertrave registriert die Anti-Graffiti-Initiative besonders viele Schmierereien — wie hier gegenüber den Media Docks.
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Lübeck

Es gleicht einer Sisyphusarbeit, der sich Barbara Angermann und Henning Raffel verschrieben haben — so beschreiben sie es selbst. Beide engagieren sich in der Antigraffiti-Initiative Lübeck (Agil).

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Sie wollen das Bewusstsein der Hauseigentümer schärfen für die bunten, aber illegalen Bildchen und Schriftzüge an Häuserwänden. Da ist zum Beispiel die Burgtreppe zwischen der Kleinen Burgstraße und der Kleinen Altefähre: Auf der einen Seite steht eine alte Backsteinmauer, auf der anderen eine vollgesprühte Hauswand.

„Das sieht scheußlich aus“, sagt Raffel. „Die Treppe ist eigentlich wunderschön.“ Teilweise gehe es so weit, dass er sich für Lübeck schäme, wenn er Freunden und Bekannten die Innenstadt zeigt. „Der Status als Weltkulturerbe ist eine Verpflichtung für die Zukunft.“ Überall in der Stadt tauchen bunte Schriftzüge — sogenannte Tags — an Häuserwänden auf, aber auch an Stromkästen und sogar Laternen.

Der eine oder andere gibt sich wiederum Mühe und sprüht kleine Kunstwerke an die Fassaden.

In den Augen von Angermann und Raffel handelt es sich bei allen um Schmierereien, das Wort Graffiti benutzen sie sehr selten. Das Bündnis Agil hat den bunten Bildchen den Kampf angesagt. Es ist der Zusammenschluss von rund 40 engagierten Bewohnern der Altstadtinsel . „Wir wollen an den Bürgersinn appellieren, die Schmierereien nicht einfach hinzunehmen“, sagt Angermann. Entstanden ist die Idee auch, weil die Akteure bei Stadt und Politik nach eigener Aussage nicht weiterkamen.

Stadtsprecher Marc Langentepe sagt, der Ordnungsdienst sei angehalten, Graffiti an öffentlichen Gebäuden zu notieren. „Das ist Sachbeschädigung.“ Auch das Rathaus ist Ziel der Sprayer. Die Aufklärungsquote liegt laut Polizei gerade einmal um die zehn Prozent. Vor zehn Jahren hatte die Bürgerschaft ein Pilotprojekt zur Graffiti-Beseitigung im Aegidienviertel beschlossen. Nach ersten Erfolgen ist es inzwischen eingeschlafen.

Nun arbeitet Agil an dem Problem. Die Mitglieder versuchen, private Eigentümer davon zu überzeugen, Graffiti sofort wegzumachen. „Es gibt nichts Schlimmeres für einen Sprayer“, sagt Angermann. Alle Mitglieder klingeln an den Haustüren, um Flyer zu verteilen und über das Projekt zu sprechen. Selbst zum Putzlappen und Farbeimer zum Überstreichen greifen die Mitglieder aber selten. Raffel: „Wir können für Privatleute nicht die Arbeit machen.“ Vielmehr gehe es um Aufklärung.

Die Resonanz ist unterschiedlich, manche Hausbesitzer zeigen Interesse und andere nicht. In der Großen Burgstraße habe Agil aber schon Fortschritte erzielt, sagt Angermann. Vor zwei, drei Jahren habe es dort schrecklich ausgesehen. Größere Probleme bereiten die Gebiete, „die abseits der Touristenströme sind“, sagt Raffel. Dazu gehören vor allem die Untertrave und deren kleine Nebenstraßen. In der Fischergrube ist eine kahle Hauswand mit Sprüchen und Tags beschmiert. An der Wakenitzmauer sieht es ähnlich aus.

Legale Graffiti-Wände stehen keine in Lübeck. „Im Jugendzentrum Burgtor gibt es ab und an Aktionen“, sagt Stadtsprecher Marc Langentepe. Alle Projekte würden das Sprayer-Problem in der Stadt jedoch nicht beheben, sagt Henning Raffel. „Eine Häuserwand hat immer den Reiz des Verbotenen.“

Angemaltes Lübeck
54 Fälle hat die Polizei beispielsweise im vergangenen August registriert, im Jahr 2011 waren es noch 42. Dafür sind die Zahlen im November auf 25 zurückgegangen (2011: 56 Fälle). Eine vollständige Bilanz gibt es erst mit der Kriminalstatistik 2012 im März dieses Jahres.

Die Täter sind meistens allein unterwegs oder in kleinen Gruppe mit bis zu drei Mitgliedern. Das Alter liegt oft zwischen 15 und 25 Jahren. Besprüht werden alle Gebäudearten und Denkmäler im gesamten Stadtgebiet.