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Lübeck Graffiti an Lübecks Wänden haben sich fast verdoppelt
Lokales Lübeck Graffiti an Lübecks Wänden haben sich fast verdoppelt
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10:07 07.03.2015
Graffiti an der Burgtorbrücke: Das unerlaubte Besprayen von Wänden und Fassaden hat laut Polizei in der Altstadt stark zugenommen.
Graffiti an der Burgtorbrücke: Das unerlaubte Besprayen von Wänden und Fassaden hat laut Polizei in der Altstadt stark zugenommen. Quelle: Fotos: Neelsen
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Lübeck

Es ist ein sehr deutlicher Zuwachs, der die Polizei vor ein Rätsel stellt: Während die Beamten im Jahr 2013 noch 467 Fälle von Sachbeschädigung auf Straßen oder Plätzen zählte, waren es im vergangenen Jahr mit 872 Delikten über 80 Prozent mehr.

„Hierbei handelt es sich hauptsächlich um Graffiti“, sagt Kriminaldirektor Jochen Berndt, der gestern die Kriminalstatistik des vergangenen Jahres für Lübeck vorstellte. „Dieser Trend ist für uns nicht nachvollziehbar.“ Zumal die Fallzahlen zu Sachbeschädigung durch Graffiti auch laut der bundesweiten Statistik in den vergangenen Jahren rückläufig sind.

Vor allem in der Innenstadt sei es verstärkt zum unerlaubten Besprayen von Wänden und Fassaden gekommen, so Berndt - zuletzt mussten um die Jahreswende großflächige Schmierereien in der Königstraße entfernt werden. Trotz der statistischen Daten vermutet Barbara Angermann, Vorstandsmitglied der Antigraffiti-Initiative Lübeck (Agil), dass diese Zahlen vor allem dadurch zustande gekommen sind, dass die Anwohner inzwischen sensibilisierter sind und bei unerlaubten Sprayereien nun immer die Polizei rufen. „So haben wir das den Hausbesitzern empfohlen“, sagt Angermann. „Auch wenn in der Regel nicht mehr nachzuweisen ist, wer das getan hat.“

Das belegen die Zahlen: Die Aufklärungsquote der Taten ist ebenso wie im vergangenen Jahr sehr niedrig. Sie liegt fast unverändert bei 14,7 Prozent, während in Lübeck im Vergleich dazu im vergangenen Jahr insgesamt fast 52 Prozent aller erfassten Straftaten aufgeklärt werden konnten. „Seitdem wir aber an Stellen wie der Burgtreppe, der Wakenitzmauer und der Einfahrt Engelswisch jedes Graffito, das wir sehen, sofort entfernen, kommen da auch weniger nach“, berichtet Angermann, die wie etwa 20 andere Aktive der Agil fast jeden Tag im Kampf gegen Schmierereien unterwegs ist.

Auffällig in der polizeilichen Statistik ist auch, dass fast die Hälfte der Sachbeschädigungen auf Straßen oder Plätzen von Tatverdächtigen unter 21 Jahren begangen worden sind, während jedoch die Zahl der ermittelten kriminellen Jugendlichen in den vergangenen Jahren kontinuierlich gesunken ist. Inzwischen liegt sie insgesamt bei rund 21 Prozent; 2008 waren es noch über 27 Prozent.

Insbesondere im Bereich der Straßenkriminalität beobachtete die Polizei, dass die Tatverdächtigen älter werden. „Die Jüngeren gehen nicht mehr unbedingt nach draußen, sondern sitzen viel am PC“, sagt Polizeidirektor Heiko Hüttmann zur Begründung dieser Entwicklung. Zudem würden hier demografische Aspekte zum Tragen kommen: Insgesamt gebe es weniger Menschen im Altersbereich unter 21 Jahren. Nur bei den Delikten Taschen- und Fahrraddiebstahl sowie dem Diebstahl von Mopeds und Motorrädern gebe es in der Altersgruppe leichte Zuwächse.

Dass aufgrund der vermuteten verstärkten Aktivität am Computer auch der Computerbetrug oder Warenkreditbetrug über das Internet zunimmt, ist jedoch ein Trugschluss: Bei Waren- und Warenkreditbetrug wurde ein Minus von knapp 22 Prozent ermittelt. „Das liegt daran, dass bei über Internetplattformen durchgeführte Transaktionen häufig kein Tatort ermittelt werden kann“, so Berndt. „Die Ergebnisse sind an dieser Stelle nicht aussagekräftig.“

Wohnungseinbrüche haben zugenommen, Diebstähle aus Autos abgenommen

24 907 Verbrechen und Vergehen sind im vergangenen Jahr von der Schutz- und Kriminalpolizei der Hansestadt erfasst worden. Im Vergleich zum Vorjahr entspricht das einem Zuwachs von 1,6 Prozent — ein Wert, der leicht über dem landesweiten Anstieg von 1,2 Prozent liegt. Im statistischen Vergleich der Kreise und kreisfreien Städte weist Lübeck nach Neumünster im Verhältnis zur Einwohnerzahl die zweithöchste Häufigkeitszahl auf. Die Aufklärungsquote in Lübeck stieg im Vergleich zu 2013 von 49,8 auf 51,9 Prozent.


Im Bereich Einbruchdiebstahl in Wohnräume und Tageswohnungseinbruch gibt es ein Plus zu verzeichnen: Ersteres stieg um 9,4 (887 Fälle), letzteres um 25,9 Prozent (170 Fälle). Allerdings gibt es Erfolge zu verzeichnen: Es konnte ein Täterduo gefasst werden, das insgesamt 20 Einbrüche verübt hatte. Die Aufklärungsquote für Einbruchdiebstahl lag 2014 bei 33,8 Prozent.
12,1 Prozent weniger — der Diebstahl aus Pkws und anderen Kraftfahrzeugen hat im Vergleich zum vergangenen Jahr deutlich abgenommen. 1174 Fälle wurden 2014 gezählt, während es im Vorjahr noch 1335 gewesen waren. Die Polizei führt das zum einen auf die Präventionskampagnen zurück, zum anderen auf die Tatsache, dass beispielsweise Radios in den Pkws häufig fest verbaut und somit schwieriger zu entwenden seien.


Rauschgiftdelikte hingegen haben laut der Statistik um 8,3 Prozent zugenommen. Lokale Schwerpunkte sind hier die Innenstadt und St. Lorenz Süd.
Diese Erhöhung führt die Polizei jedoch nicht auf eine tatsächliche Steigerung, sondern vielmehr darauf zurück, dass mehr Straftaten als üblich in diesem Bereich bekanntgeworden sind. Somit lag die Aufklärungsquote auch bei dem hohen Wert von 91,1 Prozent. Wie Kriminaldirektor Detlev Zawadzki mitteilt, gebe es keine deutliche Verschiebung bei der Art der konsumierten und gehandelten Drogen:
Cannabis sei weiterhin am stärksten vertreten, Crystal Meth hingegen trete nur ganz vereinzelt auf.
37,8 Prozent betrug der Anstieg an Umweltdelikten, was vor allem auf die falsche Entsorgung von Müll zurückzuführen ist.

Lena Schüch