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Lübeck Politiker streiten über das Grillen
Lokales Lübeck Politiker streiten über das Grillen
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14:56 27.03.2019
Die Grillsaison steht vor der Tür – auch in Travemünde. Quelle: dpa
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Travemünde

„Diese neuen Regeln sind lebensfremd“, wetterte Michelle Akyurt, Fraktionschefin der Grünen, im Hauptausschuss der Bürgerschaft. „30 bis 40 Grillstellen auf dem Grünstrand sind eine Zumutung nicht nur für Vegetarier“, hielt der Travemünder CDU-Politiker Ulrich Krause dagegen. Über die neuen Grill-Regeln auf dem Grünstrand lieferten sich die Politiker im Hauptausschuss am Dienstagabend im Rathaus einen Schlagabtausch.

So sieht es bisher am Grünstrand aus. Im kommenden Sommer gelten neue Regeln. Quelle: Wolfgang Maxwitat

„Von montags bis donnerstags kann man rund um die Uhr grillen, und von Freitag bis Sonntag stellen Kontrolleure ab 21 Uhr das Grillen ab?“, bezweifelte FDP-Fraktionschef Thomas Rathcke den Sinn der neuen Regeln. Muslime könnten im Ramadan erst nach Sonnenuntergang essen und mit dem Grillen anfangen. „Das wäre ja ein Nacht-Grillen“, konterte CDU-Politiker Krause, „das wollen wir nicht haben.“

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So sehen die Grillplätze der Kurverwaltung auf dem Grünstrand aus. Quelle: Thomas Krohn

Anwohner beschweren sich

Krause: „Es müssen Regeln her, anders geht es nicht mehr.“ Bis 2011 war das Grillen auf der Liegewiese an der Kaiserallee nicht erlaubt. „Im Zuge der Neugestaltung wurden zur Belebung des dortigen Bereichs neben einem Spielplatz für Kleinkinder und zahlreichen Sitzpodesten auch zwei feste Grillstationen auf der Liegewiese installiert.“, scheibt die Verwaltung in einem Bericht zum Grünstrand. Im Super-Sommer wurde das Brutzeln unter freiem Himmel so beliebt, dass sich Anwohner beschwerten – über extreme Rauchbelastung, Ruhestörung, verbotswidriges Campen und Zweckentfremdung der öffentlichen Toiletten und der Strandduschen, die zum Abspülen von Geschirr genutzt wurden. „Das Ganze ist ausgeartet“, sagte Krause: „Es gibt kein Grundrecht auf Grillen am Meer.“

Der Grünstrand ist ein beliebter Treffpunkt, um im Freien zu feiern. Quelle: Thomas Krohn

Die Grünen haben „Bauchschmerzen mit dem privaten Sicherheitsdienst“, erklärte Thorsten Fürter. Die Behörden haben nicht genug Personal, um die Grünstrand-Griller zu überwachen. Ob die Stadt auch anderswo private Wachleute einsetze, wollte der Grünen-Politiker wissen. Wirtschaftssenator Sven Schindler (SPD): „Ja, im Verwaltungszentrum Mühlentor.“

Flächen am Strand freigeben

Michelle Akyurt (Grüne) warf der Verwaltung eine „Gängelung der Griller“ vor. Die Stadt solle wenigstens die Uhrzeiten noch einmal überdenken. Tatsächlich gelten die Grillregeln von morgens 9 bis abends 21 Uhr. Katjana Zunft (Linke) regte an, über Ersatzflächen für die Griller nachzudenken und beispielsweise Flächen am Strand dafür freizugeben: „30 bis 40 Grillstellen an einem Abend – es gibt also Bedarf.“ Kurdirektor Uwe Kirchhoff verwies darauf, dass es am Brodtener Ufer einen großen Grillplatz gibt.

Eine Saison auf Probe

Gängelung der Griller? Notwendiger Schutz der Anwohner? Die Verwaltung will die neuen Regeln eine Saison lang ausprobieren und dann entscheiden, wie es weitergeht. Wirtschaftssenator Schindler: „Irgendwo muss man eben anfangen.“

Kai Dordowsky

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