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Lübeck Jan Lindenau sagt ja: Neues Museum für Groß Pampaus Wale in Lübeck
Lokales Lübeck Jan Lindenau sagt ja: Neues Museum für Groß Pampaus Wale in Lübeck
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16:15 23.08.2019
Uwe Havekost, Bürgermeister Jan Lindenau, Kultursenatorin Kathrin Weiher, Gerhard Höpfner, Martin Kupsch und Andreas Malchow (von links) am Freitag während der Besichtigung der Grabungsstelle in Groß Pampau. Quelle: Timo Jann
Lübeck/Groß Pampau

Die weltweit einzigartige Grabungsstelle für fossile Meereslebewesen in Groß Pampau bei Schwarzenbek soll in Lübeck ein eigenes Museum bekommen. Bürgermeister Jan Lindenau (SPD) kündigte am Freitag nach der Besichtigung der Grabungsstelle an, mit der Landesregierung in den Dialog treten zu wollen, um eine moderne Präsentation der einzigartigen Funde zu realisieren. Das bisher dafür genutzte Museum für Natur und Umwelt gilt als zu klein und nicht mehr zeitgemäß. Ministerpräsident Daniel Günther und Landtagspräsident Klaus Schlie (beide CDU) hatten bei früheren Besuchen in Groß Pampau bereits signalisiert, so ein Museum unterstützen zu wollen – wenn Lübeck es möchte.

Die Grabungsstelle bei Groß Pampau ist weltweit einzigartig. Lübecks Bürgermeister Jan Lindenau informierte sich vor Ort über fossile Funde. Quelle: Timo Jann

Und nun möchte Lübeck. Die Bürgerschaft hatte die Verwaltung ohnehin beauftragt, die Museumslandschaft weiterzuentwickeln. Lindenau: „Wir müssen da aufholen und an Attraktivität gewinnen.“ Das, was die Region zu bieten habe, authentisch zu präsentieren, sei in der heutigen Zeit, wo sich junge Menschen fragen würden, woher die Umwelt kommt, genau richtig, meinte der Bürgermeister. „Wir wollen eine Einzigartigkeit schaffen, die es in anderen Museen nicht gibt“, sagte Lindenau. Virtuelle Darstellungen, Licht und Sound, seien da Themen der Zukunft.

Bisher werden die Funde aus Groß Pampau im Lübecker Museum für Natur und Umwelt präsentiert. Ein moderner Neubau soll her. Quelle: Timo Jann

Das Grabungsteam um Gerhard Höpfner reagierte begeistert. „In Kiel konnten wir ja bereits überzeugen, schön, dass nun auch Lübeck erkannt hat, was für eine einmalige Chance sich hier bietet“, berichtete Höpfner. Wenn er davon erzählt, wie ein Museum für die fossilen Funde aus der Urnordsee gestaltet werden könnte, dann gerät er ins Schwärmen. „Wir können die Urnordsee wieder lebendig machen, denn wir wissen mittlerweile, wie das Leben in dem Meer damals aussah“, erzählt Höpfner. Er leitet das Grabungsteam, das im Auftrag des Lübecker Museums für Natur und Umwelt aktiv ist. Zusammen mit seinem Bruder Wolfgang, Andreas Malchow, Uwe Havekost, Martin Kupsch und Svenja Warnke hat er in den vergangenen Jahren tonnenweise Ton bewegt und dabei Knochen elf Millionen Jahre alter Lebewesen freigelegt. Einige Arten wurden bisher nur in Groß Pampau entdeckt. Hier fand sich anhand spezieller Knochen auch der Beweis dafür, dass Wale früher an Land laufen konnten.

Uwe Havekost, Wolfgang Höpfner, Andreas Malchow, Svenja Warnke, Gerhard Höpfner und Martin Kupsch (von links) sind das Grabungsteam, das in Groß Pampau aktiv ist. Quelle: Timo Jann

Schon lange träumt das Team davon, dass die weltweit einzigartige Grabungsstelle eine angemessene Präsentation in einem modernen Museum erhält. „Es gibt so tolle Museen, in denen man viel mit Erlebnispädagogik machen kann. Wir könnten den Besuchern zeigen, wie es hier vor elf Millionen Jahren war“, berichtet Malchow. Die Urnordsee reichte bis hinter Berlin, war bei Groß Pampau gut 40 Meter tief. In Groß Pampau können die Paläontologen wegen einer geologischen Besonderheit einen Einblick auf den früheren Meeresgrund gewinnen. Denn ein unterirdischer Salzstock hat den Ton, der sich über Millionen Jahre aus abgelagerten Sedimenten gebildet hatte, an die Erdoberfläche gedrückt.

Wenn in Groß Pampau der Millionen Jahre alte Ton abgebaut wird, entdecken die Paläontologen oft neue Knochensplitter und dann fossile Meeresbewohner.. Quelle: Timo Jann

Seit 1984 wurden in Groß Pampau 20 Wale, Haie, Robben und ungezählte andere Meereslebewesen entdeckt.

Die Fundstelle befindet sich in der Tongrube der Firma Ohle & Lau, die das Material unter anderem für Deponieabdichtungen abbaut. Dabei werden immer wieder Knochen freigelegt, die dann das Grabungsteam auf den Plan rufen. „Das, was man hier findet, darum beneidet uns die ganze Welt“, erklärte Höpfner. Wenn Ton abgebaut wird, entdecken die Mitglieder des Grabungsteams immer wieder kleinste Splitter von Knochen oder Wirbeln der damaligen Meeresbewohner. Grubenbesitzer Wolfgang Ohle unterstützt die Paläontologen, indem er den Ton bei einem Fund an anderer Stelle abbauen lässt. So kann das Grabungsteam den Bereich systematisch durcharbeiten. „Das Team brennt für die Sache“, sagt Gerhard Höpfner. Fast jede freie Minute verbringen die Ehrenamtlichen in der Tongrube.

Wolfgang Höpfner (links) und Andreas Malchow gehören zum Grabungsteam. Hier arbeiten sie daran, einen fossilen Wal freizulegen.. Quelle: Timo Jann

„So ein Museum, in dem die Funde ausgestellt und der Hintergrund zur damaligen Zeit dargestellt wird, das hätte schon was“, hofft Malchow auf eine Realisierung. Im aktuellen Museum für Natur und Umwelt ist nur der kleinste Teil der bisherigen Funde ausgestellt. Das meiste liegt im Magazin des Museums. Und noch ist das Ende des Tonabbaus lange nicht absehbar. „Museum für Umwelt und Urmeer“ wäre ein Titel, der Gerhard Höpfner vorschwebt. „Das, um das uns die ganze Welt beneidet, müssen wir auch endlich zeigen“, sagt er.

Grabungsleiter Gerhard Höpfner (Mitte) informierte Bürgermeister Jan Lindenau und Kultursenatorin Kathrin Weiher über die fossilen Funde. Quelle: Timo Jann

Das finden Bürgermeister Lindenau und Kultursenatorin Kathrin Weiher nach ihrem Besuch in Groß Pampau auch. „Die Dimensionen hier muss man erst mal begreifen“, gab Lindenau zu. „Wir brauchen ein neues Museum.“ Das könne Lübeck aber nicht alleine leisten. Das Land hat schon Unterstützung signalisiert. Lindenau hofft, dass über das Land auch mögliche Fördermittel der Europäischen Union eingeworben werden könnten. Er möchte die Groß Pampauer Fundstücke in den Fokus rücken. „Die Evolution ist ein großes Thema, da haben wir mit diesen originalen Funden riesige Pluspunkte“, erklärte Museumsleiterin Susanne Füting.

Martin Kupsch, Susanne Füting, Wolfgang Höpfner, Jan Lindenau, Uwe Havekost, Kathrin Weiher, Gerhard und Marion Höpfner sowie Andreas Malchow (von links) begeistern sich gemeinsam für die spektakulären Funde aus der Urnordsee in Groß Pampau. Quelle: Timo Jann

Von Timo Jann

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