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Lübeck Für CO2-Steuer, gegen Upload-Filter
Lokales Lübeck Für CO2-Steuer, gegen Upload-Filter
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19:04 08.05.2019
400 Jugendliche waren bei der Veranstaltung in der MuK mit EU-Politikern. Aufmerksam lauschte Kardo Hussein (17) aus Lübeck (M.). Quelle: Ulf-Kersten Neelsen
Lübeck

Erst gab es Statements von sechs Politikern und drei Schülern, dann kam Bewegung in die Rotunde der MuK. Die Politiker stellten Fragen und die Schüler bewegten sich zu vier Feldern – ja, nein, vielleicht und häh?. Es war eine Abstimmung mit den Füßen und sie fiel deutlich aus.

Abstimmung mit den Füßen: Politiker befragten Schüler nach ihrer Haltung zu verschiedenen Themen, die Schüler wanderten zu den Antwortfeldern ja, nein, vielleicht und häh?. Quelle: Kai Dordowsky

Die große Mehrheit der Jugendlichen aus diversen weiterführenden Schulen stimmte für eine CO2-Steuer und gegen Upload-Filter im Internet, für eine ökologische Landwirtschaft und gegen die Abschiebung krimineller Flüchtlinge.

Die Stadtschülersprecher Lukas Leitner (v. l.) und Lea Casjens sowie Lars Mussel vom Jugendring organisierten die Veranstaltung. Quelle: Ulf-Kersten Neelsen

Verschiedene Veranstaltungsformate

„Wir sind auch noch da“ lautete das Motto der Veranstaltung, die das Stadtschülerparlament und der Lübecker Jugendring auf die Beine stellten. „Wir haben das Gefühl, dass die Jugend von den Politikern zu wenig Gehör bekommt“, sagte Stadtschülersprecher Lukas Leitner.

Statt einer „langweiligen Podiumsdiskussion“ gab es verschiedene Veranstaltungsformate – neben Statements und Abstimmung mit den Füßen auch Diskussionsforen zu sechs verschiedenen Themen wie Migration und Umweltpolitik. Und am Schluss konnten die Jugendlichen in zwei Wahlkabinen schon einmal ihre Stimmen abgeben.

Auch die AfD war dabei

Sechs Parteien waren eingeladen, die am Rande der MuK-Rotunde ihre Infostände aufgebaut hatten. Darunter auch die AfD. Im Vorfeld der Veranstaltung hatte es Kritik gegeben, dass die AfD dabei war. Lars Mussel vom Jugendring: „Schüler sind fähig, sich gegen rechte Tendenzen zu wehren.“

Am Rande der EU-Veranstaltung konnten Jugendliche an einer „EU-Wahl“ teilnehmen. Ergebnisse werden am 17. Mai veröffentlicht. Quelle: Ulf-Kersten Neelsen

Verhaltensregeln für die Schüler

Die Schüler saßen auf dem Boden der Rotunde auf Picknick-Decken oder mitgebrachten Skateboards. Vor der Debatte gab es noch ein paar Verhaltensregeln. Stadtschülersprecher Leitner: „Zeigt Respekt vor anderen Meinungen, schaltet Eure Smartphones auf stumm und nehmt Euren Müll wieder mit.“

AfD-Kandidat Julian Flak freute sich „auf einen kontroversen Tag“ – und den bekam er auch. Immer wieder wurde er von Buhrufen unterbrochen, skandierten Teile der Schülerschaft Sprüche gegen die AfD. Die Bekenntnisse seiner Mitbewerber, dass Rechtspopulisten nicht ins EU-Parlament gehören, erhielten jedes Mal starken Applaus.

Lebhafte Diskussion

Lars Kuhlamm, Kandidat der CDU, sprach sich „für Internet an jeder Milchkanne aus. Helmer Krane, Spitzenkandidat der FDP in Schleswig-Holstein: „Mit jedem Flüchtling, der im Mittelmeer ertrinkt, gehen unsere Werte unter.“ Enrico Kreft, Spitzenkandidat der SPD, warb für ein soziales Europa und lehnte Dumpinglöhne ab. Julian Flak (AfD) will nicht, dass die EU über Auslandseinsätze der Bundeswehr bestimmt. Und die Landesvorsitzende der Grünen, Ann-Kathrin Tranziska, warb für Klimaschutz und eine andere Landwirtschaftspolitik.

Die Linken hatten ihren Fraktionsvorsitzenden in der Bürgerschaft ins Rennen geschickt. Ragnar Lüttke nutzte seinen Auftritt, um für einen Beschluss der Bürgerschaft zum Klima-Notstand zu werben. Lüttke: „Klimaschutz ist nicht alles, aber ohne Klimaschutz ist alles nichts.“

Simon Nazarenus, der vergangenes Jahr sein Abitur an der OzD gemacht hat, fordert: „Wir brauchen ein starkes Europa, ein Europa, das handelt.“ Quelle: Ulf-Kersten Neelsen

Wie viel die Europäische Union den Jugendlichen bedeutet, schilderten drei Schüler. Simon Nazarenus (19) erzählte von seinem Opa, der als Jugendlicher vor der Roten Armee fliehen musste. Nazarenus: „Ich bin dankbar für meine Kindheit ohne Angst und Flucht.“ Michel Kopp (16) zitierte ein Gedicht von Kurt Tucholsky: „Auf jedem Quadratmeter Raum träumt einer seinen völkischen Traum.“ Der Schüler des Katharineums kritisierte, dass die EU auseinanderdriftet: „Man hat das Gefühl, der kollektive Kollaps steht bevor.“

Maja Stolte, Schülerin des Johanneums, trug das Statement einer Freundin vor: „Freiheit und Frieden wachsen nicht auf den Bäumen.“ Quelle: Ulf-Kersten Neelsen

Maja Stolte (17), Schülerin des Johanneums, trug das Statement einer Freundin vor. Die EU sei bei weitem nicht perfekt, „aber die Ängste unserer Vorfahren kommen uns heute vor wie von einem anderen Planeten.“ Freiheit und Frieden würden nicht auf den Bäumen wachsen und seien nicht von Gott gegeben.

170 000 Lübecker können an der EU-Wahl teilnehmen. 12 000 sind Erstwähler. Simon Nazarenus: „Ich gehe am 26. Mai zur Wahl.“

Kai Dordowsky

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