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Lübeck Grüne gegen neue Einfamilienhäuser in Lübeck
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06:41 14.02.2020
Eigenheime wie diese hier im Gründungsviertel könne sich Lübeck in den nächsten Jahren nicht mehr leisten, sagen die Grünen – wegen Klimawandel, Flächenverbrauch und Wohnungsnot. Quelle: 54°/John Garve
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Lübeck

Klimawandel, Flächenverbrauch, Wohnungsnot: Aus Sicht der Grünen dürfen in Lübeck keine neuen Einfamilienhäuser mehr gebaut werden. Bürgerschaftsmitglied Thorsten Fürter: „Wir können es uns in Lübeck nicht leisten, auch nur ein neues Einfamilienhaus zu bauen.“

Das sei wegen des Flächenverbrauchs nicht nur klimapolitisch ein falscher Weg. Die Grünen treibt auch die Sorge um den Wohnungsmarkt um. Bis 2050 gehen fast 80 Prozent der bestehenden knapp 8000 Sozialwohnungen aus der Bindung, unterliegen dann nicht mehr der Preisbindung bei den Mieten. Fürter: „Wir brauchen einen Beschluss der Bürgerschaft, dass die Zahl der Sozialwohnungen nicht weiter sinken darf.“

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Thorsten Fürter (Grüne), Mitglied der Bürgerschaft: „Wir können es uns in Lübeck nicht leisten, auch nur ein neues Einfamilienhaus zu bauen.“ Quelle: LN-Archiv

Grüne: Familien können bestehende Häuser kaufen

Die Lösung der Grünen sieht so aus: Die vorhandenen Baugrundstücke werden ausschließlich für Mietwohnungen im Geschosswohnungsbau verwendet. Familien, die gerne in einem Einfamilienhaus wohnen wollen, könnten bestehende Häuser kaufen, sagt Fürter.

In die gleiche Kerbe schlägt Fürters Fraktionskollegin Michelle Akyurt. Lübeck brauche jedes Jahr 650 neue Wohnungen. In den vergangenen Jahren sei lediglich die Hälfte fertiggestellt worden. Akyurt: „Wer schließt diese Lücke?“ Die Sozialpolitikerin bleibt dabei: „In Lübeck herrscht Wohnungsnot.“

Ulrich Krause (CDU), Mitglied der Bürgerschaft: „Die Bürger haben eigene Vorstellungen, wies sie wohnen wollen.“ Quelle: LN-Archiv

SPD- und CDU-Politiker schütteln über den Grünen-Vorstoß den Kopf. „Die Bürger haben eigene Vorstellungen, wie sie wohnen wollen“, erklärt Ulrich Krause (CDU), „wenn es keine Einfamilienhäuser zu kaufen gibt, stimmen sie mit den Füßen ab.“ Sein Fraktionskollege Bernhard Simon weiß, wohin diese Füße tragen: „Die 30- bis 50-Jährigen verlassen uns und gehen in die Umlandgemeinden, wo sie Häuser bauen können.“

CDU will mehr Grundstücke für Einfamilienhäuser

Die CDU will deshalb nicht weniger oder gar keine neuen Einfamilienhäuser, sondern viel mehr davon. Simon: „Insbesondere bei Ein- und Zweifamilienhäusern muss mehr getan werden.“ Lübeck müsse Familien, die nach Wohneigentum streben, die beruflich etabliert sind, über ein angemessenes Einkommen verfügen und entsprechende Steuern zahlen, eine Heimat bieten.

Bernhard Simon (CDU), Mitglied der Bürgerschaft: „Insbesondere bei Ein- und Zweifamilienhäusern muss mehr getan werden.“ Quelle: Lutz Roeßler

Nach Angaben von Wirtschafts- und Sozialsenator Sven Schindler (SPD) macht die Stadt eine bedarfsorientierte Wohnungsbaupolitik. In der Hansestadt seien in den vergangenen Jahren 866 Geschosswohnungen und 190 Einfamilienhäuser gebaut worden. Geplant seien 2850 Geschosswohnungen und 775 Einfamilienhäuser. Schindler: „Beim Geschosswohnungsbau sind wir gut davor.“ Als Beispiele nennt der Senator das neue Kepler-Quartier und das geplante Klima-Wohngebiet Lauerhofer Feld.

Bausenatorin: Neubau allein reicht nicht

Dass der Bestand an Sozialwohnungen in den nächsten 30 Jahren drastisch zurückgeht, bestreitet die Verwaltung nicht. Bausenatorin Joanna Hagen (Parteilos): „Es werden sehr viele Wohnungen aus der Preisbindung fallen – und das lässt sich nicht durch Neubau auffangen.“ Die Stadt müsse mit den Vermietern auch über eine Verlängerung der Preisbindung reden.

Mietpreise in Lübeck

Der aktuelle Wohnungsmarktbericht der Verwaltung listet durchschnittliche Kaltmieten pro Quadratmeter in der Hansestadt auf. Dafür wurden Daten der Immobilienwirtschaft und Datenbanken ausgewertet.

Die durchschnittliche Kaltmiete auf ganz Lübeck berechnet liegt bei frei finanzierten Wohnungen bei 6,19 Euro. Die Spanne reicht von 4,59 Euro in Moisling bis zu 7,16 Euro in der Innenstadt. Bei Sozialwohnungen liegt die durchschnittliche Kaltmiete gesamtstädtisch bei 5,74 Euro. Die Spanne reicht von 5,18 Euro in Buntekuh bis zu 6,08 Euro in der Innenstadt und in St. Jürgen.

Die Angebotsmieten – also die Preise, die man zahlt, wenn man jetzt eine Wohnung mietet – liegen gesamtstädtisch bei 8,27 Euro. Die Spanne reicht von 6,95 Euro in Kücknitz bis zu 9,46 Euro in Travemünde.

Der Mieterverein fordert seit längerem einen Bestand von 12 000 Sozialwohnungen in der Hansestadt – davon ist Lübeck über 4000 Einheiten entfernt. Die Linke schließt sich der Forderung an. Für diese Zahl gebe es keine wissenschaftliche Begründung, entgegnet Wirtschafts- und Sozialsenator Schindler (SPD): „Es gibt in Lübeck auch preisgünstigen Wohnraum unterhalb der Sozialmieten.“

2019 erfolgte der Spatenstich für das Johannes-Kepler-Quartier. 30 Prozent der Mietwohnungen werden Sozialwohnungen sein. Quelle: Wolfgang Maxwitat

Darauf weist auch die SPD gebetsmühlenartig hin. „Wenn eine Sozialwohnung aus der Bindung fällt, ist sie nicht vom Markt“, erklärt Peter Reinhardt, Bürgerschaftsmitglied und Aufsichtsratsvorsitzender der Grundstücksgesellschaft „Trave“.

Lübeck hat Erfahrung mit der Abwanderung von Familien

Darauf zu vertrauen, reicht den Unabhängigen nicht. „Die Zahlen sind alarmierend“, sagt Fraktionschef Detlev Stolzenberg, „das in Planung befindliche Wohnungsangebot geht am Bedarf vorbei. Es ist sozial unausgewogen und fördert die Spaltung der Gesellschaft.“ Bis 2025 würden nur 940 Sozialwohnungen, aber 1660 hochpreisige Mietwohnungen mit Mieten von bis zu 13 Euro pro Quadratmeter gebaut. Das müsse korrigiert werden.

1999 forderte Saxe mehr Grundstücke für Eigenheime

Die radikale Forderung der Grünen greift bislang niemand auf. Denn Lübeck hat unliebsame Erfahrungen mit der Abwanderung junger Familien gemacht. „Immer wenn vor den Toren der Stadt ein Neubaugebiet ausgewiesen wurde, flohen die Häuslebauer in Scharen“, berichteten die LN in den 1990er-Jahren. 1997 zogen mehr als 500 Lübecker nach Lüdersdorf.

1999 zog der damalige Landtagsabgeordnete und spätere Bürgermeister Bernd Saxe (SPD) mit der Forderung in den Wahlkampf, mehr Grundstücke für Eigenheime in der Hansestadt zu schaffen. Unter Saxe wurden der Hochschulstadtteil und der Bornkamp ausgewiesen. Dort wohnen heute 5800 Menschen.

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Von Kai Dordowsky

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