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Lübeck Grüne wollen Tempo 30 auf allen Straßen Lübecks
Lokales Lübeck Grüne wollen Tempo 30 auf allen Straßen Lübecks
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10:03 16.09.2011
Lübeck

Im Kampf gegen Straßenlärm wollen Lübecks Grüne nicht nur viele neue fest installierte Blitzer, sondern eine flächendeckende Geschwindigkeitsbegrenzung auf Tempo 30 in der Hansestadt. „50 Kilometer pro Stunde sind zu schnell, die Höchstgeschwindigkeit an bewohnten Straßen muss auf 30 Kilometer pro Stunde abgesenkt werden“, erklärt Bürgerschaftsmitglied Rolf Klinkel. „Das gilt mit Ausnahme der Autobahnen auch für die großen Einfallstraßen“, sagt Hans-Jürgen Schubert, Fraktionsvorsitzender der Grünen. Ziel seiner Partei sei, gerade die Anwohner von großen Straßen wie Moislinger Allee, Lachswehrallee, Fackenburger oder Schwartauer Allee zu schützen. Wirtschaft und ADAC lehnen den Vorstoß ab.

Test: So laut sind Lübecks Hauptstraßen

„Es gibt Untersuchungen, dass der Verkehr auf einem langsameren Niveau flüssiger läuft“, so Schubert. Die Grünen haben flächendeckende Tempolimits bereits im Kommunalwahlprogramm 2008 gefordert, erhoffen sich von der aktuellen Debatte um Blitzer und Lärmminderung einen neuen Schub für das Thema. Klinkel geht mit den Autofahrern, die sich nicht an Gesetze halten, hart ins Gericht, attestiert Rasern ein zwanghaftes Verhalten, gegen das nur Geldbußen und Fahrverbote helfen.

Unter Experten ist die flächendeckende Temporeduzierung umstritten. Der Verkehrsclub Deutschland (VCD) tritt für 30 km/h als Standardtempo in geschlossenen Ortschaften ein. Die Zahl der Unfälle sinke um mindestens 20 Prozent. Der ADAC lehnt Tempo 30 auf größeren Straßen ab. „Untersuchungen beweisen, dass es keine ökologischen Vorteile hat“, sagt Sprecher Ulf Evert, „außerdem dauern Fahrten viel länger.“ Nach Angaben des Stadtverkehrs (200 Busse, 30 Millionen Fahrgäste) führt eine generelle Verringerung des Tempos für Busse „zu längeren Fahrtzeiten und damit zu höheren Kosten“. Auch politisch ist der Grünen-Vorstoß umstritten. Thorsten Fürter, Bürgermeister-Kandidat der Partei, hält Tempo 30 auf vierspurigen Straßen nicht für sinnvoll. „Das wäre bundesweit ohnegleichen“, so Fürter. Die Linke unterstützt den Vorstoß, nimmt aber die großen Einfallstraßen aus. Die größeren Pisten rund um die Altstadt wie Kanalstraße und Untertrave sollten unbedingt verkehrsberuhigt werden, sagt Fraktionsvize Hans-Jürgen Martens. „Wir haben bereits flächendeckend Tempo 30 außer auf den Hauptverkehrsachsen“, lehnt Ulrich Pluschkell (SPD) die Initiative als Unfug ab. „Man soll nicht zwanghaft versuchen, die Bürger zu erziehen“, sagt Christopher Lötsch (CDU), „auf Hauptachsen muss der Verkehr rollen.“

Tempo 30 widerspreche dem Konzept „Lübeck staufrei 2015“, sagt Martin Krause von den Industrie- und Handelskammer (IHK). „Eindeutiges Ziel des Konzeptes ist die Verstetigung des Verkehrs.“ Es gebe zudem keine Erkenntnisse, „dass die Lübecker Bevölkerung übermäßig von Verkehrslärm betroffen ist“, so der Experte. Faktisch ist die Idee der Grünen längst umgesetzt. Gleich zwei Studien kommen zum Ergebnis, dass in Lübeck wegen des dichten Verkehrs im Durchschnitt nicht schneller als 26 bis 28 km/h gefahren werden kann.

Kai Dordowsky

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