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Lübeck „Trave“-Chefs: „Wir brauchen keinen Mietendeckel in Lübeck“
Lokales Lübeck „Trave“-Chefs: „Wir brauchen keinen Mietendeckel in Lübeck“
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16:00 06.07.2019
233 Wohnungen hat die städtische Grundstücksgesellschaft „Trave“ 2018 fertiggestellt. Im Augenblick läuft die Sanierung des Gebäudes an der Ziegelstraße/Ecke Buntekuhweg. Quelle: Felix König
Lübeck

Kurioses Beispiel: Im Juni 2019 kostete eine frei finanzierte „Trave“-Wohnung im Durchschnitt 5,29 Euro kalt pro Quadratmeter, während eine Sozialwohnung mit 5,58 Euro kalt je Quadratmeter etwas teurer war. Die geförderte Wohnung ist teurer als die frei finanzierte – wie geht das?

Matthias Rasch (l.) ist Geschäftsführer der Grundstücksgesellschaft „Trave“, Peter Reinhardt (SPD) der Aufsichtsratsvorsitzende. Quelle: Kai Dordowsky

„Die meisten unserer frei finanzierten Wohnungen stammen aus den 1960er und 1970er Jahren“, erklären Geschäftsführer Matthias Rasch und Aufsichtsratsvorsitzender Peter Reinhardt (SPD). Die Einheiten liegen in Moisling, in der Albert-Schweitzer-Straße, in der Eutiner Straße und in der Schönböckener Straße. Und sie sind günstiger zu mieten als die zumeist neu gebauten Sozialwohnungen. Und es werden auch regelmäßig welche frei. Geschäftsführer Rasch: „600 bis 700 Wohnungen aus unserem Altbestand vermieten wir jedes Jahr neu.“

Ein Mietendeckel wäre fatal

Von den insgesamt 8411 Einheiten der „Trave“ sind rund 7200 billiger als sechs Euro kalt je Quadratmeter. „Wir brauchen keinen Mietendeckel“, erklären Reinhardt und Rasch zu der aktuellen Bundesdebatte. „Für uns wäre so ein Deckel sogar fatal“, sagt Geschäftsführer Rasch, „denn wenn wir die Mieten nicht erhöhen können, erwirtschaften wir kein Geld mehr für die Instandhaltung, Modernisierung und den Neubau.“

Erstmalig kein Geld an die Stadt

2018 hat die GrundstücksgesellschaftTrave erstmals kein Geld an die Stadt ausgeschüttet. Die Bürgerschaft hat den Verzicht beschlossen, um das Unternehmen zu stärken, damit noch mehr Wohnungen gebaut werden können. Ungefähr eine Million Euro stehen der „Trave“ damit mehr zur Verfügung.

Der Jahresüberschuss beträgt 1,3 Millionen Euro, die Eigenkapitalquote 15,6 Prozent – und das Bilanzvolumen stieg um 2,2 Prozent auf 342 Millionen Euro. Aus Mieten nahm die „Trave“ 2018 rund 32 Millionen Euro ein. Die Zahl der Mitarbeiter blieb mit 98 unverändert.

25,2 Millionen Euro investierte die Grundstücksgesellschaft im vergangenen Jahr in Instandhaltung, Modernisierung und Neubau. Rasch: „Wir haben 233 Wohnungen fertiggestellt, so viele wie seit 20 Jahren nicht mehr.“ 2554 der 8411 „Trave“-Einheiten sind Sozialwohnungen. Geschäftsführer Rasch: „Das sind 30 Prozent, und der Anteil wird in den nächsten Jahren steigen.“

Zweiter Förderweg im Fokus

Die 93 Wohnungen im Moislinger Schneewittchenweg, die im März fertiggestellt wurden, sind zu 100 Prozent Sozialwohnungen. Im Hertzweg in St. Gertrud sind von 48 fertiggestellten Einheiten 24 geförderte Wohnungen. „Wir werden in Zukunft verstärkt auf den zweiten Förderweg setzen“, sagt Geschäftsführer Rasch. Der ermöglicht Sozialwohnungen für acht Euro kalt den Quadratmeter (Erster Förderweg 5,95 Euro). Zehn von 17 Mietreihenhäusern in der Kücknitzer Tannenbergstraße werden so vermietet. Rasch: „Viele Menschen wissen gar nicht, dass sie Anspruch auf einen Wohnberechtigungsschein im zweiten Förderweg haben.“

Die „Trave“ kümmerte sich auch 2018 um Menschen, die Probleme haben, eine Wohnung zu finden. Zusammen mit der Resohilfe werde entlassenen Strafgefangenen geholfen, zusammen mit der Vorwerker Diakonie Jugendlichen, zusammen mit der Gemeindediakonie Flüchtlingen, sagen die Chefs. Zudem hat die „Trave“ Frauenhäusern geholfen. Im August wird die „Trave“ in der Marlesgrube zwei Studenten-Wohngemeinschaften eröffnen.

Die Betonfassade des Hochhauses in der Karavellenstraße wird saniert und erhält einen neuen Anstrich. Quelle: Agentur 54°

Größtes Hochhaus wird saniert

256 Wohneinheiten hat die städtische Grundstücksgesellschaft derzeit in Arbeit – unter anderem 60 in der Artlenburger Straße und 64 im Hertzweg. In diesem Jahr wird die eine Million Euro teure Sanierung der Betonfassade von Lübecks größtem Hochhaus in der Karavellenstraße gestartet.

Rund 130 neue Wohnungen sind ab 2020 geplant. Dazu zählen die Neubauten auf dem Travemünder Baggersand und im Quartier Rothebek im Lübecker Süden. In Andersenring in Moisling entstehen 26 Wohnungen für Menschen, die von Obdachlosigkeit bedroht sind. Im Schneewittchenweg baut die „Trave“ für die Marli GmbH 31 Wohnungen. Für mindestens sieben Millionen Euro werden die 72 Wohnungen im Sterntalerweg modernisiert.

Fazit von Geschäftsführer und Aufsichtsratschef: „Die ,Trave’ ist ein gesundes Unternehmen.“

Kai Dordowsky

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