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Lübeck Günstige Wohnungen: Land unterstützt die Mittelschicht
Lokales Lübeck Günstige Wohnungen: Land unterstützt die Mittelschicht
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11:17 26.11.2013
In Lübeck wird kräftig gebaut: An der Moislinger Allee beispielsweise schafft Schütt Eigentumswohnungen. Die Nachfrage der Firmen nach der neuen Mietwohnungsförderung ist jedoch gering. Quelle: Foto: Roeßler
Lübeck

Wohnen ist teuer geworden. Deshalb will das Land auch dem Mittelstand unter die Arme greifen — und Appartements für sieben Euro pro Quadratmeter anbieten. Mehrere 100 000 Menschen in Schleswig- Holstein könnten davon profitieren. In Lübeck sind es schätzungsweise mehrere 10 000. „Wir erfassen damit auch Berufsgruppen wie Physiotherapeuten, Polizisten, Krankenschwestern, junge Ärzte und Lehrer“, wirbt Innenminister Andreas Breitner (SPD). Denn vor allem die Nebenkosten treiben die Mieten heutzutage in die Höhe. Die Zielgruppe der Landes sind Menschen mit einem Netto-Einkommen bis 1740 Euro (Single) oder 3280 Euro (Vier-Personen- Haushalt).

Da das Land aber selbst keine Wohnungen baut, unterstützt es Bauunternehmen, damit diese günstige Appartements auf dem Markt anbieten — und hat den sogenannten zweiten Förderweg aufgelegt. Er gilt seit 1. Mai 2013. Für 50 Prozent der Bausumme gibt das Land zinsgünstige Darlehen. Das Problem: Niemand will es bisher haben. Bei der Investitionsbank Schleswig-Holstein ist kein einziger Antrag auf Förderung für den Bau von Wohnungen für die Mittelschicht eingegangen. „Es gibt viele Gespräche, aber die Realisierungschancen kann man nicht abschätzen“, sagt Investitionsbank-Sprecher Matthias Günther.

Für Thomas Klempau, Chef des Mieterbundes in Lübeck, ist klar, warum das so ist. „Der Knackpunkt ist, dass die Unternehmen auch von den Banken zurzeit zinsgünstige Darlehen erhalten“, erläutert Klempau. Und wenn sie Geld auf dem freien Kapitalmarkt aufnehmen, dann könnten die Bauunternehmen den Quadratmeterpreis selbst bestimmen — und müssen sich ihn nicht vom Land vorschreiben lassen.

Klempau kritisiert zudem, dass der Fördertopf des Landes nicht erhöht wurde. Von 2011 bis 2014 stehen jährlich 90 Millionen Euro zur Verfügung für den Bau von den neuen Mittelschicht-Appartements — und den bisherigen Sozialwohnungen. Die kosten 5,50 Euro pro Quadratmeter und dürfen von Menschen, die Hartz IV beziehen oder ein geringes Einkommen haben, gemietet werden (bis 1450 Euro Netto-Einkommen eines Singles oder 2733 Euro eines Vier-Personen-Haushalts). In Lübeck betrifft das mehr als 18 000 Haushalte. Aber Klempau ist sich sicher, dass es auch „einen großen Bedarf an Wohnungen gibt von Leuten, die etwas mehr als Hartz-IV-Einkommen haben“.

Das sehen auch die Bauunternehmer so. „Die Nachfrage ist da“, sagt Christoph Kostka, Geschäftsführer des Verbandes norddeutscher Wohnungsunternehmen, der mehr als 320 Firmen vertritt. Dennoch gibt er zu: „Die Abnahme der Fördermittel für die Mittelschicht-Appartements ist im Moment nicht da.“ Grund dafür sei, dass Wohnungsbau „eine schwerfällige Sache ist“. Kostka: „Den zähen Tanker kann man nicht von heute auf morgen umsteuern.“ Das könne sich aber in einem Dreivierteljahr ändern. Da die Förderwege des Landes in der Vergangenheit nicht mehr zum Markt gepasst hätten, hätten sich Wohnbauunternehmen günstiges Geld auf dem Kapitalmarkt besorgt, bestätigt er. Deshalb habe das Land seine Förderwege jetzt auch geändert — maßgeblich auf Druck des Verbandes, so Kostka. Grundsätzlich „wollen wir auch, dass nicht nur Randgruppen gefördert werden, sondern auch die Mitte der Gesellschaft“.

Dennoch: Auch in Lübeck dauert es, bis sich die Wohnungsunternehmen dem Bau von Mittelschicht-Appartements widmen. Die „Neue Lübecker“ plant derzeit den Neubau von hundert Wohnungen in Eichholz. Ob darunter auch Mittelschicht-Appartements sein werden, werde noch geprüft, so Sprecher Timo Jürs. Der Lübecker Bauverein will ein Bauvorhaben an der Ratzeburger Allee verwirklichen. Dort kann sich Vorstand Detlev Aue vorstellen, dass auch Mittelschicht-Wohnungen errichtet werden. Das Problem aus seiner Sicht: die Bindung an die Mietpreisvorgaben des Landes auf 35 Jahre. „Das ist zu lang“, sagt Aue.

Außerdem: Lübecks Fördersumme geht derzeit fast komplett an die städtische Grundstücksgesellschaft „Trave“. Die hat als erste konkrete Projekte für die Mittelschicht im Visier: in Kücknitz, St.

Gertrud und St. Lorenz. Chef Hartmut Sörensen: „Wir wollen 200 Wohnungen über den zweiten Förderweg bauen.“ Nach Sörensens Auffassung „werden von dieser Förderung viele Leute profitieren, deren Einkommen nicht in den Himmel wächst“. Trave-Geschäftsführer Matthias Rasch stimmt zu: „Für uns ist der zweite Förderweg eine Ergänzung.“ Er sei attraktiv, um Mieter zu halten, deren Einkommen im Laufe der Zeit gestiegen ist — und die neue Wohnungen suchen. Warum sich die Bauunternehmen zurückhalten mit dem Bau von Wohnungen für die Mitte der Gesellschaft hat für Sörensen einen einfachen Grund: Es gibt nur Geld vom Land für die Mittelschicht-Appartements, wenn gleichzeitig auch Sozialwohnungen gebaut werden. „Das aber schreckt einige Unternehmen ab.“

Zu wenig Raum
7500 Sozialwohnungen wird Lübeck Ende 2014 haben. Nach Angaben des Mietervereins ist das viel zu wenig: Es müssten 11 500 sein. Das Problem: Ende 2014 sind viele Sozialwohnungen nicht mehr an den Quadratmeterpreis von derzeit 5,50 Euro gebunden. Denn das Land hat 2009 diese Bindung von 60 und 80 Jahren auf 20 und 35 Jahre verkürzt. Thomas Klempau vom Mieterverein: „Das war der Anfang allen Übels.“ In diese Sozialwohnungen können hauptsächlich Hartz IV-Empfänger einziehen. In der Branche rechnet man ab Ende 2014 dann mit steigenen Mieten.

Josephine von Zastrow

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