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Lübeck Gunter Gabriel tritt in der JVA Lauerhof auf - die Gefangenen sind begeistert
Lokales Lübeck Gunter Gabriel tritt in der JVA Lauerhof auf - die Gefangenen sind begeistert
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18:04 17.06.2019
„Ich bin 22-mal vorbestraft, weil ich schon mit steifem Mittelfinger zur Welt kam“, sagte Gunter Gabriel in der JVA Lübeck.
„Ich bin 22-mal vorbestraft, weil ich schon mit steifem Mittelfinger zur Welt kam“, sagte Gunter Gabriel in der JVA Lübeck. Quelle: Wolfgang Maxwitat
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Dann gibt der 70-jährige Komponist und Sänger Gabriel, der selbst schon ganz unten war und gerne erzählt, auch schon im Knast gesessen zu haben, Antworten. Mehr oder weniger. Der Mann in der roten, nicht ganz sauberen und zu kurzen Jogginghose korrigiert, Johnny Cash sei nicht sein Vorbild gewesen, sondern „wir waren 25 Jahre lang befreundet“. Wohl aber sei die amerikanische Legende so etwas wie seine „Leuchtspur“ gewesen, die ihm musikalisch Orientierung gegeben habe. Im Gefängnis zu singen, sei für ihn nichts Besonderes, „das mach‘ ich seit 1970. Und ich singe ja auch in Altenheimen.“

Gut 60 der insgesamt mehr als 400 männlichen Insassen finden sich in der Mehrzweckhalle der JVA ein. Organisiert haben das Konzert das Telekommunikationsunternehmen Telio und Gefängnis-Pastor Burkhard Beyer. „Ich hab noch nie ein Lied von Gunter Gabriel gehört, aber das ist mal eine schöne Abwechslung“, sagt ein 22-jähriger Häftling.

"Ich bin 22-mal vorbestraft"

Der Sänger kokettiert mit seinem Proll-Image - „ich bin 22-mal vorbestraft, weil ich schon mit steifem Mittelfinger zur Welt kam“ -, gibt grenzüberschreitend Frauenfeindliches von sich und eröffnet mit einem eigenen Song, bevor es Johnny Cashs „Ring of Fire“ gibt. Er erntet Applaus, ganz gleich ob für seine Sprüche oder die Musik. Anders als Tags zuvor in der JVA Neumünster, wo einigen Konzertbesuchern die Anbiederei des Barden ein wenig zu heftig war. In Lübeck wippen einige mit den Füßen mit, andere mit dem Kopf. Als Gunter Gabriel nach „Country Roads“ zwei Gitarren spendiert, greift sich Oswald (56) eines der Instrumente und klampft beim Elvis-Klassiker „Blue suede shoes“ mit. Was Gabriel nicht entgeht. Und schwupps, steht Oswald auf der Bühne und trägt sein Knast-Lied vor. Der Gefangene ist glücklich.

Nach „Falling in love“ ist Schluss. Für Autogramme ist jedoch noch Zeit. „Das Konzert war super“, sagt ein 44-Jähriger, der schon 25 Jahre abgesessen hat und im Autogrammjäger-Pulk steht. Auch Torsten (34), der bislang Gabriel nur aus dem Fernsehen kannte, ist angetan. Er ist vor allem beeindruckt davon, „dass er seine Schulden so konsequent abgearbeitet hat“. Oswald, kurz zuvor noch überglücklich, ist enttäuscht: Die von Gabriel signierte Gitarre musste er wieder abgeben. „Sie ist für die Knast-Band.“ In der er nicht mitspielt, „weil die nicht so gut ist und ich richtiger Musiker bin“.

Klicken Sie sich durch die Bildergalerie, um einen Blick in die JVA in Lübeck werfen zu können.