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Lübeck Hafen-Streit zu Ende: HBV-Leute gehen zur LHG
Lokales Lübeck Hafen-Streit zu Ende: HBV-Leute gehen zur LHG
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19:34 24.05.2018
Ruhe an den Kaikanten: Darauf hofft dieLübecker Hafen-Gesellschaft (LHG). Denn jetzt ist der Konflikt mit dem insolventen Hafenbetriebsverein (HBV) gelöst.  Quelle: dpa
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Lübeck

Alle sind erleichtert. „Alle Streitigkeiten im Hafen sind befriedet“, freut sich Insolvenzverwalter Klaus Pannen. HBV-Betriebsratschef Holger Wochnik: „Für den Standort des Lübecker Hafens ist das ein gutes Ergebnis.“ Eine Insolvenz sei „keine tolle Sache, aber wir sind zufrieden mit dem Ergebnis“. LHG-Chef Sebastian Jürgens gibt zu: „Die Ruhe im Hafen haben wir wirklich verdient – nach all den Jahren.“ Und Bürgermeister Jan Lindenau (SPD) sagt: „Für uns war es wichtig, dass es zu einer stabilen Situation im Hafen kommt.“ 

Abfindung für 47 Arbeiter

Grund für die Freude: Der Insolvenzplan löst den jahrelangen Streit zwischen dem insolventen HBV und der LHG. Das Amtsgericht Lübeck hat ihn abgesegnet, alle Gläubiger haben zugestimmt. Die zwei Kernpunkte von Pannens Plan: Viele HBV-Leute wechseln zur LHG – und die Gläubiger erhalten Geld für fast alle Forderungen.
Punkt Nummer eins im Detail: Von den 125 HBV-Mitarbeitern werden 78 Leute von der LHG übernommen. Sie arbeiten dort, wo sie bisher auch eingesetzt waren. Die anderen 47 Beschäftigten erhalten eine überdurchschnittliche Abfindung. Nach LN-Informationen gibt es dabei im Durchschnitt 70 000 Euro pro Arbeiter. Der Abfindungs-Topf ist mit 4,3 Millionen Euro gefüllt. Der Die LHG hat 2,2 Millionen Euro dazu getan, die Stadt 800 000 Euro – und 1,3 Millionen Euro kommen vom HBV zustande. Dem Vernehmen nach werden von den 4,3 Millionen Euro aber nur 3,3 Millionen Euro gebraucht. Denn es gehen mehr HBV-Mitarbeiter zur LHG als ursprünglich angenommen. Damit erhalten weniger eine Abfindung. Das restliche Geld aus dem Topf fließt anteilig zurück.

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Insolvenz des Hafenbetriebsvereins (HBV) in Bilder. Klicken Sie sich durch die Galerie

Geld für Gläubiger

Punkt Nummer zwei: Die Gläubiger erhalten 90 bis 100 Prozent ihrer Forderungen. Das ist viel, denn üblich sind um die 30 Prozent. Der Topf für die Gläubiger ist mit fünf Millionen Euro gefüllt – und ist aus der Insolvenzmasse des HBV gespeist. So haben Mitarbeiter ausstehende Zahlungen zu 100 Prozent erhalten. Eine Pensionsversicherung, die Sozialversicherungen, die Arbeitsagentur sowie weitere Gläubiger kriegen 90 Prozent.

Das Besondere an der Einigung: LHG und HBV verzichten gegenseitig auf Forderungen – und haben auch alle Rechtsstreitigkeiten beigelegt. Damit ist das Verfahren vor dem Landesarbeitsgericht Kiel passé. Die Beschäftigten des insolventen HBV hatten gegen die LHG geklagt, sie müsse sie einstellen. Das Arbeitsgericht Lübeck gab ihnen Recht. Die LHG legte Revision in Kiel ein. Dort ruhte seither das Verfahren. Hinzu kommt: HBV und LHG sind eng miteinander verflochten – seit Jahren. Dabei entstanden viele Ungereimtheiten zwischen den beiden Parteien. „Das ist jetzt alles befriedet“, sagt Pannen. Und er gibt zu: „Es macht mich auch ein bisschen stolz.“

Sanierungsfall LHG 

Rettungsschrim

Die Lübecker Hafen- Gesellschaft (LHG) wird saniert – vier Jahre und zwei Monate lang. Start war am 1. Januar 2018, Ende ist am 28. Februar 2022. Die Mitarbeiter verzichten auf insgesamt 17 Millionen Euro Lohn. Im Gegenzug verzichtet die Stadt auf 17 Millionen Euro Pacht. Damit ist das Rettungspaket für die LHG satte 34 Millionen Euro schwer.

Blick zurück: Am 6. Juni 2016 hat der HBV Insolvenz beim Amtsgericht Lübeck angemeldet. Der Grund für die Pleite: Die LHG brauchte weniger Leiharbeiter des HBV – und die werden dadurch teurer. Der HBV ist ein Verein und wird von neun Mitgliedern getragen. Diese fordern Leute an, um Arbeitsspitzen abzupuffern. Aber die LHG ist seit Jahren einziger Kunde, hat 97 bis 98 Prozent der Leute abgenommen. Doch nun hat die LHG drei Großkunden verloren. Damit wurde die LHG selbst zum Sanierungsfall. Die Kunden weg, die Ladung eingebrochen und damit rote Zahlen in den Büchern. Nach langem Ringen stand ein Sanierungsplan. Start war Anfang des Jahres. Dauer: bis 2022. Dennoch ist Jürgens bester Laune. Mit den 78 zusätzlichen HBV-Arbeitern beschäftigt er 500 Leute – und sucht weitere Mitarbeiter. Jürgens: „Es läuft gerade erfreulich gut .“

Von Josephine von Zastrow