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Lübeck Halbedel und Bade vertreten die Behinderten
Lokales Lübeck Halbedel und Bade vertreten die Behinderten
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18:41 25.11.2013
Von Kai Dordowsky

Die Hindernisse für Blinde, Gehörlose und Rollstuhlfahrer sind zahlreich. Wolfgang Halbedel, der frühere Lübecker Sozialsenator, musste seinen neuen Führerschein bei der Behörde im Meesenring abholen und persönlich die Papiere unterschreiben. „Ich hätte mehrere Treppen steigen müssen“, berichtet der 68-Jährige, der im Rollstuhl sitzt. Seine Frau durfte dann die Papiere aus dem Amtszimmer holen und ihn draußen vor der Tür unterschreiben lassen.

Halbedel saß nicht immer im Rollstuhl, kennt also beide Sichtweisen. Mitglieder des Behindertenrates, der die Beauftragten unterstützt, überzeugten ihn, sich mit seinem Namen und seinen Beziehungen für die Sache von 23 700 Lübeckern mit Handicap einzusetzen. Im Januar wählte die Bürgerschaft das neue Duo, das im März seine Arbeit aufnahm. Erika Bade ist die Vorsitzende, Halbedel ihr Stellvertreter. Die Amtszeit beträgt vier Jahre.

Die 73-jährige frühere Kindergärtnerin engagiert sich seit 35 Jahren in der Deutschen Gesellschaft für Muskelkranke. „Ich bin in Lübeck schon sehr bekannt“, sagt Bade. Sie ist hartnäckig und stets präsent. Öffentliche Stellen würden den Behindertenrat bei Bauvorhaben mittlerweile schon im Planungsstadium einschalten. „Das kann viel Geld sparen“, weiß die Beauftragte. Beim Bau der Travemünder Strandpromenade hat das Gremium Erfahrungen über Rampen beigesteuert, und bei der Ikea- Ansiedlung wurde der Rat zur Einrichtung von Behindertenparkplätzen befragt.

Behindertenrat und Beauftragte haben eine lange Liste mit Forderungen zusammengestellt. Das reicht von Schulen für alle Kinder über barrierefreie Arztpraxen und Sport- sowie Freizeitanlagen bis zu bezahlbaren Wohnungen für Behinderte. „Es gibt in Lübeck keine behindertengerechten Wohnungen für Studenten“, beklagt Manfred Behrens, der die Blinden und Sehbehinderten vertritt. Für diese beiden Gruppen seien Ansagen in Fahrstühlen und Ziffern, die man ertasten kann, enorm wichtig, weiß Ralf Kramer von der Lübecker Ortsgruppe des Sozialverbandes. Die Interessenvertreter der Behinderten fordern, dass alle Ampeln mit akustischen Signalen ausgestattet werden müssen, dass an Baustellen kleine Rampen für Rollstuhlfahrer, aber auch für Menschen mit Rollatoren aufgeschüttet werden und dass Schlaglöcher in Fußwegen und Straßen gestopft werden.

Direkter Ansprechpartner ist Sozialsenator Sven Schindler (SPD). „Ich bin derjenige im Senat, der beispielsweise einen anderen Blick auf Bauvorhaben hat.“ Die Anregung der Behindertenvertreter, dass amtliche Formulare und Bescheide lesbarer werden müssen, hat Schindler gleich notiert.

Mit Matthias Schuldt vom Landesverband Psychiatrie-Erfahrener, der seit kurzem im Behindertenrat sitzt, erschließt sich die Interessenvertretung ein neues, weites Arbeitsfeld. Die Behandlung von psychisch Kranken könne in Lübeck besser werden, sagt Schuldt und fordert Gesprächstherapie statt Medikamente. Großen Wert legen Behindertenbeauftragte und Behindertenrat auf eine bessere Ausbildung der künftigen Architekten und Stadtplaner.

So sind sie erreichbar
Die Behindertenbeauftragten sind unter behindertenbeauftragte@luebeck.de erreichbar und telefonisch entweder im Büro im Verwaltungszentrum Mühlentor (hinteres Gebäude, Raum 007) unter Telefon 04 51/ 122 45 11. Erika Bade ist unter 04 51/ 50 30 34 erreichbar, Wolfgang Halbedel unter Telefon 04 51/813 25 07. Sprechstunde im Büro ist an jedem dritten Donnerstag im Monat von 10 bis 12 Uhr und nach Vereinbarung.

Kai Dordowsky

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