Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Lübeck Heißluftballon landet auf Feld in Groß Grönau: War es ein Absturz?
Lokales Lübeck

Heißluftballon landet auf Feld in Groß Grönau: War es ein Absturz?

Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
14:00 11.06.2021
Dieses Bild machte eine Anwohnerin aus Groß Grönau, kurz bevor der Heißluftballon mit fünf Insassen „abgestürzt“ sei.
Dieses Bild machte eine Anwohnerin aus Groß Grönau, kurz bevor der Heißluftballon mit fünf Insassen „abgestürzt“ sei. Quelle: privat/hfr
Anzeige
Lübeck

Seitdem die Temperaturen in Schleswig-Holstein gestiegen sind, sieht man die großen, runden Heißluftballons wieder häufiger am Himmel schweben – für die meisten ein spektakulärer Anblick. Eine Frau aus Groß Grönau hat sich allerdings ziemlich erschrocken, als ein Heißluftballon am Dienstagabend direkt vor ihrem Grundstück vom Himmel gekommen ist. „Der Heißluftballon ist genau vor meinem Haus abgestürzt, es waren fünf Personen an Bord“, sagt die Frau gegenüber den LN. Aber war es wirklich ein Absturz?

Der LN-Newsletter aus der Hansestadt Lübeck

Alles, was Lübeck voranbringt: Sie bekommen diesen Newsletter jeden Montag gegen 18 Uhr kostenlos in Ihr Postfach. 

Mit meiner Anmeldung zum Newsletter stimme ich der Werbevereinbarung zu.

Ballonfahrer-Verband geht von ganz normaler Landung aus

Andere Bewohner in Groß Grönau haben den großen, grünen Heißluftballon ebenfalls gesehen, wie er im Landeanflug über dem Dorf schwebte und dann hinter Bäumen verschwand. Wolfgang Schwarz, Leiter der Öffentlichkeitsarbeit beim Deutschen Freiballon-Sportverband (DFSV), glaubt nicht daran, dass der Pilot des Heißluftballons eine Notlandung machen musste oder gar abgestürzt ist. „Immer dann, wenn ein Pilot zur Landung innerhalb bewohnten Gebietes ansetzt, ist die Aufregung unter den Anwohnern groß“, sagt Schwarz. „Da wird dann schon mal Polizei und Feuerwehr alarmiert, weil ,ein Ballon notgelandet’ ist und man Schäden, Verletzte oder Schlimmeres erwartet.“

Heißluftballon in Groß Grönau „abgestürzt“: Nach Angaben des Deutschen Freiballon-Sportverbands sieht alles danach aus, als ob es sich dabei um eine ganz normale Landung gehandelt hat. Quelle: privat/hfr

Doch Heißluftballon-Notlandungen seien glücklicherweise extrem selten, in den meisten Fällen suchen sich die Piloten den Landeplatz bewusst aus und haben währenddessen die volle Kontrolle über Ballon und Insassen. Aber warum landen Heißluftballons überhaupt so nah an Wohnhäusern? „Ein Freiballon ist bei der Fahrt in der Luft vollkommen abhängig von der Windstärke und –richtung“, erklärt Schwarz. Wenn die Windvoraussagen nicht eintreffen, könne es durchaus sein, dass der Pilot auch auf nicht vorgesehenen Plätzen landen muss – etwa auf kleinen Straßen zwischen Wohnhäusern oder in Vorstadt-Schrebergärten.

Auch so landen Heißluftballons, und zwar völlig kontrolliert und schadensfrei: Landungen wie diese sind zwar selten, kommen laut Deutschen Freiballon-Sportverband aber hin und wieder vor. Quelle: Foto: Heinz Burgdörfer/Archiv DFSV

Ballonfahrtanbieter in SH kennen den grünen DKV-Ballon nicht

Wie genau es zu der Landung des Ballons auf dem Feld in Groß Grönau gekommen ist, bleibt unklar. Hiesige Anbieter von Heißluftballonfahrten kennen den grünen Ballon mit der Werbeaufschrift der Ergo-Versicherungsgruppe nicht. „Ich weiß nicht, wem der Ballon gehört“, sagt Franziska Hann, Geschäftsführerin des Hamburger Unternehmens „Aeroballooning“, das auch Fahrten in der Region Lübeck anbietet. „Eigentlich kennt man ja die Heißluftballons, die hier in Schleswig-Holstein unterwegs sind. Aber vielleicht ist es ein privater Fahrer.“

Von der Ergo-Versicherungsgruppe heißt es, der Werbe-Ballon sei vor einigen Jahren verkauft worden. Der damalige Käufer, ein Ballonfahrt-Anbieter aus Bayern, hat ihn aber bereits weiterverkauft.

Polizei hat keine Kenntnis von Heißluftballon-Absturz

Dafür, dass es sich bei dem Vorfall in Groß Grönau nicht um einen Absturz, sondern um eine normale Landung gehandelt hat, spricht auch die Tatsache, dass die Polizei am Dienstagabend nicht nach Groß Grönau gerufen wurde. „Von einem Heißluftballon-Absturz haben wir keine Kenntnisse“, sagt ein Polizeisprecher der Polizeidirektion Ratzeburg.

Im rund 16 Kilometer entfernten Rondeshagen mussten Polizeibeamte am Montagabend aber tatsächlich wegen einer Landung eines Heißluftballons auf einem Feld tätig werden. Auch hier handelte es sich nicht um eine Notlandung oder einen Absturz – laut Polizei gab es Unstimmigkeiten zwischen den Ballonfahrt-Anbietern und dem Besitzer des Feldes.

Von Hannes Lintschnig