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Lübeck Rikscha-Projekt für Senioren: Radeln gegen die Einsamkeit
Lokales Lübeck

Hilfe im Advent und ePunkt Lübeck sammeln Spenden für Rikscha-Projekt

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19:00 28.11.2020
Fahrerin Marianne Mühle fährt Sabine Steinhauer von der Initiative Brolingplatz Lübeck mit der Rikscha am Kanal entlang. Koordinatorin Claudia Zimmermann (links) und Katja Nowroth vom ePunkt schieben das Projekt symbolisch an.
Fahrerin Marianne Mühle fährt Sabine Steinhauer von der Initiative Brolingplatz Lübeck mit der Rikscha am Kanal entlang. Koordinatorin Claudia Zimmermann (links) und Katja Nowroth vom ePunkt schieben das Projekt symbolisch an. Quelle: 54°/John Garve
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Lübeck

Marianne Mühle (60) hat einen Wunsch. Sie möchte in Lübeck ein Rikscha-Projekt verwirklichen. Die Idee: Ein Team von ehrenamtlichen Fahrern bietet älteren Menschen kostenlose Touren an, damit die Senioren auch in Corona-Zeiten ein Gefühl von Gemeinschaft erleben können. Vorbild ist die bundesweite Initiative „Radeln ohne Alter“. Jetzt hoffen die Ehrenamtlichen auf Spenden für den Kauf der ersten Rikscha.

Für das Projekt muss ein Spezialmodell gekauft werden

„Wir haben schon eine Hand voll ehrenamtlicher Fahrer zusammen“, sagt Mühle, die das Projekt mit der Initiative Brolingplatz Lübeck realisieren will, „aber es fehlt uns noch die Rikscha.“ Das Fahrzeug für den Fototermin haben die Initiatoren von Heiko Stebbe (rikscha-online.de) zur Verfügung gestellt bekommen. Stebbes Rikscha ist ein Original aus Indonesien, das für Fototermine oder Veranstaltungen gemietet werden kann. Für das Projekt bräuchten die Ehrenamtlichen aber ein Spezialmodell.

Das ist „Radeln ohne Alter“

Die Initiative „Radeln ohne Alter“ entstand 2012 im dänischen Kopenhagen. Inzwischen gibt es weltweit solche Initiativen, auch in Deutschland. Unter dem Motto „Jeder hat das Recht auf Wind in den Haaren“ werden älteren Menschen, aber auch Menschen mit Bewegungseinschränkungen, kostenlose Rikscha-Fahrten angeboten. „Jede Rikscha-Fahrt ist für unsere Senioren und die Piloten ein kleines Abenteuer, bei dem gemeinsame Erinnerungen geschaffen und Lebensgeschichten geteilt werden. Für beide Seiten ist sie eine Bereicherung – und manchmal macht sie aus Unbekannten Freunde“, heißt es auf der Homepage von Radeln ohne Alter Deutschland.

„Es muss eine Rikscha mit elektrischem Motor sein, die die Tretleistung der Piloten je nach Bedürfnis unterschiedlich stark unterstützt“, erklärt Mühle, „dies ist wichtig, damit sich Menschen mit unterschiedlicher körperlicher Fitness hier ehrenamtlich engagieren können.“ Außerdem muss die Rikscha hohen Fahrkomfort und Stabilität für ein optimales Fahrgefühl für die älteren Menschen bieten. „Sie muss Sitzgurte für zusätzliche Sicherheit und eine flexible Haube als Schutz vor Wind, Regen und Sonne haben“, erklärt die 60-Jährige und rechnet mit Kosten in Höhe von 6500 bis 9000 Euro je nach Anbieter.

Initiative will die Nachbarschaft stärken

Für ihre Projektidee hat Mühle Kontakt mit Katja Nowroth von der Freiwilligenagentur ePunkt aufgenommen. Nowroth brachte sie mit der Initiative zusammen, die im Quartiershäuschen am Brolingplatz tätig ist. Der Verein ist ehrenamtlich organisiert und setzt sich für die Förderung und Stärkung des nachbarschaftlichen Miteinanders im Viertel ein. Der Verein will das Projekt nun unterstützen und hofft auf Spenden aus der LN-Leser-Aktion „Hilfe im Advent“. Der Antrag beim ePunkt ist gestellt.

Das ist die Freiwilligenagentur ePunkt

Der Verein ePunkt setzt sich als Freiwilligenagentur und Bürgerkraftwerk für soziales Engagement ein. Das Team besteht aus einem ehrenamtlichen Vorstand sowie haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeitern. Sie stärken das Engagement, sie finden für Interessierte passende Ehrenämter, sie qualifizieren sie für ihre Tätigkeiten und bringen Akteure in Netzwerken zusammen. Außerdem entwickelt der gemeinnützige und trägerunabhängige Verein Projekte in den Bereichen Bildung, Inklusion, Flüchtlingsarbeit und Nachbarschaft. Der ePunkt hat seinen Sitz in der Hüxtertorallee 7 in 23564 Lübeck, Telefon 04 51/305 04 05. Der e-Punkt ist unter der E-Mail info@epunkt-luebeck.de zu erreichen.

Wenn Sie ein Projekt haben, das in Lübeck ehrenamtliches Engagement fördert und mit dem Sie sich bewerben möchten, finden Sie einen Anmeldebogen auf der Homepage des ePunktes(www.epunkt-luebeck.de/projekte/hilfeimadvent).

Die erste Spende in Höhe von 2500 Euro für die LN-Leser-Aktion „Hilfe im Advent“ ist bereits eingegangen. Sie kommt von der Sparkasse zu Lübeck. Bei der Scheckübergabe lobte Vorstandsvorsitzender Frank Schumacher das diesjährige Thema „Mach Gemeinschaft zum Geschenk“ ausdrücklich.

Mit Abstand: Stine Nielandt von der Freiwilligenagentur ePunkt nimmt von Frank Schumacher, Vorstandsvorsitzender Sparkasse zu Lübeck, den symbolischen Scheck für „Hilfe im Advent“ entgegen. LN-Redakteurin Cosima Künzel berichtet über die Projekte aus Lübeck. Quelle: Lutz Roessler

„Gerade in Zeiten der Corona-Pandemie ist das Vorhaben besonders wichtig“, sagt auch Sabine Steinhauer vom Vorstand der Initiative, „denn coronabedingt leiden viele ältere Menschen sehr unter der sozialen Isolation und Einsamkeit.“ Für die Rikscha-Ausfahrten habe man ein Hygienekonzept erstellt, das die Fahrten auch in diesen Zeiten erlaube. „So können wir den Menschen während und nach der Pandemie wieder das Gefühl von Freiheit, Teilhabe und Nähe schenken“, sagt Steinhauer, die für den Antrag und die Finanzplanung zuständig ist.

So können Sie helfen

In diesem Jahr will die Leser-Aktion „Hilfe im Advent“ ehrenamtliche Projekte unterstützen, in deren Fokus das soziale Miteinander steht. Gerade in Zeiten der Corona-Pandemie wollen wir so ein Zeichen gegen Einsamkeit und Isolation setzen. Die diesjährige Spendensammlung der Lübecker Nachrichten und der Sparkasse zu Lübeck lautet: „Hilfe im Advent – Mach Gemeinschaft zum Geschenk“.

Mit Hilfe der Lübecker Freiwilligenagentur ePunktstellen wir Menschen und Projekte vor, die sich uneigennützig im Verein, in der Nachbarschaft oder in anderen Bereichen für die Gemeinschaft stark machen. Der ePunkt sammelt die Spenden und gibt sie dann an die Ehrenamtlichen weiter. Das Besondere: Der Verein verteilt die Spenden auf viele verschiedene – und vor allem auch an kleinere – Projekte, die oft außerhalb der öffentlichen Wahrnehmung wirken.

Die erste Spende in Höhe von 2500 Euro kommt von der Sparkasse zu Lübeck. Vorstandsvorsitzender Frank Schumacher zeigte sich bei der Spendenübergabe erfreut darüber, dass gerade in diesem Jahr ehrenamtliche Projekte gefördert werden, die die Gemeinschaft stärken.

Spendenstand: 2500 Euro

Das Spendenkonto: Sparkasse zu Lübeck

Kontoinhaber: ePunkt e.V.

IBAN: DE54 2305 0101 0160 5306 55 BIC NOLADE21SPL

Verwendungszweck:„Spende: Hilfe im Advent“

Die Spender werden in den Lübecker Nachrichten genannt. Falls Sie eine Spendenbescheinigung wünschen, geben Sie bitte Ihren Namen und Ihre Adresse bei der Überweisung an. Bei Spenden bis 200 Euro reicht der Überweisungsbeleg als Bescheinigung.

Als ehrenamtliche Koordinatorin im Quartiershäuschen hilft Claudia Zimmermann, das Projekt voranzutreiben. Sie übernimmt die Öffentlichkeitsarbeit und die Vernetzung im Viertel und darüber hinaus. „Ich bin schon lange Fan von der Idee ,Radeln ohne Alter’“, erklärt sie. Zimmermann wäre begeistert, „wenn die erste Rikscha im Quartier die Keimzelle für eine ganze Flotte“ in der Hansestadt werden könnte.

Die Rikschafahrt ist ein großes Vergnügen

Es sind bereits Routen in die Nachbarquartiere angedacht und Kontakte zu Senioreneinrichtungen geknüpft. „Bei der Rikschafahrt können Eindrücke der Fahrt ebenso geteilt werden wie Lebensgeschichten. Die Fahrt bereichert Rad-Pilot und Passagiere – und das quartiersübergreifend“, betont Zimmermann.

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Katja Nowroth vom ePunkt sieht in dem Projekt „ein großes Geschenk“ für die Hansestadt. „Jung und Alt können auf diese Weise zusammenkommen. Außerdem ist das Projekt in vielerlei Hinsicht nachhaltig, denn es ist umweltfreundlich, gesund für Körper und Geist und vor allem: Es macht Freude“, so die Mitarbeiterin.

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Marianne Mühle kann es kaum erwarten, die erste Fahrt anzubieten. Die pensionierte Lehrerin für Sport und Biologie fährt bereits Touren in und rund um Lübeck mit dem Fahrrad ab. „Ich mache das, was sich die Senioren wünschen: Markteinkäufe, Ausflüge, Friseurbesuche. Hauptsache die älteren Leute kommen raus, haben Gesellschaft und ein bisschen Freude.“

Von Cosima Künzel

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