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Lübeck Hilfe für Krebspatienten und Angehörige: ein Zuhause auf Zeit
Lokales Lübeck

Hilfe im Advent und ePunkt sammeln Spenden für Angehörigenwohnung Lübeck

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17:00 19.12.2020
Koordinatorin Veronika Dörre sitzt im Wohnzimmer der Angehörigenwohnung der Schleswig-Holsteinischen Krebsgesellschaft, die komplett von Ehrenamtlichen betreut wird. Das Team sorgt für Wohlfühlatmosphäre und steht für tröstende Gespräche zur Verfügung. Quelle: Lutz Roeßler
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Lübeck

Die Diagnose Krebs ist eine enorme Belastung. Auch für die Angehörigen. Alle, die ihren Lieben während der Therapie in einer Lübecker Klinik Beistand leisten möchten, bekommen im Hochschulstadtteil Unterstützung. Sie können in einer kostenlosen Angehörigen-Wohnung der Schleswig-Holsteinischen Krebsgesellschaft e. V. zu Gast sein. Ehrenamtliche aus dem Verein machen es möglich. Doch sie sind auf Spenden angewiesen. Besonders in Zeiten der Corona-Pandemie. Die LN-Leser-Aktion „Hilfe im Advent“ sammelt Spenden.

Ehrenamtler betreuen Angehörige der Krebspatienten

„Wir möchten den Menschen so gut helfen, wie wir nur können“, sagt Koordinatorin Veronika Dörre. Sie organisiert die Unterbringung der Betroffenen in der rund 100 Quadratmeter großen Wohnung. Familienmitglieder und Freunde, aber auch die onkologischen Patienten selbst, bekommen hier nicht nur ein kostenloses Zuhause auf Zeit. Das ehrenamtliche Betreuungsteam schafft auch ein Ambiente zum Wohlfühlen und nimmt sich Zeit für Informationen, Gespräche, Herzlichkeit und Trost.

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Kleines Büro, große Hilfe: Dr. Gabriele Reiter steht vor dem kleinen Raum, in dem das Betreuungsteam die Aufenthalte koordiniert. Die Organisation liegt komplett in den Händen der Ehrenamtlichen. Quelle: Lutz Roeßler

Viele Gäste sind verunsichert und voller Sorge

„Manchmal möchten die Gäste einfach nur wissen, wo der nächste Bäcker ist“, sagt Betreuerin Dr. Gabriele Reiter, „aber oft sind sie sehr verunsichert, hilflos und haben Angst.“ Gerade in einer Aufnahmesituation in der Klinik falle es vielen Angehörigen schwer, alle Informationen zu verstehen und zu verarbeiten. „Wir hören dann zu und können auch manche Dinge im Nachhinein erklären“, sagt die Ärztin im Ruhestand.

Veronika Dörre ist Koordinatorin für die Angehörigenwohnung. Sie organisiert die Arbeit der Ehrenamtlichen. Quelle: Lutz Roeßler

Auch onkologische Patienten sind zu Gast

Die Wohnung hat zwei Doppelzimmer und ein Einzelzimmer. Außerdem gibt es ein Bad und eine Gemeinschaftsküche. „Die Mehrzahl der Gäste sind Angehörige oder enge Freunde, aber es kommen auch Patienten“, erzählt Dörre. Das sei vor allem dann der Fall, wenn eine Untersuchung morgens um acht Uhr anstehe und die Betroffenen von weiter her anreisen, so die Koordinatorin. Während Patienten vor der stationären Aufnahme meist nur eine Nacht da sind, bleiben Angehörige oft länger. „Eine Woche können wir ihnen immer zusagen“, erklärt Dörre, „manchmal auch mehr. Es kommt auf die Auslastung an.“

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Einer oder zwei Ehrenamtliche sind bei der Ankunft der Gäste immer da. Sie erklären alles, bieten Kaffee und Gespräche an und zeigen den Weg zur Klinik. Im vergangenen Jahr war beispielsweise eine Mutter mit ihren beiden Töchtern im Alter von sieben und zwölf Jahren in der Wohnung zu Gast. „Der Vater musste über Weihnachten und Silvester in der Klinik bleiben, und so konnte sich die Familie wenigstens an den Feiertagen sehen. Sie waren sehr froh darüber.“

Im Gästebuch stehen viele Danksagungen

Dankbarkeit dokumentiert auch das Gästebuch, das in der Wohnung ausliegt. „Die Bleibe ist für alle Angehörigen ein seelisches Auffangbecken“, heißt es in einem Brief. „Sie haben uns und unserer Mutter eine große Freude bereitet“, steht in einem anderen. Oder: „Ich kann nur vielen, vielen Dank sagen, denn so konnte ich die schwere, lange Zeit bei meinem Mann verbringen.“

Die Organisation der Angehörigenwohnung Lübeck wird ausschließlich von den Ehrenamtlichen durchgeführt. Zu der Wohnung gehört daher auch ein kleines Büro, in dem das Team montags bis freitags (15 bis 16 Uhr) Anrufe entgegennimmt, die Belegung koordiniert oder E-Mails beantwortet. Aktuell ist das Büro aufgrund von Corona aber nur montags, mittwochs und freitags besetzt. Außerdem darf vorerst nur eine Person die Wohnung belegen oder mehrere Personen aus einem Haushalt.

So können Sie helfen

In diesem Jahr will die Leser-Aktion „Hilfe im Advent“ ehrenamtliche Projekte unterstützen, in deren Fokus das soziale Miteinander steht. Gerade in Zeiten der Corona-Pandemie wollen wir so ein Zeichen gegen Einsamkeit und Isolation setzen. Die diesjährige Spendensammlung der Lübecker Nachrichten und der Sparkasse zu Lübeck lautet: „Hilfe im Advent – Mach Gemeinschaft zum Geschenk“.

Mit Hilfe der Lübecker Freiwilligenagentur ePunktstellen wir Menschen und Projekte vor, die sich uneigennützig im Verein, in der Nachbarschaft oder in anderen Bereichen für die Gemeinschaft stark machen. Der ePunkt sammelt die Spenden und gibt sie dann an die Ehrenamtlichen weiter. Das Besondere: Der Verein verteilt die Spenden auf viele verschiedene – und vor allem auch an kleinere – Projekte, die oft außerhalb der öffentlichen Wahrnehmung wirken.

Die erste Spende in Höhe von 2500 Euro kommt von der Sparkasse zu Lübeck. Vorstandsvorsitzender Frank Schumacher zeigte sich bei der Spendenübergabe erfreut darüber, dass gerade in diesem Jahr ehrenamtliche Projekte gefördert werden, die die Gemeinschaft stärken.

Spendenstand: 2500 Euro

Das Spendenkonto: Sparkasse zu Lübeck

Kontoinhaber: ePunkt e.V.

IBAN: DE54 2305 0101 0160 5306 55 BIC NOLADE21SPL

Verwendungszweck:„Spende: Hilfe im Advent

Die Spender werden in den Lübecker Nachrichten genannt. Falls Sie eine Spendenbescheinigung wünschen, geben Sie bitte Ihren Namen und Ihre Adresse bei der Überweisung an. Bei Spenden bis 200 Euro reicht der Überweisungsbeleg als Bescheinigung.

Die Miete zahlt die Schleswig-Holsteinische Krebsgesellschaft. Der Verein finanziert sich ausschließlich über Spenden und Sponsoren. Die Spenden aus der LN-Aktion „Hilfe im Advent“ würden „für eine langfristige Sicherstellung der Angehörigenwohnung in Lübeck“ genutzt, so Dörre. Das ist dringend nötig. Denn: „Im Juni mussten wir aufgrund der Corona-Pandemie unsere Benefizveranstaltung ,Lauf ins Leben‘ absagen und konnten keinerlei Spenden generieren“, so Dörre. Vor zwei Jahren waren dabei rund 20 000 Euro zusammengekommen.

Von Cosima Künzel