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Lübeck Hilferuf nach Kiel: Immer mehr kranke Erstklässler in Arztpraxen
Lokales Lübeck Hilferuf nach Kiel: Immer mehr kranke Erstklässler in Arztpraxen
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00:00 23.12.2012
Lübeck

Acht Kinder- und Jugendärzte aus dem Raum Lübeck schlagen Alarm: In einem offenen Brief an Schleswig-Holsteins Bildungsministerin Wara Wende (parteilos) beklagen sie zunehmende gesundheitliche Probleme bei Grundschülern. Immer häufiger schickten verzweifelte Lehrkräfte manchen Erstklässler schon nach wenigen Wochen Unterricht in kinder- und jugendpsychiatrische Praxen. Die Pädagogen hielten ihre Schützlinge für nicht beschulbar und „gehen offensichtlich von einer psychiatrischen Störung der Kinder aus“.

„Tatsächlich werden oft Entwicklungsverzögerungen und Verhaltensauffälligkeiten festgestellt. Diese Kinder sind deshalb den Anforderungen des Regelunterrichts nicht gewachsen“, sagt die Schwartauer Kinderärztin Martina Mesing, Initiatorin der Aktion. Daneben zeigten die Erstklässler Anpassungsstörungen, die sich negativ auf ihr Selbstwerterleben und ihre Leistungsfreude auswirkten. Die Schüler entwickelten Ängste und psychosomatische Symptome – bis hin zur Schulangst.

Die Gruppe der Ärzte vermutet die Ursache in erster Linie im Mangel an ausreichend geschultem Fachpersonal, sieht zudem massive Fehlentwicklungen in der Schulpolitik. Solange sich diese Bedingungen nicht änderten, sollten Kinder nicht zu früh auf die Schulbank geschickt werden, warnen die Mediziner. „Erlauben Sie eine Einschulung zu einem für das Kind individuell optimalen Zeitpunkt“, lautet der Hilferuf Richtung Landesregierung. Kiel hatte die Möglichkeit, Kinder von der Einschulung zurückzustellen, eingeschränkt.

Eine Unterschriften-Aktion über die Berufsverbände ist angelaufen. Bereits nach wenigen Tagen unterstützen 60 Kinderärzte und -psychiater im Norden die Forderungen.

Die Ärzte klagen an: Nicht zuletzt mit Einführung der Inklusion – die Einbeziehung behinderter Kinder – seien bewährte Strukturen zerschlagen worden. Dazu zählen die Mediziner Sprachheilschulen, Vorschulen und das kostenlose letzte Kindergartenjahr. Mit den finanziellen und personellen Einsparungen „wird eine zunehmende Pathologisierung und Psychiatrisierung unser Kinder in Kauf genommen“, heißt es in dem Schreiben an die Ministerin. „Verhindern Sie eine Überforderung der Lehrer und Eltern sowie eine Beschämung der Kinder.“

Bernd Heinemann, Vize-Landesvorsitzender des Kinderschutzbunds, bestätigt die Fehlentwicklung. Viele Faktoren seien Schuld. „Wir haben zum Beispiel nicht genug Ruhe in den Familien. Die Kinder sind aufgedreht“, sagt Heinemann. „Die Erziehungsfähigkeit vieler Eltern hat sich sehr verschlechtert“, bestätigt Lübecks Schulrat Gustaf Dreier. Um die eklatanten Missstände abzustellen, werde dringend eine konzertierte Aktion gebraucht, fordert Heinemann.

„Die Beobachtungen nehme ich ernst“, reagierte Bildungsministerin Wende auf den Offenen Brief. Sie könnten ein wichtiger Hinweis in der Debatte sein, welche gute Basis wir den Kindern am Schulanfang geben wollen. Die Schule könne die angesprochenen Probleme aber nicht alleine lösen. „Es ist eine gesamtgesellschaftliche Verantwortung.“

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