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Lübeck Lübecks Hindenburgplatz wird umbenannt
Lokales Lübeck Lübecks Hindenburgplatz wird umbenannt
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10:35 01.02.2019
Der Hindenburgplatz wird umbenannt. Über den neuen Namen entscheidet der Bauausschuss. Quelle: Ulf-Kersten Neelsen
Lübeck

Nach einer quälend langen Debatte mit mehreren Unterbrechungen hat sich die Bürgerschaft mehrheitlich für eine Umbenennung von Hindenburgplatz, Pfitznerstraße und Lenardweg entschieden. Der Vorschlag, den Hindenburgplatz in Republikplatz umzubenennen, wurde abgelehnt. Pfitznerstraße und Lenardweg sollen nach Musikern oder Naturwissenschaftlern benannt werden.

Hans Pfitzner war Komponist und Autor und wurde von einem Arbeitskreis als Antisemit entlarvt. Quelle: Wolfgang Maxwitat

Mehrheitlich wurde zudem beschlossen, dass die umbenannten Straßen Tafeln erhalten, auf denen die Vorgeschichte erläutert wird. Anwohner sollen bei der Suche nach neuen Namen beteiligt und ihre Kosten bei Änderung von Personalausweis, Urkunden, Briefpapier oder Stempeln sollen übernommen werden. Schließlich sollen künftig Straßennamen paritätisch nach Männern und Frauen benannt werden – für den Fall, dass später weitere Straßen umbenannt werden. Für die Umbenennung ist der Bauausschuss zuständig.

Während der Debatte kam heraus, dass Paul von Hindenburg seit Jahrzehnten Ehrenbürger der Hansestadt ist. Diese Ehrung ist bislang nicht widerrufen worden. Die Bürgerschaft beschloss mit großer Mehrheit, dass die Aberkennung dieser Ehrenbürgerschaft geprüft wird.

Philip Lenard war Physiker und Nobelpreisträger und wurde von einem Arbeitskreis als Antisemit bezeichnet. Quelle: Wolfgang Maxwitat

Eigentlich bestand für die Umbenennung der zwei Straßen und des einen Platzes die ganze Zeit eine komfortable Mehrheit. „Die SPD bekennt sich zur Umbenennung von Hindenburgplatz in Republikplatz und für die Umbenennung von Pfitznerstraße und Lenardweg“, sagte SPD-Fraktionschef Peter Petereit. „Wir wollten den Republikplatz schon zum 9. November“, erklärte Ragnar Lüttke (Linke) – als Erinnerung an den 100. Jahrestag der Ausrufung der Weimarer Republik. Die Linken wollten sogar 14 von einem Arbeitskreis als kritisch empfundene Straßen umbenennen, scheiterten damit aber.

Die Grünen sprachen sich gegen ein ersatzloses Streichen der bisherigen Namen aus. „Wichtig ist eine Erinnerungskultur“, erklärte André Kleyer, „auf den Straßenschildern ist genug Platz für kleine Tafeln mit Erläuterungen.“ Hindenburg habe Hitler zur Macht verholfen und Pfitzner sowie Lenard seien Antisemiten, begründete Antje Jansen, warum GAL & Freie Wähler die Umbenennung wollen. „Menschen, die in diesen Straßen wohnen und denen die Geschichte bewusst ist, wollen nicht mit diesen Straßennamen leben.“

Detlev Stolzenberg (Unabhängige) erinnerte daran, dass betroffene Anwohner schon vor einiger Zeit von der Stadt zu Veranstaltungen eingeladen und entsprechend beteiligt worden seien. Stolzenberg: „Die Umbenennung geht aber nicht nur die an, die dort wohnen.“ Die Grundsatzentscheidung könne man nicht den Bürgern überlassen, sagte Peter Petereit (SPD): „Das kann bei Hindenburg und den beiden Antisemiten nicht angehen.“ Auch die AfD stimmte der Umbenennung der zwei Straßen und des Platzes zu. „Wir wollen aber keine weiteren Umbenennungen“, erklärte Heiko Steffen.

Die FDP forderte, dass es keine Umbenennung gegen den Willen der Anwohner geben dürfe, scheiterte damit aber. Die CDU sprach sich gegen die Umbenennungen aus. „Die Namensgebung erfolgte im historischen Kontext“, sagte Fraktionschef Oliver Prieur, bei den Genannten handele es sich nicht um Kriegsverbrecher.

Kai Dordowsky

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