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Lübeck Senator fordert Öko-Gewerbegebiete
Lokales Lübeck Senator fordert Öko-Gewerbegebiete
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14:28 28.06.2019
Auf einem früheren Obstgut an der Kronsforder Landstraße entsteht ein neues Gewerbegebiet mit 51 Hektar Fläche. Umweltsenator Ludger Hinsen (CDU) fordert, dass die Wirtschaftsförderer sich mehr um den Klimaschutz kümmern und beispielsweise die Knicks nicht anrühren. Quelle: Wolfgang Maxwitat
Lübeck

Umweltsenator Ludger Hinsen (CDU) nutzt derzeit jede Gelegenheit, die städtischen Gesellschaften KWL und Wirtschaftsförderung beim Thema Klimaschutz in die Pflicht zu nehmen. Gerade erst bei der Einwohnerversammlung im Rathaus kritisierte Hinsen, „dass wir uns mit der KWL um jeden Knick streiten.“ Die Wirtschaftsförderer sollten versuchen, Unternehmen der „Green Economy“ für Lübeck zu gewinnen statt weitere Unternehmen mit sehr großem Flächenbedarf.

Umweltsenator Ludger Hinsen (CDU) erwartet von den städtischen Wirtschaftsförderern, dass Klimaschutz bei der Gewerbeflächenentwicklung künftig eine größere Rolle spielen und er nicht um jeden Knick kämpfen muss. Quelle: Ulf-Kersten Neelsen

Klimaschutz und Gewerbeflächen – das wird nach dem Klimanotstandsbeschluss der Bürgerschaft noch ein spannendes Thema in den nächsten Jahren. „Ich erwarte, dass Klima- und Umweltschutz bei der Entwicklung von Gewerbeflächen noch mehr Bedeutung bekommen und nicht nur das gesetzlich Vorgeschriebene gemacht wird“, erklärt Hinsen auf LN-Anfrage.

„Wir entwickeln Gewerbeflächen nicht frei Schnauze“

Für Hinsen gehört dazu nicht nur die Erhaltung von Knicks, sondern auch Solaranlagen auf Hallendächern und begrünte Firmendächer. Für Hinsen gehört dazu auch, dass KWL und Wirtschaftsförderung verstärkt Firmen aus der Ökowirtschaft ansprechen und nach Lübeck holen. Der Senator: „Für die ist Klimaschutz in Gewerbegebieten geradezu ein Grund, sich hier anzusiedeln.“ Hinsen: „Wir brauchen Unternehmen, die uns technisch bei der Bewältigung des Klimawandels helfen können.“

„Wir entwickeln Gewerbeflächen nicht frei Schnauze“, kontert Dirk Gerdes, Chef von KWL und Wirtschaftsförderung, „wir agieren streng nach Naturschutzgesetzen.“ Auf dem neuen Gewerbegebiet südlich der A 20, das brutto rund 51 Hektar misst, seien große Retentionsflächen vorgesehen, auf denen das Regenwasser versickern wird. Auf beiden Seiten der Kronsforder Landstraße müssten 30 Meter breite Grünstreifen von der Bebauung freigehalten werden.

Gewerbepark Lübeck-Südost

Im Lübecker Süden entlang der Kronsforder Landstraße und südlich der Autobahn A 20 entwickelt die KWL derzeit ein neues Gewerbegebiet – den Gewerbepark Lübeck Südost. Laut KWL soll zunächst die Fläche eines früheren Obstgutes mit rund 35 Hektar Nettofläche im südöstlichen Bereich der Kronsforder Landstraße voraussichtlich 2020 erschlossen werden. Mit den rund 30 Hektar auf der gegenüberliegenden Seite der Kronsforder Landstraße soll dann in den folgenden Jahren begonnen werden.

Die KWL ist eine 100-prozentige Tochtergesellschaft der Hansestadt und wurde 1973 gegründet. 1998 wurde die Wirtschaftsförderung Lübeck gegründet. Die Gesellschafter sind die Industrie- und Handelskammer zu Lübeck, die Kreishandwerkerschaft Lübeck, der Deutsche Gewerkschaftsbund sowie der städtische Projektentwickler KWL.

„Wir haben auch nicht die Absicht, alle Knicks wegzunehmen“, versichert Gerdes. Es gebe einen Knick, der geopfert werden könnte, wenn ein Unternehmen eine große, zusammenhängende Fläche beanspruche. Aber dann müsste es auch viele neue Jobs schaffen. „Die Erschließungsstraßen werden in die Landschaft eingepasst“, erklärt Gerdes, „und wir denken zusammen mit den Entsorgungsbetrieben über eine Energieversorgung aus der benachbarten Deponie Niemark nach.“

In vielen Gewerbegebieten herrscht bei begrünten Dächern und Solaranlagen Fehlanzeige. Quelle: Ulf-Kersten Neelsen

Lübecks oberster Wirtschaftsförderer ist seit mehr als 30 Jahren Mitglied bei Greenpeace und beschäftigt sich in Workshops mit nachhaltiger Entwicklung von Gewerbegebieten. „Die Betriebe haben heute keine dicken Schornsteine mehr, aus denen Gifte in die Luft geblasen werden, und sie produzieren kaum noch belastete Abwässer“, sagt Gerdes. Hinsens Wünsche nach mehr „Green Economy“ bezeichnet Gerdes als „blanke Theorie“.

Um Eingriffe in die Natur auszugleichen, hat die KWL schon vor Jahren angefangen, in großem Stil Ausgleichsflächen in Ostholstein und bei Groß Grönau zu kaufen. Ersatz-Knicks kann die KWL am Dummersdorfer Ufer anpflanzen lassen.

Lübecks oberster Wirtschaftsförderer – hier auf der Fläche des späteren Gewerbegebietes Genin-Süd – will gar nicht jeden Knick wegrasieren und gibt viel Geld für Ausgleichsflächen aus. Quelle: Wolfgang Maxwitat

Für die Feldlerche, Vogel des Jahres 2019, die auf dem künftigen Gewerbegebiet südlich der A 20 brütet, müsse KWL bis zu 30 Hektar pro Brutpaar Ausgleichsfläche aufweisen, erklärt KWL-Prokurist Ralph Bruns. Auch die Begrünung von Hallendächern sei nicht überall möglich, sagt Bruns. Bei Leichtbauhallen reiche die Statik einfach nicht.

Fridays for Future: Im Zweifel für das Klima

Die Jugendbewegung Fridays for Future hat in ihrem Forderungskatalog für Lübeck zu Gewerbeentwicklung gefordert: „Wenn ein Zielkonflikt zwischen Wirtschaftswachstum und Klimaschutz vorliegt, ist dem Klima absolute Priorität einzuräumen.“ So weit würde Greenpeace-Mitglied Gerdes nicht gehen: „Wirtschaftswachstum und Klimaschutz müssen gleichgewichtig sein.“

Der oberste Wirtschaftsförderer stellt auch in Frage, ob eine intensiv landwirtschaftlich genutzte Fläche klimafreundlicher ist als ein Gewerbegebiet. Gerdes: „Gewerbeflächen können auch ein Zugewinn für Natur und Umwelt im Vergleich zur vorherigen Nutzung sein.“

Kai Dordowsky

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