Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Lübeck „Hochschulstadtteil und Moisling hätten keine Polizisten mehr“
Lokales Lübeck „Hochschulstadtteil und Moisling hätten keine Polizisten mehr“
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
11:16 26.11.2013
Jörn Löwenstrom (44) ist Vorsitzender der GdP-Regionalgruppe Lübeck und Ostholstein. Quelle: Foto: Hellerling
Lübeck

Lübecker Nachrichten: Die Landesregierung hat beschlossen, bei der Polizei bis 2020 weitere 122 Stellen abzubauen. Was sagen Sie dazu?

Jörn Löwenstrom: Ich habe es bisher nur als Absichtserklärung gelesen. Es wird nicht gesagt, wo reduziert werden soll. In der Ermittlung wird nicht gespart, im Einsatz und bei der Prävention auch nicht.

LN: Eingespart werden soll laut Innenminister Andreas Breitner (SPD) im Technik- und IT-Bereich.

Löwenstrom: Sollten wir das auslagern, wovon gesprochen wird, stellt sich die Frage, wer das bezahlt. Kostenlos wird die Arbeit nicht erledigt.

LN: Sie haben einmal gesagt, Internetkriminalität würde immer wichtiger werden. Das fällt doch auch in den IT-Bereich.

Löwenstrom: Vielleicht sind Serviceleistungen gemeint: Firewalls oder Datenbanksysteme. Bisher habe ich IT aber mit Bekämpfung der Internetkriminalität gleichgesetzt. Das ist das Problem: Die Politik sagt etwas, aber Herr Breitner hat es nicht verifiziert. Wir können nur spekulieren.

LN: Der Innenminister nannte den Beschluss auf Facebook einen „angemessenen und vertretbaren Beitrag zur Konsolidierung des Landeshaushaltes“. Gleichzeitig räumte er gegenüber den LN ein, der Stellenabbau sei „fachpolitisch nicht zu rechtfertigen“.

Löwenstrom: Sogar Freunde haben mich darauf angesprochen, dass sich das beißt. Und wenn mir das jemand sagt, der mit der Polizei sonst nichts zu tun hat, brauche ich dazu nichts weiter zu sagen.

LN: Ist die Polizei bereits an ihrer Leistungsgrenze angekommen?

Löwenstrom: Schon seit Jahren wird von der Politik anerkannt, dass wir die sogenannte strategische Lücke haben. 160 Beamte fehlen im Land — man weiß, dass wir zu wenige sind.

LN: Wie stark betroffen wäre Lübeck vom erneuten Stellenabbau?

Löwenstrom: Herr Breitner meinte, die Flächendirektionen seien nicht betroffen. Dann bleiben nur noch LKA, Landespolizeiamt sowie die Polizeidirektion für Aus- und Fortbildung. Teile ich die 122 Stellen aber durch die sieben Flächendirektionen, ist Lübeck prozentual die größte. Dann wären wir hier etwa bei 30 Stellen. Zum Vergleich: Der Hochschulstadtteil und Moisling hätten keine Polizisten mehr.

LN: Müssen wir uns jetzt Sorgen um unsere Sicherheit machen?

Löwenstrom: Ich weiß nicht, ob zehn, 15 oder 20 Streifenwagen reichen. Wichtig ist für meine Kollegen: Wenn sie Unterstützung brauchen, müssen dort schnell Fahrzeuge mit weiteren Schutzleuten sein. Wenn es ein friedlicher Einsatz ist, reichen zwei Mann. Ist es aber eine gewalttätige Auseinandersetzung, möchte ich nicht eine Viertelstunde auf Verstärkung warten.

LN: Ein weiteres Streitthema ist die Besoldung. Landesbeamte sollten schlechter gestellt werden als der Öffentliche Dienst. Wie sieht es da aus?

Löwenstrom: Eigentlich ist die Kuh vom Eis. SPD-Fraktionschef Ralf Stegner sagt, die Übernahme der Tarifverhandlungen 2012 werde fast eins zu eins übernommen — nur zeitlich verzögert.

LN: Die Diskrepanz hätte sich garantiert auch auf die Nachwuchsgewinnung ausgewirkt.

Löwenstrom: Bestimmt. Schon jetzt stehen wir bundesweit relativ schlecht da. Ein Dienstgrad niedriger in Bayern verdient bereits heute mehr als der nächsthöhere in Schleswig-Holstein. Da ist klar, dass ich mir das Bundesland mit den besten Konditionen aussuche.

LN: Können Sie jungen Menschen noch raten, zur Polizei zu gehen?

Löwenstrom: Ja, natürlich. Man geht nicht zur Polizei, weil man dort ausschließlich gutes Geld verdienen will. Vielmehr interessiert einen der abwechslungsreiche Beruf. Ich bin immer noch gern Polizeibeamter und freue mich nach wie vor, wenn ich Menschen bei ihren Problemen helfen und sie unterstützen kann.

Zur Person
Jörn Löwenstrom ist 44 Jahre alt, verheiratet und Vater von vier Kindern. 1994 hat der Oberkommissar bei der Landespolizei begonnen, derzeit arbeitet er in der Lübecker Polizeidirektion.

650 Mitglieder hat die GdP-Regionalgruppe Lübeck und Ostholstein. Ende April wurde Löwenstrom auf der Jahresversammlung einstimmig als Vorsitzender im Amt bestätigt. Die 18 Monate davor hatte der 44-Jährige die Funktion bereits kommissarisch wahrgenommen.

Interview: Peer Hellerling

Lübeck Luebeck st.juergen - Gesellenbrief für 600 Azubis

Hörgeräteakustiker wurden in der MuK feierlich freigesprochen.

26.11.2013

Es ist ein Ehrenamt, dem ein gewisser Glanz anhaftet. Doch was machen die Konsuln eigentlich?

Sabine Risch 29.06.2013

Lübecker Thorben Rodust gewann Bundesentscheid.

Sabine Risch 29.06.2013