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Lübeck Droht dem Priwall eine Überflutung?
Lokales Lübeck Droht dem Priwall eine Überflutung?
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13:19 20.12.2018
So sah es schon häufiger aus: Der Priwall ist überflutungsgefährdet. Quelle: Günter Wosnitza
Travemünde

Die Mecklenburger Landstraße auf dem Priwall soll verbreitert werden. Das sieht eine Verkehrsuntersuchung vor, die die Hansestadt im Zusammenhang mit dem städtebaulichen Entwicklungskonzept in Auftrag gegeben hat.

Eine Maßnahme, die besonders dem erwarteten Touristenstrom und damit verbundenen Autoverkehr Rechnung tragen soll.

Doch sie stößt auf Protest. Die Halbinsel ist ein ungeschütztes und überschwemmungsgefährdetes Gebiet. Zu dieser Einschätzung kommt jedenfalls der Verein Gemeinschaft der Priwallbewohner. Kritisiert wird, dass die Pläne keine geeigneten Schutzanlagen gegen Hochwasser vorsehen. Das Land sieht nur ein geringes Hochwasserrisiko, die Stadt dagegen geht davon aus, dass der Priwall überflutet werden kann.

Plötzlich wäre der Priwall von der Außenwelt abgeschnitten

Fotos von der letzten größeren Sturmflut im Januar 2017 dokumentieren, dass die schmalste Stelle auf dem Priwall zwischen Ostsee und Pötenitzer Wiek, die an der Landesgrenze zu Mecklenburg-Vorpommern liegt, überflutet wurde. Das Hochwasser führte dazu, dass Autos dort nicht mehr fahren konnten.

Es fehlte nicht viel, dann hätten auch die Fähren auf der anderen Seite der Halbinsel ihren Betrieb einstellen müssen. Der Priwall wäre von der Außenwelt abgeschnitten gewesen.

„Mit hoher Wahrscheinlichkeit ist im Fall einer Sturmflut das Leben von Teilen der Bevölkerung bedroht“

Bei einer Vorortbesichtigung mit dem Ortsrat Travemünde, Vertretern von Parteien und Feuerwehr sowie Innensenator Ludger Hinsen (CDU) forderte die Bewohner-Gemeinschaft damals, Kontakt zu Mecklenburg-Vorpommern aufzunehmen, um eine gemeinsame Lösung zu erreichen. „Leider ist bis heute nichts passiert“, kritisiert Vereinsvorsitzender Eckhard Erdmann.

Frank Scharlaug vom Vorstand prognostiziert: „Mit hoher Wahrscheinlichkeit ist im Fall einer Sturmflut das Leben von Teilen der Bevölkerung bedroht, und es sind Sachschäden in außerordentlichem Umfang zu erwarten.“

Diese Maßnahmen könnten den Priwall schützen

Er bemängelt, dass bei einer Verbreiterung der Mecklenburger Landstraße, jedenfalls wie sie das von der Stadt beauftragte Planungsbüro vorsieht, in dem am stärksten von Hochwasser bedrohtem Abschnitt an der Landesgrenze die Möglichkeit zum partiellen Schutz genommen werde. Insbesondere bei einer Neugestaltung der Straße müsse ein gezielter Ausbau zur Hochwasserschutzanlage bereits bei der Planung berücksichtigt werden.

Scharlaug schlägt vor, bei der Planung des Unterbaus eine Erhöhung der Straße auf mindestens zwei bis drei Meter ü. NN (über dem Meeresspiegel) vorzusehen. Weitere technische Vorsorgemaßnahmen zum Schutz des Priwalls vor Eintritt erhöhter Ostseewasserstände könnten Dammbalkenverschlüsse in Deichscharten, Rückstauarmaturen in der Kanalisation, sielartige Verschlussorgane in mit der Ostsee in Verbindung stehenden Entwässerungsgräben sowie infrastrukturelle Maßnahmen für den Katastrophenschutz sein. Für sinnvoll hält Scharlaug zudem eine Erhöhung der Mecklenburger Landstraße und der Rad- und Gehwege über die Landesgrenze hinaus.

Land: Geringes Hochwasserrisiko auf dem Priwall

Um den Hochwasserschutz sorgt sich die Bewohner-Gemeinschaft seit vielen Jahren. Zuletzt hatte der Verein im März 2017 in einem Schreiben an den damaligen Umweltminister Robert Habeck (Grüne) darauf hingewiesen, dass der Priwall ein überschwemmungsgefährdetes Gebiet sei und um Prüfung gebeten, welche Schutzmaßnahmen für die Halbinsel in Frage kämen.

Die Antwort war deutlich: Auf dem Priwall bestehe ein verhältnismäßig geringes Hochwasserrisiko, konstatierte das Ministerium. Deshalb sei zumindest der Bau eines Landesschutzdeichs im Interesse des Wohls der Allgemeinheit nicht erforderlich. Im Übrigen liege die Zuständigkeit für die öffentlichen Aufgaben des Küstenschutzes bei der kommunalen Ebene, den Wasser- und Bodenverbänden beziehungsweise den Gemeinden.

Zuständig für den Priwall sei die Hansestadt Lübeck. Soweit diese im Rahmen ihres Hochwasserschutzkonzepts Maßnahmen zur Verbesserung des Schutzes vor Ostseehochwasser vorsehe und durchführe, bestehe dafür grundsätzlich auch die Möglichkeit einer finanziellen Förderung durch das Land, heißt es im Antwortschreiben.

Unteren Wasserbehörde: Es ist davon auszugehen, dass der Priwall überflutet werden kann

Die Stadt sieht sich indes nicht in erster Pflicht. „Hochwasserschutzmaßnahmen obliegen nicht der Verkehrsplanung, sondern der Unteren Küstenschutzbehörde. Deshalb sind solche Maßnahmen in der Verkehrsuntersuchung zum Entwicklungskonzept Priwall auch nicht betrachtet worden“, sagt Stadtsprecherin Nicole Dorel.

Die grundsätzliche Hochwassergefahr auf dem Priwall sei der Verkehrsplanung bekannt. Deshalb seien in der Vergangenheit auch mit der Feuerwehr Maßnahmen, etwa hinsichtlich der Verkehrsführung, besprochen worden. Diese bezögen sich aber nicht auf den präventiven Hochwasserschutz.

Aus Sicht der Unteren Wasserbehörde liege nahezu der gesamte Bereich des Priwalls im hochwassergefährdeten Gebiet. Insofern sei davon auszugehen, dass der Priwall überflutet werden könne.

Thomas Krohn

Eindrücke vom Hochwasser aus dem Januar 2017:

Tief "Axel" trifft auf den Norden: Schwere Sturmflut und Windböen an der Küste

Liveticker zum Nachlesen: Schwere Sturmflut - der Priwall war zeitweise abgeschnitten

Nach der Sturmflut zieht sich das Wasser am Donnerstagmorgen langsam zurück. Das Ausmaß der Schäden wird sichtbar. Bürger und Einsatzkräfte räumen auf.