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Lübeck Doch größere Schäden an der Hubbrücke
Lokales Lübeck Doch größere Schäden an der Hubbrücke
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17:47 05.03.2019
Voller Einsatz unter der Hubbrücke: Klaus Thiel (l.) und Christof Steinmeyer versuchen, den Auflager-Bock mit Hilfe von Keilen von der Gründung zu lösen. Quelle: 54° / Felix König
Innenstadt

 Sie stehen im eisigen Wind und immer wieder auch im Regen: Rund zehn Mitarbeiter des Wasserstraßen- und Schiffahrtsamtes (WSA) Lübeck. Die Hubbrücke ist hochgefahren, dort, wo sonst die Fahrbahn ist, tut sich eine Grube auf. Es geht um den Betonverguss auf der Untertraven-Seite der Brücke: Der Beton, der die Gründung für die Lager der 245 Tonnen schweren Straßenbrücke bildet, ist bröselig geworden.

In unserem Multimedia-Tool zeigen wir, wie es um Lübecks Brücken insgesamt bestellt ist:

„Beim Überfahren der Brücke ist es Mitarbeitern aufgefallen“, sagt WSA-Chef Henning Dierken. Irgendwas war anders als sonst, die Brücke bewegte sich auf der Seite Richtung Untertrave. Werkstattleiter Klaus Thiel, der das Bauwerk seit 32 Jahren kennt, hat das dann weitergegeben, woraufhin die Sperrung der Straßenbrücke und der Ausbau der Lager beschlossen wurden.

 

 

Es ist 10.30 Uhr, die jeweils vier Muttern an den Bolzen der zwei Auflager-Böcke sind gelöst. Selbst als Laie sieht man, dass der Raum zwischen Fundament und gusseiserner Platte nicht gleichmäßig gefüllt ist. Henning Dierken betont, dass die Brücke nun einmal 119 Jahre alt sei. Da könne natürlich immer etwas kaputt gehen. „Gefühlt“, sagt er, „ist es jetzt schon lange gut gegangen.“

Wenn alles auch jetzt gut geht und nur der Betonverguss unter den Lagern instandgesetzt werden muss, soll die Brücke für den Straßenverkehr am 13. März wieder freigegeben werden. Im schlimmsten Fall haben sich aber die Bolzen gelockert. „Dann müssten wir die ausbauen und neue setzen“, erklärt Klaus Thiel. „Aber das sehen wir erst, wenn wir die Auflager-Böcke ausgebaut haben.“ Das ist zuletzt 1985 passiert, damals wurde eine Dichtungsmasse eingebracht.

In die Jahre gekommen

Die im Jahr 1900 fertiggestellte Hubbrücke ist seit 1988 als technisches Denkmal eingetragen. Sie hat drei eigene Tragwerke – je eines für Eisenbahn, Fußgänger und motorisierte Fahrzeuge.

Viele Jahrzehnte hielt die Brücke gut durch, in den vergangenen Jahren musste sie immer wieder wegen anstehender Reparaturen gesperrt werden. 2016 fiel sie zweimal vorübergehend aus, 2017 war sie wegen Wartungsarbeiten sechs Wochen gesperrt, 2018 standen Vermessungsarbeiten an.

Seit Jahren schon werden die Varianten Neubau, Teil-Neubau, Sanierung diskutiert. Doch noch ist kein schlüssiges Konzept bekannt.

Ingenieur Günter Demuth versucht, die Position der Widerlager zu erfassen. „Ich muss ein Festpunktfeld schaffen, um die Auflager-Böcke hinterher wieder korrekt einsetzen zu können.“ Erst steht er oberhalb der Grube, doch die Aufsicht ist zu steil. Also packt er seine Sachen und steigt in die Grube, um alles unten aufzubauen. „Hier vibriert alles, ich bekomm die Zielmarken nicht gesetzt“, sagt Demuth. Das sorgt für Verzögerungen, doch dann findet der Ingenieur eine Lösung.

Erst messen, dann loshebeln

Christof Steinmeyer misst noch einmal die Entfernung des Auflager-Bockes zum oberen Auflager – rund 2,90 Meter – dann befestigen die Männer vom WSA den Auflager-Bock mit Gurten an einem Ketten-Flaschenzug. 320 bis 330 Kilo wiegt das Teil, das die Männer nun vorsichtig vom Fundament heben und nach oben hieven wollen.

Mit Hämmern, Keilen und Feuer

Während die oben stehenden Mitarbeiter vor allem auf ihren Einsatz warten, ackern Christof Steinmeyer und Klaus Thiel heftig unten in der Grube: Mit dicken Hämmern treiben sie Stemmeisen und Keile zwischen Auflager-Bock und Gründungsplatte – doch das reicht nicht. Schließlich kommen noch Anti-Korrosionsspray und Feuer zum Erwärmen der Bolzen zum Einsatz.

Schlechter Befund

Als sich das Teil endlich löst und die oben stehenden Mitarbeiter es Stück für Stück per Flaschenzug nach oben hieven, zeigt sich: Zwei Bolzen sind kaputt. „Und mit den anderen beiden können wir auch nicht mehr viel machen“, sagt Dierken, der für den Nachmittag den Statiker ankündigt. „Nach dessen Befund werden wir dann ein Sanierungskonzept erarbeiten.“

Tiefere Verankerung geplant

Ob die Sperrung länger andauern wird als geplant, vermag Dierken noch nicht zu sagen. Jedoch steht schon am frühen Nachmittag fest: „Wir werden nicht mehr mit den alten Bolzen herumhantieren, sondern neue Verbundanker setzen, die tiefer gehen.“

Während Autofahrer mindestens bis zum 13. März einen Umweg nehmen müssen, können Radfahrer und Fußgänger die Brücke weiterhin ungehindert passieren.

Sabine Risch

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