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Lübeck Grüne fordern neue Krebsstudie
Lokales Lübeck Grüne fordern neue Krebsstudie
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18:13 28.01.2019
Am 21. Januar besuchten Politiker aus dem Landtag und der Lübecker Bürgerschaft die Sondermülldeponie Ihlenberg bei Selmsdorf. Quelle: Lutz Roeßler
Lübeck/Selmsdorf

Nach dem Besuch des Kieler Umweltministers Jan Philipp Albrecht (Grüne) auf der Sondermülldeponie Ihlenberg in Selmsdorf (die LN berichteten) diskutiert die Lübecker Kommunalpolitik, wie es mit der umstrittenen Müllanlage in unmittelbarer Nähe der Hansestadt weitergehen soll. Die weitreichendste Forderung erhebt die kleine Fraktion aus GAL und Freien Wählern. Sie beantragt in der Bürgerschaft am Donnerstag, dass Lübeck sich für eine sofortige Schließung der Ihlenberger Deponie einsetzen soll.

Mit 113 Hektar Deponiefläche gehört Ihlenberg zu den größten Abfallhalden in Europa. Täglich können bis zu 4000 Tonnen aufgenommen werden. Als Deponie der Klasse III darf hier auch Sondermüll liegen. Quelle: Lutz Roeßler

So weit wollen die Grünen nicht gehen. „Eine sofortige Schließung ist Unsinn“, sagt die umweltpolitische Sprecherin Silke Mählenhoff, „es gibt schließlich Lieferverträge.“ Außerdem müsse der Sondermüll ja irgendwo bleiben, und in ganz Norddeutschland gebe es keine andere Deponie, die solche Stoffe einlagern dürfe. Die Grünen sprechen sich für die Neuauflage einer Krebsstudie aus dem Jahr 2009 aus. Eine ohnehin vom Deponiebetreiber angekündigte Studie zu Krebsfällen im Umfeld der Müllanlage solle auf Lübeck erweitert werden.

Silke Mählenhoff, Vorsitzende des Lübecker Umweltausschusses (Grüne): „Eine sofortige Schließung ist Unsinn.“ Quelle: Lutz Roeßler

Bisher konnten Wissenschaftler keine Zusammenhänge zwischen Krebserkrankungen und Ihlenberg ermitteln. 2008 kam eine Dissertation an der Uni Greifswald zu der Erkenntnis, dass eine Häufung von Krebserkrankungen unter den Mitarbeitern der Deponie nicht ausgeschlossen werden könne. 2009 legte die Uni Lübeck eine Untersuchung vor, die Krebserkrankungen in Schlutup, Kücknitz und Travemünde unter die Lupe nahm – Stadtteile, die dicht an der Deponie in Selmsdorf liegen. „Die vorliegenden Ergebnisse zeigen keine erhöhte Krebshäufigkeit in den Stadtteilen auf“, lautetet das Fazit, „ein räumlicher Zusammenhang von Krebserkrankungen in Lübeck mit Nähe zur Mülldeponie Ihlenberg kann derzeit somit nicht festgestellt werden.“

Im Dezember 2015 ging ein Hydrologe der Frage nach, ob Sickerwasser von Ihlenberg in das Lübecker Grundwasser gelangen könnte. „Wir können keinen Einfluss durch die Deponie erkennen“, schlussfolgerte der Wasserwissenschaftler, sagte aber auch: „Eine Gefährdung kann kein Hydrologe der Welt ausschließen.“ Die Stadtwerke, die Lübeck mit Trinkwasser versorgen, konnten bis dato keine Verunreinigungen feststellen und vertrauen unter anderem auf einen mächtigen Geschiebemergel unter der Untertrave-Rinne, der Wasser aus dem Osten fernhalte.

Hans-Jürgen Schubert (GAL), früherer Vorsitzender des Lübecker Umweltausschusses, zweifelt an der Sicherheit von Geschiebemergel. Quelle: LN-Archiv

Kritiker der Sondermülldeponie bezweifeln seit jeher die vermeintliche Sicherheit von Geschiebemergeln. Hans-Jürgen Schubert (GAL), früherer Vorsitzender des Lübecker Umweltausschusses: „Selbst schwer durchlässige Mergelschichten können durch Lösungsmittel aus Abfallhalden für nachfolgende Schadstoffe durchlässiger werden.“ Die GAL und die Grünen fordern deshalb eine Beprobung der Gewässer rund um die Deponie. Die jetzige Vorsitzende des Lübecker Umweltausschusses, Silke Mählenhoff (Grüne): „Das Oberflächenwasser landet über mehrere Bäche im Umland der Deponie letztlich in Lübecks Gewässern.“ Die GAL will, dass die Hansestadt einen Hydrogeologen mit den Untersuchungen beauftragt.

Oliver Prieur, Vorsitzender der CDU-Fraktion: „Irgendwo muss der Müll bleiben.“ Quelle: Ulf-Kersten Neelsen

Wie der Kieler Umweltminister und Parteifreund Albrecht fordern auch die Lübecker Grünen, dass die Deponie nicht bis 2035 weiterhin Sonderabfälle aufnimmt, sondern früher geschlossen wird. Die Fraktion wird Bürgermeister Jan Lindenau (SPD) in einem Antrag für die Bürgerschaft am Donnerstag auffordern, sich beim Land für den sofortigen Start eines Standortsuchverfahrens für eine Nachfolgedeponie einzusetzen. Mählenhoff: „15 Jahre sind nicht viel Zeit für die Ausweisung einer neuen Sondermülldeponie.“

Die CDU hält alle diese Vorschläge und Anträge für Hysterie. „Bestehende Deponien mit einer so hohen Sicherheitsstufe wie Ihlenberg erscheinen uns als die beste Lösung“, sagt Fraktionschef Oliver Prieur. Die SPD, stärkste Fraktion in der Bürgerschaft, ringt noch um eine Haltung. Fraktionschef Peter Petereit: „Wir sehen die Vorgänge um Ihlenberg sehr kritisch.“ Am Montagabend entscheidet die Fraktion, wie sie über die verschiedenen Anträge abstimmen werde.

Kai Dordowsky

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