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Lübeck Julia Gründer gibt Tipps für den Start ins Influencer-Leben
Lokales Lübeck Julia Gründer gibt Tipps für den Start ins Influencer-Leben
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10:21 13.03.2019
Drei bis vier Stunden am Tag verbringt Julia Gründer teilweise am Handy. Quelle: Lutz Roeßler
St. Jürgen

Julia Gründer lebt den Traum vieler junger Mädchen: Sie verdient im Internet Geld mit Werbung auf ihrem Instagram-Profil. Die junge Lübeckerin veranstaltet Gewinnspiele, testet und verlost Produkte und bekommt von Unternehmen Schmuck, Kleidung und Handyhüllen geschenkt. Im Berufsinformationszentrum der Agentur für Arbeit informierte die 28-Jährige jetzt über den perfekten Start ins Influencer-Leben.

Influencerin Julia Gründer: „Immer nur ein Nebenjob

Eines ist ihr dabei besonders wichtig: „Ich betone immer, dass das Ganze nur ein Nebenjob ist“, sagt Gründer. „Man sollte immer einen Fallschirm haben, falls es nicht funktioniert.“ Für die Lübeckerin ist dieser Fallschirm ihr Zahnmedizinstudium. Vor Kurzem hat sie es abgeschlossen, in wenigen Tagen startet sie ins Berufsleben. Olga Nommensen, Sprecherin der Agentur für Arbeit, lobt diese Einstellung. „Genau das ist uns wichtig. Wir wollen den jungen Leuten mit auf den Weg geben, dass sie erst eine Ausbildung machen sollen. Darum haben wir Julia ausgewählt“, sagt sie.

Influencerin im Gespräch: Job interessiert alle Altersgruppen

Rund 30 Interessierte sind gekommen, vom jungen Mädchen bis zum Mittfünfziger. Was vor ein paar Jahren nur bei Jugendlichen im Trend war, ist mittlerweile für die breite Masse interessant. Astrid Austel beispielsweise ist mit Tochter Pauline dabei. Die 18-Jährige hat Interesse am Influencer-Dasein und möchte sich informieren. „Da ist es nicht schlecht, wenn wir Eltern auch mal erfahren, wie das so läuft“, sagt die Mutter. Eine andere Besucherin ist als Schneiderin online aktiv und erhofft sich Tipps.

Rund 30 Besucher sind gekommen, um sich über das Leben als Influencer zu informieren. Quelle: Lutz Roeßler

Julia Gründer gibt einen ungeschönten Einblick. Sie berichtet von einer Uhr, die sie bekommen hat, nachdem sie die Firma einfach angeschrieben und darum gebeten hat. Der Preis: Lediglich ein Bild mit dem Schmuckstück auf ihrem Profil, auf dem ihr über 20 000 Nutzer folgen. Zu sehen sind dort vor allem Bilder aus dem Urlaub oder beim Sport. „Es ist wichtig, dass man nicht alles querbeet postet, sondern sich auf bestimmte Bereiche konzentriert“, rät die 28-Jährige.

Auf Follower-Suche: Erfolg in der Branche nicht einfach

Doch so einfach wie es scheint, ist der Erfolg nicht. „Um davon leben zu können, braucht man so 100 000 Follower“, berichtet Julia. Und: Wer Waren geschenkt bekommt oder für Werbung Geld erhält, benötigt einen Gewerbeschein.

Influencer als Werbeträger im Netz

Influencer (übersetzt: Beeinflusser) sind Personen, die in sozialen Netzwerken wie Facebook, Instagram, YouTube oder Snapshat als Träger für Werbung und Vermarktung in Frage kommen. Unternehmen erhoffen sich durch das gezielte Ansprechen einflussreicher Einzelpersonen ein breiteres Publikum zu erreichen, als mit herkömmlicher Werbung.

Jeder zweite Social-Media-Nutzer in Deutschland hat laut einer Umfrage im Auftrag des Digitalverbands Bitkom bereits von Influencern gehört oder gelesen.

Julia Gründer ist unter dem Namen be_julieful auf Instagram zu finden. Aktuell folgen ihr dort 20500 Nutzer.

„Den juristischen Hintergrund zu kennen ist unerlässlich“, mahnt die junge Frau, „ich kennzeichne zum Beispiel alles als Werbung, um gar kein Risiko einzugehen. Um bei Firmen aufzufallen braucht man zudem meist eine Agentur. Sie vermittelt die Werbedeals und beobachtet Profile. Doch damit die Agenturen einen nehmen, seien 1000 bis 5000 Follower notwendig, empfiehlt Julia Gründer.

Zeitintensiver Influencer-Job: Vier Stunden am Handy

Außerdem brauchen Influencer jede Menge Zeit. „So drei bis vier Stunden war ich teilweise pro Tag am Handy“, gibt die Lübeckerin zu. Um möglichst vielen Nutzern angezeigt zu werden, muss man in den Kommentaren mindestens vier Wörter verwenden und möglichst viele Storys hochladen. Das sind Bilder oder Videos, die nach 24 Stunden wieder gelöscht werden. „Und dann auch noch am besten Videos, das zählt stärker“, seufzt die 28-Jährige, „manchmal verstehe ich Instagram auch nicht.“

Ab sofort wird die junge Frau ohnehin etwas weniger Zeit mit der Pflege ihres Profils verbringen. Denn künftig hat ihr Job in der Zahnarztpraxis Priorität. Und wenn es darum geht, versteht die Lübeckerin keinen Spaß. „Ich bekomme häufig Angebote für Bleaching-Schienen oder Kokoszahnpasta. Aber das kann ich nicht verantworten. Da stehe ich nicht hinter“, sagt sie.

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Maike Wegner

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