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Lübeck Innenstadt bleibt gefährliches Pflaster
Lokales Lübeck Innenstadt bleibt gefährliches Pflaster
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18:10 31.03.2018
Lübeck

7,9 Prozent weniger Verbrechen und Vergehen als 2016 – das meldete die Lübecker Polizeidirektion vor zwei Wochen. Aber Lübeck ist groß. Wo sind Straftäter häufiger zu Gange, wo seltener? Wo lebt es sich ruhiger, wo gefährlicher? Das verrät eine umfangreiche Statistik für alle zehn Stadtteile und für mehr als 20 Jahre. Um die Stadtteile, in denen unterschiedlich viele Menschen leben, vergleichen zu können, werden die Zahl der Straftaten und die Einwohnerzahl ins Verhältnis gesetzt. Heraus kommt eine Häufigkeitszahl. Und die zeigt für 2017: In Kücknitz und Schlutup ist es am sichersten, In der Innenstadt und St. Lorenz Süd am unsichersten.

„Wo viel Trubel ist, steigt die Zahl der Straftaten.Detlef Riedel, Kriminalhauptkommissar

„Wo viel Trubel ist, steigt die Zahl der Straftaten“, weiß Kriminalhauptkommissar Detlef Riedel. In der Innenstadt gibt es zahlreiche Geschäfte. Ladendiebstähle machen 22 Prozent aller Straftaten aus. 1375 Fälle von Straßenkriminalität zählten die Beamten – dazu zählen der Handtaschenraub genauso wie Sachbeschädigung an Fahrzeugen und Schlägereien. „Jeder handfeste Streit auf dem Kohlmarkt führt zu Fällen in der Statistik“, sagt Detlef Riedel.

Gelegenheit macht Diebe, weiß der Volksmund. „Genauso ist es“, bestätigt der Kriminalhauptkommissar, „wo es viele Tatgelegenheiten gibt, passiert auch viel.“ Moisling sei beispielsweise einer der ruhigsten Stadtteile. Riedel: „791 Straftaten 2017, die Hälfte sind Diebstähle, dann haben wir ein paar Ebay-Betrügereien.“ Travemünde, der Stadtteil mit dem höchsten Anteil an älteren Mitbürgern, schneidet schlechter als Moisling ab. Riedel: „Hier gibt es große Veranstaltungen wie die Travemünder Woche.“ In allen Ostseebädern gebe es wegen der vielen Touristen mehr Kriminalität als dort, wo die Wohnbevölkerung unter sich bleibt.

St. Gertrud ist die Hochburg der Wohnungseinbrüche (83), knapp vor St. Lorenz Nord (79). Travemünde meldet verschwindend geringe Fallzahlen (15). Allerdings sind die Straftaten bei diesem Delikt stadtweit rückläufig. In St. Jürgen werden am häufigsten Autos aufgebrochen. Die Zahl der Aufbrüche stieg von 250 (2016) auf 304 im vergangenen Jahr. In der Innenstadt wurden im vergangenen Jahr 408 Fahrräder gestohlen. St. Lorenz Nord mit dem Hauptbahnhof folgt mit 310 Delikten, dann kommt St. Jürgen mit 300 Fällen.

Der langfristige Vergleich, den die Polizeistatistik für die Stadtteile über 25 Jahre erlaubt, zeigt, dass in Schlutup, Moisling, Buntekuh und Travemünde die Kriminalität deutlich zurückgegangen ist.

Den Vogel aber schießt die Innenstadt ab, die zweifellos das heißeste Pflaster der Hansestadt ist. Aber 1992 wurden doppelt so viele Straftaten begangen. Die Häufigkeitszahl 1992 betrug 71,9 – jetzt 37,7.

Von Kai Dordowsky

31.03.2018
31.03.2018