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Lübeck Fake Science: Lübecker Wissenschaftler suchen die Wahrheit
Lokales Lübeck Fake Science: Lübecker Wissenschaftler suchen die Wahrheit
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20:06 26.03.2019
Lübeck

Es gibt genügend Beispiele allein aus der jüngsten Vergangenheit: Der überzeugende Lungenexperte, der in der Dieseldebatte aber falsch gerechnet hat, wie sich später herausstellte, oder die Uni-Medizinerin, die ein Medikament zu Unrecht als Allheilmittel in der Krebstherapie angepriesen hatte. Manipulativ verbreitete, vorgetäuschte Nachrichten, also „Fake News“, gibt es also auch in der Wissenschaft. Insbesondere dann, wenn sie von Nutzen sind.

„Finger in die Wunde legen“

So erinnert man sich nur höchst ungern auf dem Lübecker Uni-Campus an den Fall der Immunologin Silvia Bulfone-Paus, der mittlerweile fast zehn Jahre zurückliegt. Die Wissenschaftlerin war in ihrer Zunft hoch angesehen; aber dann nach Insider-Tipps konnten Daten-Fälschungen in ihren Veröffentlichungen nachgewiesen werden. „Fake Science – es ist gut, dass man mal den Finger in die Wunde legt“, kommentiert Lübecks Uni-Präsidentin Prof. Gabriele Gillessen-Kaesbach. Und ihre Kollegin TH-Präsidentin Dr. Muriel Kim Helbig sagt: „Ich finde es total wichtig, dass wir uns mit diesem Thema beschäftigen.“

St. Petri Kirche Lübeck - neue Ringvorlesungsreihe der Hochschulen Quelle: Lutz Roeßler

Ein spannendes Vorlesungsprogramm startet in zweieinhalb Wochen – genau am 15. April – in der Universitäts- und Hochschulkirche St. Petri. Studierende und Dozierende der Technischen Hochschule, der Universität zu Lübeck sowie der Musikhochschule Lübeck (MHL) referieren und diskutieren an drei Montagabenden über Wahres und Falsches in der Wissenschaft, über bewusste Manipulation und über die Unmöglichkeit der fehlerfreien Kommunikation. „Fake Science“ lautet der Titel dieser neuen interakademischen Ringvorlesung, die sich an Studierende aller Fakultäten wie aber auch an die interessierte Öffentlichkeit gleichermaßen wendet.

„Fake News sind ja in aller Munde“, sagen die beiden Leiter des Projektes, Uni-Professor Cornelius Borck und Petri-Pastor Dr. Bernd Schwarze, „aber doch bitte nicht in der Wissenschaft.“ So hoffe man jedenfalls. Nicht in der Forschung, wo doch alles geprüft, belegt und bestens reflektiert sein muss. Nicht in der Lehre, denn da vermitteln glaubwürdige Lehrende gesicherte Erkenntnisse an die nächste Generation. Die Ringvorlesung wähle das Unwahre an sich zum Forschungsgegenstand, bedenke die Chancen und Grenzen der Erkenntnis und kläre auf über Träume und Enttäuschungen der Wissenschaft.

St. Petri Kirche Lübeck - neue Ringvorlesungsreihe der Hochschulen Quelle: Lutz Roeßler

Bereits vor zwei Jahren gab es die Premiere der Kooperation aller drei Hochschulen in so einem regulären Veranstaltungsformat. Damals gab es in St. Petri unter dem Titel „Weltanschauung“ sieben Vorlesungen im Sommersemester. „Die Reihe war ein großer Erfolg mit sehr guter Publikumsresonanz“, erinnert sich Schwarze. Entsprechend sei es Zeit gewesen, diese Zusammenarbeit wieder aufleben zu lassen – „schließlich können die verschiedenen Sichtweisen aus den drei Hochschulen dieser Stadt auf eine ähnliche Fragestellung auch neue Erkenntnisse hervorbringen“, so Borck.

Los geht es am Montag, 15. April, mit der Feststellung „Ich sehe was, was Du nicht siehst“. Vier Wochen später, am Montag, 13. Mai, heißt es „Der Zweck heiligt die Mittel“. Und die dritte Vorlesung – dann am Montag, 17. Juni – ist überschrieben mit „Reden ist Silber, Schweigen ist Gold“. Beginn ist jeweils um 19 Uhr. „Dabei haben wir uns bei der Planung der Veranstaltungsstruktur durch drei Fragen leiten lassen“, erklärt TH-Professor Stefan Bartels-von Mensenkampff, „welche Information wird abgesendet, wie wird sie kommuniziert, und wie wird sie empfangen?“ Und eine Frage steht jeweils im Mittelpunkt an dem Abend in St. Petri.

St. Petri Kirche Lübeck - neue Ringvorlesungsreihe der Hochschulen Quelle: Lutz Roeßler

Olrik Dunker, Molecular Life Science-Student an der Uni, sieht die Ringvorlesung auch als Impuls für die eigene Campus-Laufbahn. „Meine Erfahrung ist, dass man sehr differenziert mit Fakes außerhalb des akademischen Alltags umgeht. Da kann man sich auch sehr gut auseinandersetzen“, so Dunker, „aber in Studienfächern, in denen man viel auswendig lernen muss, verliert man selbst den Blick und das Hinterfragen.“ Studierende im Hinblick auf „Fake Science“ zu sensibilisieren, sei daher wichtig, findet Hörakustik-Studentin Anna Klostermann von der TH.

Und Prof. Cornelius Borck stellt klar: „Was uns eint, ist die Überzeugung, dass natürlich erst mal die Hochschulen mit ihrer Wissenschaft auf der Seite der Wahrheit stehen. Gerade deswegen muss man selbstkritisch sein. Deshalb gehört zur neuzeitlichen Wissenschaft genau das Zweifeln, der Verzicht auf die endgültige Wahrheit, entsprechend die Einsicht, dass Wissenschaft menschengemacht und damit fehlbar ist.“

Michael Hollinde

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