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Lübeck Jäger schießt versehentlich Radfahrerin an
Lokales Lübeck Jäger schießt versehentlich Radfahrerin an
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08:36 15.09.2015
Die Frau wurde auf der Brücke an der Wakenitz Richtung Osterweide um kurz vor 9 Uhr in den Oberschenkel getroffen. Quelle: Holger Kröger
St. Jürgen

Plötzlich trifft eine Kugel die Radfahrerin am Oberschenkel. Als die 37-Jährige gestern um kurz vor neun Uhr morgens auf dem Drägerweg über die Fußgängerbrücke über die Wakenitz fahren will, wird sie durch das Geschoss verletzt und stürzt vom Rad. Ein Jäger hat die Frau getroffen. Laut Angaben der Polizei wollte er Enten auf der Wakenitz jagen und schoss dabei versehentlich die Frau an. Nach dem verheerenden Vorfall alarmierte der Schütze sofort selbst die Polizei. Die Radfahrerin kam mit einer Steckschussverletzung ins Krankenhaus.

Der Rettungswagen musste sich erst durch den dicht bewachsenen Weg zu der blutenden Verletzten vorkämpfen. Noch am selben Tag wurde die Radlerin operiert, um die Kugel aus ihrem Oberschenkel zu entfernen. Die Polizei ermittelt nun wegen fahrlässiger Körperverletzung. Der Jäger beteuerte den Beamten gegenüber, dass er die Frau aus Versehen durch einen Querschläger verletzt habe. Noch ist nicht klar, warum er gestern morgen Jagd auf die Enten machte. Die Brücke, welche vom Gleisweg über die Wakenitz in die Straße Osterweide führt, nutzen viele Fußgänger und Radfahrer als Abkürzung, um von Eichholz nach St. Jürgen zu kommen. Hinter der Fußgängerbrücke befindet sich außerdem noch eine Bahnbrücke.

Die Kreisjägerschaft Lübeck bedauert den Vorfall. „Das ist wirklich traurig. Wir hoffen sehr, dass es der Radfahrerin gut geht“, sagt der Vorsitzende, Wulf-Heiner Kummetz. Nach Jagdrecht habe der Jäger jedoch alles richtig gemacht. Es gebe weder Vorgaben zu welcher Uhrzeit geschossen werden darf, noch dass der Bereich abgesperrt werden muss. „Jeder Jäger ist für seinen Schuss selbst verantwortlich“, sagte Kummetz. Er wisse zudem, dass die Stadt Lübeck ein Problem mit zu vielen Enten habe und auch Jäger engagiere, um dieses in den Griff zu kriegen. Ob der Jäger gestern im Auftrag der Stadt schoss, konnte er nicht sagen. Kummetz: „Ich gehe davon aus, dass es ein unglücklicher Unfall war.“

In Lübeck arbeiten mehrere Stadtjäger ehrenamtlich. Sie werden engagiert, um zu große Populationen von Tieren einzudämmen. Der Sprecher der Kreisjägerschaft, Christoph Benett, erklärte, dass in Lübeck im Gegensatz zu den bundesweiten Vorgaben die Fähigkeiten der Jäger überprüft werden. Denn die bestandene Jägerprüfung gelte auf Lebenszeit, ohne dass die Jäger eine Nachprüfung machen müssten.„Wir warten darauf, dass ein entsprechendes Gesetz verabschiedet wird“, erklärte Benett. Die Mitglieder der Kreisjägerschaft Lübeck würden sich bereits freiwillig prüfen lassen. Jeder Jäger im Verband werde dazu verpflichtet, regelmäßig seine Fähigkeiten am Schießstand unter Beweis zu stellen. Dafür bekomme er eine sogenannte Schießnadel. In Bezug auf den Vorfall räumt Benett aber zumindest ein: „Man muss so handeln, dass man keine Personen gefährdet. Das jemand verletzt wird, hätte so nicht passieren dürfen.“
In Deutschland kommt es immer wieder zu Jagdunfällen. Erst vor wenigen Tage wurde im Havelland ein Liebespärchen in einem Maisfeld von einem Jäger angeschossen. Er hielt die beiden für ein Wildschwein. Der Mann starb an seinen Verletzungen, seine 23-jährige Partnerin wurde mit lebensgefährlichen Verletzungen ins Krankenhaus eingeliefert.

Alessandra Röder

Recht und Gesetz

Die bestandene Jägerprüfung ist ein Leben lang gültig. Dabei werden unter anderen die Fähigkeiten der Jäger beim Schießen getestet. Das Verfahren schließt mit einer dreiteiligen, staatlichen Prüfung ab. Die Jägerprüfung ist die Voraussetzung, damit die Waidmänner einen Jagdschein bekommen können. Wer die Prüfung bestanden, eine Jagdversicherung abgeschlossen hat und mindestens 18 Jahre alt ist, kann den Jagdschein bei der Jagdbehörde immer wieder beantragen. Der Jagdschein ist für höchstens drei Jahre gültig.