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Lübeck Jetzt wird‘s konkret: Hotel und Schwimmbad für Travemünde
Lokales Lübeck Jetzt wird‘s konkret: Hotel und Schwimmbad für Travemünde
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20:10 06.02.2017
Alles neu: Rechts das Aja-Hotel, links das Apartmenthaus.
Alles neu: Rechts das Aja-Hotel, links das Apartmenthaus. Quelle: Grafik: agn Leusmann
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Travemünde

Riesenprojekt für das lübsche Seebad: 60 Millionen Euro sollen auf dem ehemaligen Aqua-Top-Areal mit direktem Blick auf Ostsee und Trave investiert werden.

Das 21000 Quadratmeter große Gelände hat die Deutsche Immobilen AG für 4,6 Millionen Euro von der Stadt gekauft. Dort will sie ein Aja-Hotel mit öffentlichem Bad (35 Millionen Euro) errichten sowie ein Apartmenthaus mit Ferienwohnungen (25 Millionen Euro). Der Bau soll 2016 starten, 2018 soll alles fertig sein. Es entstehen hundert Arbeitsplätze. „Das ist ein ganz wichtiges Schlüsselprojekt für Lübeck und die Region“, macht Stadtplanungs-Chef Karsten Schröder klar. Mit den Neubauten würde „ein attraktiver Akzent in prominenter Lage“ gesetzt.

Blick von der Strandpromenade: Links steht das Aja-Hotel, daneben ist das Schwimmbad zu sehen, rechts ragt das Maritim empor. An seinem Fuß ist ein Parkhaus geplant.

Den neuesten Planungsstand haben der Investor und die Stadt jetzt in Travemünde im Gesellschaftshaus vorgestellt. Das Hotel soll 240 Zimmer beherbergen, das Apartmenthaus 85 Ferienwohnungen (jeweils 70 Quadratmeter groß). Sie kosten im Durchschnitt geschätzte 250000 Euro und sollen an Privatleute verkauft werden, die dort vier Wochen Urlaub machen können. Den Rest des Jahres wird eine Betreibergesellschaft die Apartments dann an Touristen vermieten.

Das Schwimmbad hat ein 25 mal 10 Meter großes Innenbecken, ein Familienbecken sowie ein beheiztes 20 mal 10 Meter großes Außenbecken. Hinzu kommen vier bis fünf Saunen und ein Wellnessbereich. Das alles ist sowohl für Hotelgäste wie auch für jedermann nutzbar. Je nachdem, wann man badet, kostet der Eintritt ab fünf Euro für vier Stunden, die Tageskarte schlägt mit 14 Euro zu Buche. Zudem ist ein Parkhaus mit 160 Stellplätzen vorgesehen, das in den kleinen Hang am benachbarten Maritim Strandhotel hineingebaut wird. Diese Stellplätze sind aber nur für die Gäste des Hotels und der Ferienwohnungen gedacht.

Das Problem: Die 180 öffentlichen Stellplätze des Parkplatzes Alter Leuchtturm fallen weg. Und es gibt noch keinen Ersatz. „Wir brauchen dringend ein Verkehrskonzept“, fordert daher Ortsratsvorsitzender Gerd Schröder (CDU). Zwar gibt es im benachbarten Maritim 900 Parkplätze, 400 davon sind öffentlich zugänglich. Doch auch der nahegelegene Parkplatz „Am Leuchtenfeld“ mit 750 Stellplätzen soll langfristig aufgegeben werden, um daraus eine Grünfläche zu machen. Außerdem fallen 342 Stellplätze auf dem Baggersand weg, dort soll der Parkplatz einer Wohnbebauung weichen. Und auch am Godewind müssen 250 Stellplätze zu Gunsten von Wohnungen weichen. Schröder verspricht: „Wir stellen im Januar ein Parkkonzept für Travemünde vor.“

Zur Gestaltung der beiden Neubauten sagt Architekt Bernd Leusmann: „Wir wollen vermeiden, dass die Gebäude eine Rückseite haben.“ So sind Gebäude auch von überall zugänglich, alle Zimmer haben einen Wasserblick. Die Neubauten ragen 25,5 Meter in die Höhe, sind rechteckig und mit ihrer Längsseite leicht versetzt zur Travepromenade platziert. Sie sind im Erdgeschoss mit einem Glasriegel verbunden.

Das Hotel steht weiter in Richtung Ostsee, hat acht Stockwerke und im Erdgeschoss Gastronomie. Fünf verschiedene Restaurants sind um die Piazza gruppiert — die für jedermann geöffnet ist. Das Apartmenthaus ist sieben Stockwerke hoch. Das Erdgeschoss ragt etwas zur Promenade heraus und soll auf 1800 Quadratmeter Fläche Läden beherbergen.

„Wir haben Sorge, dass die leerstehen — und Scheiben eingeschlagen werden“, sagt Sabine Haltern (SPD) vom Ortsrat. „Das wird nicht passieren“, ist Arno Berthold Pöker vom Vorstand der Deutschen Immobilien AG sicher. Denn Quadratmeterzahl und Anordnung der Läden würden erst feststehen, wenn auch Mieter gefunden sind. Der Schwimmbad-Bereich ist ein bis zwei Stockwerke hoch und an das Hotelgebäude Richtung Maritim angeschlossen. Der Eingang sowohl ins Hotel als auch ins Apartmenthaus ist von der Travepromenade möglich, ins Bad geht es von der Strandpromenade.

Aqua-Top-Areal: Ein kompliziertes Geschäft
Die Eigentumsverhältnisse rund um das Maritim Strandhotel sind kompliziert. Das Areal gehörte der Stadt. Das Maritim hatte für das 16630 Quadratmeter große Grundstück, auf dem es steht, einen Erbpachtvertrag mit ihr. Die Hotelgesellschaft hat es der Stadt für 6,4 Millionen Euro abgekauft. Dieser Deal ist schon 2007 ausgetüftelt worden — und beinhaltet einige weitere Details.
Denn der Maritim-Gesellschaft gehört immer noch ein Anteil von 2,54 Prozent am Aqua Top, dem ehemaligen Spaßbad, das seit 2003 geschlossen ist und 2011 abgerissen wurde. Die Stadt muss für diese Anteile 375 500 Euro an Maritim zahlen und verzichtet auf ausstehende 742 700 Euro Pacht — über die Maritim und Stadt seit Jahren streiten. Allerdings greifen diese Vereinbarungen erst, wenn auf dem Aqua-Top-Areal neben dem Maritim ein Hotel gebaut wird. Wenn dann das Maritim die Option zieht, sich in Travemünde in ein Aparthotel mit Ferien- und Eigentumswohnungen umzuwandeln, erhält wiederum die Stadt 900000 Euro vom Maritim.
So weit, so komplex. Doch jetzt melden sich einige Bürger zu Wort, die im Maritim Eigentumswohnungen besitzen. Ihrer Ansicht nach haben auch sie ein Vorkaufsrecht für das Maritim-Grundstück. Aus ihrer Sicht müssen sie dem Verkauf der 2,54 Prozent Aqua-Top-Anteile an die Stadt ebenfalls zustimmen. Für die Stadt hingegen ist das Ganze ein Tauschgeschäft mit dem Maritim — und die Inhaber der Eigentumswohnungen haben mit den Aqua-Top-Anteilen nichts zu tun. Das Problem: Die Stadt kann das Aqua-Top-Areal nicht an die Deutsche Immobilien AG verkaufen, wenn ihr die 2,54 Prozent der Anteile nicht gehören. Zwar haben beide Parteien einen Kaufvertrag unterschrieben, der hat aber eine aufschiebende Wirkung. jvz

Josephine von Zastrow