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Lübeck Priwall-Bewohner nennen diese Villa „Rattennest“
Lokales Lübeck Priwall-Bewohner nennen diese Villa „Rattennest“
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12:17 14.01.2019
Verlassen und zugenagelt – die einst elegante Jugendstilvilla an der Mecklenburger Landstraße. Quelle: Thomas Krohn
Travemünde

Auf dem Priwall wird sie von Bewohnern das „Rattennest“ genannt – die einst stattliche Villa an der Mecklenburger Landstraße. Anfang des 20. Jahrhunderts entstanden auf der Halbinsel elegante Häuser, einige davon im damals modernen Jugendstil. Dazu gehörte auch das Gebäude mit der Hausnummer 48. Die glanzvollen Zeiten sind längst vorbei, etliche Villen sind saniert und bewohnt, das Haus Nummer 48 dagegen ist verlassen und verkommt immer mehr.

Stadt: Eigentümer ist verantwortlich

Die Baubehörde sieht keine Handlungsmöglichkeit. „Grundsätzlich obliegt die Entscheidung, was mit einem Grundstück oder einem Haus passiert, allein dem Eigentümer. Gesetzlich ist er lediglich verpflichtet, für die Verkehrssicherheit zu sorgen, so dass keine Gefahr für Dritte davon ausgeht“, sagt Stadtsprecherin Nicole Dorel.

Liegen der Bauverwaltung Meldungen über eine mögliche Gefährdung vor, überprüft ein Baukontrolleur das Grundstück. Das war zuletzt am 19. Dezember der Fall. „Bei der Kontrolle hat es keinen erkennbaren Grund für ein bauordnungsrechtliches Einschreiten gegeben“, teilte Nicole Dorel auf LN-Anfrage mit. Insbesondere sei festgestellt worden, dass der Gehweg freigeschnitten und das Gebäude gesichert worden sei.

Unrat und Ratten auf dem Grundstück

Das Grundstück ist eingezäunt, allerdings gibt es einen offenen Zugang, weil eine Pforte fehlt. Das führt dazu, dass mitunter Abfälle und anderer Unrat von Unbekannten auf dem Areal entsorgt werden. Nachbarn wollen Ratten und anderes Ungeziefer gesehen haben.

In einem verrotteten Bauwagen neben der Villa sollen gelegentlich Obdachlose nächtigen. Im Sommer wurde der vor dem Haus liegende Müll weggeschafft, doch jetzt liegen dort erneut Papier, Pappreste und Flaschen. Die Front des Gebäudes ist mit mehr oder weniger kunstvollen Graffitis „verziert“.

Bewegte Geschichte

Um die Villa ranken sich viele Geschichten. Das Haus soll im privaten Besitz einer Hamburger Bankiersfamilie gewesen sein, die die Villa als Sommerresidenz nutzte. Als die Nazis 1934 den Priwall übernahmen, um eine „Erprobungsstelle“ einzurichten, sollen mehrere Eigentümer enteignet und ihre Häuser beschlagnahmt worden sein. Die Villa musste für einen symbolischen Preis von drei Reichsmark an das Regime veräußert werden.

Nach dem Krieg wurden die Häuser vom Bundesvermögensamt übernommen und privat verkauft. Die Villa an der Mecklenburger Landstraße 48 soll einer Erbengemeinschaft gehören. Gerüchten zufolge will diese das Haus als Mahnmal zum Gedenken der dort vertriebenen Juden nicht anrühren und so stehen lassen.

Thomas Krohn

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