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13:41 22.12.2018
Die Mitte der Mitte: Hier sitzt Julia Crüsemann am liebsten, wenn sie mal nicht souffliert. Quelle: Fotos:Ulf-Kersten Neelsen
Innenstadt

„Werde“... „Unter“... „Schwing“... „Stürze“. Auftaktig – also wenige Millisekunden vor dem Takt – ruft Julia Crüsemann die Anfangswörter eines Verses den Opernsängern auf der Bühne des Lübecker Musiktheaters zu – mit klarer und kräftiger Stimme. Es ist die erste Bühnenprobe des Opernstücks „Boris Godunow“ von Modest Petrowitsch Mussorgski.

Auch die Sänger vergessen mal den Text

Julia Crüsemann ist Souffleuse am Lübecker Musiktheater– und das seit über zehn Jahren. Ihr Job ist es, bei Theateraufführung den Darstellern die Einsätze zu signalisieren und bei „Hängern“ – also wenn sie den Text vergessen haben – weiterzuhelfen. Ihr Beruf, so unscheinbar er wirken mag, ist gleichzeitig unverzichtbar für die Sängerinnen und Sänger und den reibungslosen Ablauf der Vorstellung. Ihr Platz ist auf der Bühne aber doch versteckt. Sie sitzt rechts oder links auf der Seitenbühne. Dort ist sie für die Darsteller zu sehen, doch nicht für die Zuschauer. Die sollen nicht wissen, dass auch sie mal den Text vergessen.

Verantwortlich für die Feinheiten

Ihr Blick ist stets kritisch. Während der Probe tippt sie mit dem Stift aufs Notenpapier und wippt mit dem rechten Fuß zum Takt. „Es ist, als würde man mitdirigieren“, sagt sie. Mit scharfem Blick beobachtet sie die Sänger auf der Bühne und achtet auf jede Unsauberkeit. „Ich bin immer 100 Prozent konzentriert und detailverliebt – manchmal ein ziemlicher Kontrollfreak“, sagt die 54-Jährige. Ab und zu arbeitet die gebürtige Hamburgerin als Inspizientin und fährt die Vorstellung, wie es im Fachjargon heißt. Dabei stimmt sie die Beleuchtung, Umbauten und Bühnenfahrten mit den Technikern ab.

Souffleuse Julia Crüsemann liebt ihren Beruf, denn das Theater ist ihr Leben. Quelle: Ulf-Kersten Neelsen

Die Darsteller lesen

Wer an welcher Stelle, wie Hilfe benötigt, weiß Crüsemann genau. An ihrem Blick sowie an der Körperhaltung erkennt sie, wenn eine Sängerin oder ein Sänger unsicher ist. Ob „O mein“ oder „O der mein“ – bei den Feinheiten hilft sie nach und verbessert – bei den Proben wie auch den Vorstellungen. Denn bei denen ist ihre Position umso wichtiger. „In schwierigen Situationen gebe ich ihnen eine Menge Sicherheit, dadurch das ich aufpasse und ihnen helfe.“ Geduld und Einfühlsamkeit, das Bedürfnis anderen zu helfen, seien für ihren Job unabdingbar, sagt sie und lächelt bescheiden. Eigenschaften, die sie ihr Leben lang begleiteten, denn die gelernte Krankenschwester arbeitete Jahrelang in diversen afrikanischen Staaten in der Entwicklungshilfe.

Vor ihr steht ein Notenständer aus Holz. Eine kleine Lampe erleuchtet das darauf liegende Notenpapier, das mit bunten Markierungen übersät ist. „Bis“, ruft Crüsemann dem Sänger auf der Bühne zu. Er stockte, doch dank ihrer Hilfe findet er schnell denn Anschluss. „Bis ich in Litauen bin, hab ich gar keine Ruhe“, singt der Opernsänger nun mit kräftiger Stimme. Vor ihr auf dem Papier sind Notizen, Kreise und Striche gezeichnet. Mit Letzterem kennzeichnet sie zum Beispiel Stellen, die betont werden müssen. Wie das scharfe „S“: Ein Buchstabe, der nicht nur deutsch fremden Sängern Schwierigkeiten bereitet. Feinheiten wie diese sind unter anderem das täglich Brot der Souffleuse.

Wenn Julia Crüsemann mal nicht im Souffleurkasten sitzt, ist ihr Platz auf der Seitenbühne. Versteckt für das Publikum aber gut sichtbar für die Sänger. Quelle: Ulf-Kersten Neelsen

Nie genug vom Theater

Während der aktuellen Spielzeit souffliert sie bei neun Produktionen. Ob sie manchmal genug vom Theater? Nein, denn auch in ihrer Freizeit geht sie gerne in Stücke, bei denen sie nicht beteiligt ist. Erneut ist ihr Einsatz gefragt. Die russische Sängern guckt verunsichert in Crüsemanns Richtung. Sie beugt sich vor. „O Mein ...“, sagt Crüsemann und die Sängerin ist wieder drin. Noch sehe alles sehr konstruiert aus, stellt sie beiläufig fest. Am 25. Januar ist die Premiere des russischen Opernstücks, dann ist das anders. „Flüssiger, hoffentlich“, sagt sie und lacht.

Fabian Boerger

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