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Lübeck Jungmusiker spielen um die Wette
Lokales Lübeck Jungmusiker spielen um die Wette
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21:07 26.01.2019
Konzentriert spielt Ferdinand Hübner (14) Jury und Publikum seine Stücke vor.
Konzentriert spielt Ferdinand Hübner (14) Jury und Publikum seine Stücke vor. Quelle: Ulf-Kersten Neelsen
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Innenstadt

Die Stimmung im Treppenhaus und auf den Fluren der Lübecker Musikschule der Gemeinnützigen ist gespannt. Kinder und Eltern werfen einen letzten Blick auf die ausgehängten Spielzeiten des Vorspiels – um auch ja pünktlich zu sein. Meliné Preß (13) ist am Sonnabendmorgen die erste ihrer Altersgruppe, die auf die Bühne gerufen wird. „Ich begrüße Sie ganz herzlich zu unserem 56. Regionalwettbewerb Jugend musiziert in Lübeck“, eröffnet Juror Olaf Silberbach die Konzertreihe, die Kinder und Jugendliche jährlich dazu einlädt, mit ihrem Instrument oder ihrer Stimme vor einer Fachjury aufzutreten und ihr musikalisches Talent unter Beweis zu stellen. Die Jury beurteilt das Können der jungen Musiker und vergibt darauf basierend Preise. Einige der Erstplatzierten erhalten zudem die Chance, beim Landeswettbewerb des jeweiligen Bundeslandes im März teilzunehmen.

Der Raum ist erfüllt vom Klang der Musik

Als Meliné Preß ihre Bratsche anhebt, kehrt Stille ein im Saal. Ihr Blick ist konzentriert, sie setzt den Bogen an den Saiten an, schließt für einen kurzen Moment die Augen, und – spielt. Der Raum ist erfüllt vom vollen Klang der Musik. Es ist das Prélude von Johann Sebastian Bach, G-Dur. Knapp eine Viertelstunde später kehrt abrupt Stille ein. Preß verbeugt sich, das Publikum klatscht begeistert. „Ich hatte wirklich Schmetterlinge im Bauch und habe gezittert wie verrückt“, sagt Preß nach ihrem Vorspiel ein wenig erleichtert darüber, dass sie es geschafft hat. Bereits vor zwei Jahren hatte die damals 11-Jährige an dem Wettbewerb teilgenommen und den ersten Platz belegt. Die Nervosität aber bleibt. „Ich war genauso aufgeregt wie meine Tochter“, sagt Mette Preß. „Ich weiß ja, wie viel sie geübt hat. Vom Gehör her kann ich jedes Stück auswendig.“

Zu Beginn des Vorspiels muss „man erst einmal in den Spielfluss kommen“ – durch die Aufregung gar nicht so einfach

Dann ist Ferdinand Hübner (14) an der Reihe. Er ist groß, schlaksig. Doch sobald er zu spielen beginnt, wirkt er stärker, erwachsener. Von dem pubertierenden Jungen scheint nicht mehr viel übrig. Der Bogen fliegt über die Saiten. Die Musik wird schneller, fordernder. Gebannt sind alle Blicke im Saal auf den jungen Musiker gerichtet. Als er zu spielen aufhört, ertönt Applaus. „Ich habe sehr, sehr viel geübt“, sagt Hübner später. „Am Anfang war ich schon ziemlich aufgeregt, da muss man erst einmal in den Spielfluss kommen.“ Das aber ist ihm gelungen. Jetzt heißt es abwarten, denn die Platzierungen werden erst später bekanntgegeben.

Stefan Vesković (30) sieht zufrieden aus. Er begleitet junge Musiker am Klavier. „Es ist einfach toll, sich mit den Kindern zu präsentieren“, sagt er. „Das ganze Programm einmal vorzubereiten und ein gemeinsames Ziel zu haben ist neben dem Weiterkommen und den Preisen ja das Tolle an dem Wettbewerb.“ Die Juroren des Regionalwettbewerbs sehen das ähnlich. „Die Kinder machen so tolle Musik, es ist wirklich schön zu sehen, was sie auf die Beine stellen – die üben ja teilweise schon seit Sommer“, so Petra Marcolin. Zwar sei es für die Kinder und Jugendlichen immer auch aufregend, vor einer Jury aufzutreten, „aber wir wollen sie ja nicht vergraulen. Wir suchen Nachwuchstalente!“ Und genau dafür biete die Jury nach dem Vorspiel ein Beratungsgespräch an. „Wir sagen den Kindern, wo wir Potenzial sehen und woran sie noch feilen können“, sagt Olaf Silberbach. Die Teilnahme an dem Wettbewerb sei also durchaus pädagogisch wertvoll für die Jungmusiker.

Schirmherr von „Jugend musiziert“ ist Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier

Veranstaltet wird Jugend musiziert vom Deutschen Musikrat. Schirmherr der Veranstaltung ist Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier. Das Bundeministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend stellt die Grundfinanzierung sicher. Die Finanzierung der Regionalwettbewerbe liegt in den Händen der Kommunen. Noch bis Sonntagabend um 17.40 Uhr finden in der Musik- und Kunstschule Lübeck sowie der Lübecker Musikschule der Gemeinnützigen zahlreiche Vorspiele statt. Der Eintritt ist frei.

Josephine Andreoli