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Lübeck Karstadt in Lübeck muss schließen – eine Ära geht zu Ende
Lokales Lübeck

Karstadt in Lübeck schließt – Wie geht es jetzt weiter?

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14:26 20.06.2020
Ein schwarzer Tag für die Mitarbeiter der Karstadt-Filiale und die Lübecker Innenstadt: Das Traditionshaus an der Königstraße wird schließen. Quelle: Lutz Roeßler
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Lübeck

Es ist tatsächlich das Ende einer Ära: In Lübeck eröffnete Rudolph Karstadt vor 136 Jahren die erste Zweigstelle seines erfolgreichen Warenhauses Karstadt in Wismar. Doch die goldenen Zeiten sind längst vorbei und jetzt steuert das ehemals stolze Kaufhaus auf sein Ende zu. Am Freitagmittag war klar, dass bis auf das Haus in Kiel alle Karstadt-Filialen in Schleswig-Holstein schließen werden, 280 Mitarbeiter verlieren voraussichtlich ihre Jobs. In Lübeck soll Ende Oktober Schluss sein.

In Lübeck zeigt sich die Gewerkschaft Verdi erschüttert von den Plänen und fordert von Wirtschaftsminister Bernd Buchholz (FDP), ein Gegenkonzept vorzulegen. Auch dieser nannte die Ankündigung eine „bittere Nachricht“, die man nochmal überdenken müsse. Auch Bürgermeister Jan Lindenau wolle nochmal das Gespräch mit dem Karstadt-Management suchen, denn der Verlust von Karstadt sei eine „Katastrophe für die Innenstadt. Auch die Kunden sind bestürzt. „Wenn Karstadt schließt, wird alles noch trostloser in der Stadt“, sagt eine 73-jährige Lübeckerin.

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Warenhauskette war schon vor Corona angeschlagen

Die Warenhauskette ist wirtschaftlich schwer angeschlagen, unter anderem wegen Fehlentscheidungen des Managements. Dazu kam die Coronakrise, die den Finanzen durch die wochenlange Schließung des Einzelhandels zusätzlich massiv geschadet hat. Mitte Mai war schließlich bekannt geworden, dass der Essener Konzern Galeria Karstadt Kaufhof deshalb rund die Hälfte seiner rund 170 Filialen in Deutschland aufgeben will.

Einen Kommentar zur Situation bei Karstadt lesen Sie hier

Mit einem „orkanartigen Ansturm“ eroberte die Karstadt-Filiale nach ihrer Eröffnung 1884 in der Hansestadt die Herzen der Lübecker. Lange Zeit war das Warenhaus ein Erfolgsgarant. Innerhalb kurzer Zeit wurden zahlreiche Filialen in Norddeutschland eröffnet. Das Konzept, quasi alle Waren des täglichen Bedarfs unter einem Dach und zu festen, aber günstigen Preisen anzubieten, verfing. Doch mit dem Aufkommen des Internethandels sank der Stern der großen Warenhausketten immer mehr. Zuletzt versuchten die beiden großen Kaufhäuser Karstadt und Kaufhof noch, ihr Schicksal mit einer Fusion abzuwenden. Doch die Coronakrise machte selbst diese Bemühungen zunichte.

Und wie geht es jetzt weiter mit dem Haus und den verbleibenden Geschäften darin? Das ist alles noch in der Schwebe. Der Stadtsoziologe Marcus Menzl rät aber dazu, sich nicht an dem Gebäude festzuklammern. „Wir müssen Innenstädte neu denken“, sagt er und schlägt vor, den Bau abzureißen, sollte sich kein Nachnutzer finden.

Von RND/LVZ/isc

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