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Lübeck Mehr als 3500 Wallfahrer in Lübeck
Lokales Lübeck Mehr als 3500 Wallfahrer in Lübeck
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17:52 24.06.2018
Sie sind per Bus aus Hamburg angereist: Mitglieder der vietnamesischen Gemeinde freuen sich, Teil der Wallfahrt zu sein.
Sie sind per Bus aus Hamburg angereist: Mitglieder der vietnamesischen Gemeinde freuen sich, Teil der Wallfahrt zu sein. Quelle: Fotos: John Garve(3)/holger Kröger
Innenstadt

Pünktlich um 12 Uhr, als Thomas Grabitz die erste Terrine mit Kartoffelsuppe füllte, versteckte sich die Sonne hinter dicken Wolken. Doch das störte die Gläubigen, die zu einer Wallfahrt in die Hansestadt gekommen waren, nicht. Warm eingepackt nahmen sie in der Straße Parade, direkt vor der Propsteikirche Herz Jesu, ihr Mittagessen ein.

Für die vielen ehrenamtlichen Helfer, die die Wallfahrt anlässlich des 75. Todestags der vier Lübecker Märtyrer organisierten und durchführten, begann der Sonnabend schon sehr früh. „Ich war gegen sechs Uhr hier. Bevor wir anfangen konnten aufzubauen, mussten aber erst noch ein paar Autos abgeschleppt werden“, erzählte Edward Fellner. Auch in der Possehlstraße musste die Polizei morgens erst einmal ein Verkehrschaos auflösen. Dort mussten zahlreiche Falschparker entfernt werden, die auf den Parkplätzen auf den Seitenstreifen, die eigentlich für die Busse der Pilger reserviert waren, parkten.

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Die Märtyrer

Die drei katholischen Lübecker Priester Johannes Prassek, Eduard Müller und Hermann Lange sowie der evangelische Pastor Karl Friedrich Stellbrink hatten gegen die Verbrechen der Nationalsozialisten protestiert. 1943 wurden sie in Lübeck zum Tode verurteilt und am 10.

November im Hamburger Untersuchungsgefängnis am Holstenglacis ermordet.

Fellner war einer der mehr als 120 Lübecker Tischpaten, die die rund 3400 Gläubigen aus dem gesamten Erzbistum Hamburg in Empfang nahmen und dafür sorgten, dass sie ein warmes Mittagessen bekamen.

Über 1800 Liter Kartoffelsuppe wurden dafür gekocht, jeder Tischpate schmückte seinen Tisch individuell. Anna Bachar hatte gleich an drei Tischen die Tischpatenschaft übernommen und sorgte dafür, dass die Töpfe mit dicker Kartoffelsuppe nicht ausgingen. „Ich mag es, Gastgeberin zu sein. Es macht Freude, wenn man anderen Menschen Freude schenken kann“, sagte Bachar und holte schnell den nächsten Suppentopf. „Bis jetzt habe ich noch nicht viele Gespräche geführt, sondern will die Menschen erst einmal ankommen lassen.“ Flink schöpfte sie Suppe aus einer silbernen Terrine und füllte die Teller von Jutta Andresen und Ulrike Schwind auf. Die beiden Freundinnen waren gerade erst angekommen. Sie hatten sich morgens gemeinsam mit Mitgliedern ihrer Gemeinde von Pinneberg aus mit dem Bus auf den Weg nach Lübeck gemacht und wollten sich nun erst einmal stärken. „Ich wollte einfach mal eine Wallfahrt erleben“, erzählte Andresen. Sie freute sich schon sehr auf das gemeinsame Gebet, das später auf der Freilichtbühne stattfinden sollte.

Auch Propst Christoph Giering war seit dem frühen Morgen auf den Beinen. „Ich bin froh, dass auch so viele junge Menschen hier sind.“ Comg Hien Bui war mit einer ganzen Gruppe vietnamesischer Katholiken aus Hamburg angereist. Sie saßen ebenfalls bei Anna Bachar am Tisch. „Unsere Gemeinde gibt es seit 38 Jahren“, erzählte Bui. Fast 1000 Vietnamesen gehören dazu. „Wir sind das erste Mal in Lübeck. Es ist ein schönes Gefühl, Teil dieser Wallfahrt zu sein“, sagte Bui.

Joachim Kirchhoff war per Rad in die Hansestadt gekommen. Der Pfarrer aus Itzehoe war bereits Freitag mit fünf Gemeindemitgliedern aufgebrochen und 80 Kilometer bis Bad Oldesloe geradelt. „Heute morgen sind wir den Rest gefahren und haben erst einmal an der Lutherkirche Station gemacht“, berichtete Kirchhoff. Am Grab von Karl Friedrich Stellbrink traf sich die Gruppe dann zum Gebet. „Lübeck ist ein wichtiger Wallfahrtsort“, so Kirchhoff. „Das Zeugnis der Lübecker Märtyrer und ihr Mut, die Wahrheit gesagt zu haben, bewegt die Menschen einfach.“

Majka Gerke