Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Lübeck „Kein Bier für Nazis“: Restaurants zeigen Flagge
Lokales Lübeck „Kein Bier für Nazis“: Restaurants zeigen Flagge
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
18:29 25.11.2013
Von Peer Hellerling
Mit dem großen Sticker am Eingang zeigt Gzim Kololli (43) vom Ristorante Diavolo deutlich: Rassisten müssen draußen bleiben. Quelle: Fotos: Hellerling, privat
Lübeck

setzt ein weiteres Zeichen gegen Rechts: Die Gastronomen der Stadt beteiligen sich an der Initiative „Kein Bier für Nazis“, Rechtsextreme und Rassisten werden in den Kneipen und Restaurants nicht mehr bedient. „Das ist doch eine Selbstverständlichkeit“, sagt Dirk Sikorski vom Vai in der Hüxstraße. Einmal in zehn Jahren habe er einen offenkundig rechts Gesinnten herauswerfen müssen. „Er fragte, ob dies ein deutsch geführtes Lokal sei“, sagt Sikorski. Sofort, als er von der Aktion hörte, wollte er mitmachen.

Die Initiative ist noch recht jung und besteht seit Oktober. Der, der sie ins Leben gerufen hat, heißt Cenk Nickel. Der 20-Jährige arbeitet beim Lübecker Jugendring, ist SPD-Mitglied und engagiert sich dort als Vorsitzender der Arbeitsgruppe Migration und Vielfalt. „Wir wollen die Lübecker für das Thema sensibilisieren“, sagt er. Die Idee allerdings ist nicht neu, sie stammt ursprünglich aus Regensburg. Dort gewann die Initiative dieses Jahr den Zivilcourage-Preis „Das unerschrockene Wort“. Nickel will es nun an der Trave probieren. Der endgültige Anlass sei eine Prügelei Anfang Mai 2011 zwischen 25 Angehörigen der rechten Szene und sechs Ausländern gewesen (die LN berichteten).

Schnell konnte der 20-Jährige namhafte Unterstützer finden: unter anderem den Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB), den Verein „Klopf, Klopf — Lübeck ist weltoffen“, das Aktionsbündnis „Wir können sie stoppen“, das Haus der Kulturen, die Disco „Parkhaus“ und die Dehoga. Auch auf Facebook erntet die Initiative großen Zuspruch. Erst am 28. Januar eröffnete sie dort die Seite „Kein Bier für Nazis“, rund 450 User haben bereits auf „Gefällt mir“ geklickt.

Lübecks DGB-Chef Andreas Sankewitz steht zu seinem Engagement. „Der alltägliche Rassismus in der Gesellschaft ist ein Problem“, sagt er. Ähnliche Worte kommen von Olivia Kempke, Vorsitzende des Vereins „Klopf, Klopf — Lübeck ist weltoffen“: „Es geht um Nachdenken und Wachrütteln.“ Christoph Kleine vom Aktionsbündnis „Wir können sie stoppen“ wertet die Absage der Neonazi-Demo als „Resultat des großen Engagements in dieser Stadt“.

Cenk Nickel hat bereits 100 Gastronomen für „Kein Bier für Nazis“ gewinnen können, jedem einzelnen hat er persönlich einen Besuch abgestattet. „Das ist ein kräftiges Zeichen gegen Rechts“, sagt der 20-Jährige. Mit dabei sind nahezu alle Lokale der Innenstadt — darunter der Ratskeller, das Jazz Café, die Schiffergesellschaft, das Chapeau Claque und das Café am Theater. Nach und nach will Nickel auch in die anderen Stadtteile gehen, Restaurants und Kneipen können sich aber auch direkt beim Jugendring melden (Telefon 04 51/788 50). Die Inhaber kleben große Aufkleber mit der Aufschrift „Rassisten werden hier nicht bedient!“ als klares Bekenntnis am Eingang an. 500 Sticker hat Cenk Nickel vorerst herstellen lassen, nach und nach verteilt er sie nun unter den mitmachenden Gaststätten und Lokalen.

„So zeige ich das ganze Jahr Flagge“, sagt Gzim Kololli vom Ristorante Diavolo. Die, die bei Demos gegen Ausländer protestieren, seien in seiner Pizzeria nicht willkommen. „Ich hoffe, dass die Aktion etwas bringt“, sagt Roberto Rossi, Inhaber des gleichnamigen Restaurants im Schabbelhaus. Keine Sekunde habe er gezögert, als Cenk Nickel mit der Idee vor ihm stand. Nach Angaben des 20-Jährigen müssten manche aber erst überzeugt werden, zu groß sei anfangs die Angst vor möglicherweise eingeschlagenen Fensterscheiben.

Cenk Nickels Gedanken kreisen bereits weiter, mit den Aufklebern am Eingang ist es nicht getan. „Es wird eine Broschüre für die Gastronomen geben“, sagt er. Sie soll auch die Restaurantbesitzer sensibilisieren. So weist der Flyer auf besondere Kalenderdaten wie Hitlers Geburtstag hin, um bei größeren Tischreservierungen skeptisch zu werden. Außerdem klärt das Heftchen über Symbole und Zeichen auf, die die rechte Szene verwendet. Nickel: „Am Ende soll das Mitmachen eine Art Gütesiegel sein.“