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Lübeck Geschäfte an Gründonnerstag geschlossen: Lübecker kritisieren verschärften Lockdown
Lokales Lübeck

Kein Einkaufen an Ostern 2021: Lübecker kritisieren verschärften Lockdown

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20:36 23.03.2021
Katy Neumann (50) kauft schon eine Woche vor Ostern das Nötigste ein. Sie vermutet: „Ostersamstag werden die Supermärkte voll sein.“
Katy Neumann (50) kauft schon eine Woche vor Ostern das Nötigste ein. Sie vermutet: „Ostersamstag werden die Supermärkte voll sein.“ Quelle: Ulf-Kersten Neelsen
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Lübeck

Raimund Steinbach räumt auf dem Famila-Parkplatz in Wesloe (St. Gertrud) seine ersten Einkäufe für das Osterwochenende ein. „Ich habe jetzt schon was besorgt, damit ich das Nötigste zu Hause habe“, erzählt er. Den Rest müsse er dann zwangsweise kurz vor Ostern holen. Dafür, dass die Supermärkte am Gründonnerstag geschlossen bleiben sollen, habe er absolut kein Verständnis. Steinbach warnt: „Die ganze Horde wird dann am Sonnabend über die Läden herfallen.“ Das ewige Auf und Zu zwischen Lockerungen und Lockdown sei nicht die Lösung. „Man muss doch Alternativen finden“, so der 69-Jährige.

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Raimund Steinbach findet, es müssten Alternativen her. Eine Chance sieht er in der Luca-App. „Damit könnte man Gastronomien versuchsweise öffnen“, schlägt er vor. „Immer nur auf und zu machen, das ist nicht die Lösung.“ Quelle: Ulf-Kersten Neelsen

„Der größte Schwachsinn auf Erden“

So viel Unmut über den Beschluss von Bund und Ländern, den Einzelhandel am Osterwochenende nur sonnabends zu öffnen, herrscht auch bei vielen anderen Verbrauchern. „Das ist der größte Schwachsinn auf Erden“, sagt Ilka-Maria Neubauer aus Lübeck. „Es wird sich alles vorher und am Sonnabend ballen.“

Auch Thorsten Neuendorf befürchtet: „Ich werde wohl am Mittwoch einkaufen gehen müssen.“ Der 36-Jährige erwartet auf jeden Fall einen großen Ansturm, denn: „Es ist ja eh immer schon so voll vor den Feiertagen.“

Thorsten Neuendorf (36) befürchtet: „Ich werde wohl am Mittwoch einkaufen gehen müssen.“ Quelle: Ulf-Kersten Neelsen

Einkäufe schon rechtzeitig erledigen

Waltraut Damerau erzählt: „Wir versuchen, so viel wie möglich vorher zu besorgen. Wenn es zu voll ist, gehen wir nicht.“ Ihr Mann Kurt zeigt Verständnis. Die Leute bräuchten schließlich nicht nur Lebensmittel, sondern auch Geschenke. „Irgendwann müssen sie ja einkaufen, das bleibt nicht aus“, sagt er.

Waltraut Damerau hat einen Plan: „Wir versuchen, so viel wie möglich vorher zu besorgen. Wenn es zu voll ist, gehen wir nicht.“ Quelle: Ulf-Kersten Neelsen

Mit einem großen Ansturm rechnet auch Familas Warenhausleiter Thomas Lasrich: „Die Kunden werden uns Dienstag, Mittwoch und Samstag die Türen einrennen.“ Er rät deshalb, haltbare Sachen schon diese Woche einzukaufen. „Wir hoffen auf die Einsicht der Leute“, sagt Lasrich. Auch die Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein empfiehlt, Einkäufe schon so früh wie möglich zu erledigen. Weitere Tipps gibt sie hier.

Voll wird es auch auf Wochenmärkten

Voll wird es jenseits der Feiertage aber nicht nur in den Supermärkten, sondern auch auf den Wochenmärkten, zum Beispiel am Brink. Dieser findet am Ostersonnabend statt. „Je mehr Geschäfte schließen, desto mehr ist auf den geöffneten Märkten los“, sagt Sven Bössow, Chef der Lübecker Marktkaufleute. Für zahlreiche Kunden sei das unzumutbar. „Zu uns kommen ja auch viele Risikopatienten, um an der frischen Luft einzukaufen“, erklärt Bössow.

Der Lübecker Hermann Beindorf schimpft derweil über die Regeln: „Für mich ist das alles Schwachsinn. Das führt doch nur dazu, dass alle am Sonnabend einkaufen und die Läden dann noch voller sind als sonst.“ Er schlägt vor, am Osterwochenende entweder alle Geschäfte komplett zu schließen, oder die normalen Öffnungszeiten beizubehalten.

Herrmann Beindorf (56) schlägt vor: „Man sollte die Geschäfte entweder am ganzen Osterwochenende schließen, oder die normalen Öffnungszeiten beibehalten.“ Quelle: Ulf-Kersten Neelsen

Mit frischen Produkten wird es schwierig

Katy Neumann hat keine Lust auf langes Anstehen. „Ich kaufe das Wichtigste schon diese Woche ein“, erzählt die 50-Jährige. „Aber wenn man was Frisches haben will, wird es schwierig.“

Das bestätigt Thomas Lasrich, der alle Hände voll zu tun hat, um seine Famila-Filiale auf Ostern vorzubereiten. „Es ist gerade mit Frischeprodukten problematisch“, erklärt er. Da Gründonnerstag eigentlich ein Liefertag sei, müssten längst geplante Bestellungen nun kurzfristig geändert werden. „Es wäre sinnvoller gewesen, am Donnerstag zu öffnen und dafür am Sonnabend zu schließen“, meint der Marktleiter.

Handelsverband kritisiert die Politiker

Der Handelsverband Nord ist indes besorgt über die Folgen für den Handel und die Kunden – und kritisiert die Politiker scharf. „Aus unserer Sicht sind die Beschlüsse absolut unverständlich“, sagt Geschäftsführerin Mareike Petersen. Alle Geschäfte müssten unter Einhaltung strikter Hygienekonzepte wieder öffnen, fordert sie, denn: „Die Unternehmen bezahlen mit Ihren Existenzen für die Fehleinschätzungen der Politik.“

Von Rabea Osol