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Lübeck Kein Rentnermünde! Das wollen Travemündes Jugendliche
Lokales Lübeck Kein Rentnermünde! Das wollen Travemündes Jugendliche
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20:00 24.02.2020
„Wir wollen Treffpunkte und einen Bus-Shuttle nach Lübeck.“ Michelle Müller und Maximilian Radtke, Sprecher der Travemünder Jugendlichen. Quelle: Thomas Krohn
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Travemünde

Sie sind jung, sie gehen noch zur Schule oder machen eine Ausbildung. Einige haben einen festen Job. Doch die jungen Leute in Travemünde eint eines: Sie vermissen Freizeitangebote für ihre Generation. „Es gibt in Travemünde einfach zu wenig für uns“, sagen Michelle Müller (17) und Maximilian Radtke (wird am 3. März 17), Sprecher von etwa 70 jungen Menschen, die sich vor einem halben Jahr in einer WhatsApp-Gruppe zusammenfanden. Mitte Februar haben sie ihre Wünsche im Ortsrat vorgetragen. Im Gespräch mit den LN erläutern sie, was ihnen im Seebad fehlt.

 

Bei einer Demo im Januar auf der Strandpromenade habt ihr Plakate mit dem Spruch „How dare you? Rentnermünde“ gezeigt. Habt ihr was gegen Rentner?

Michelle: Wir haben überhaupt nichts gegen Rentner. Für uns ist es gefühlt nur so, dass Travemünde zu 80 Prozent aus älteren Leuten besteht und für die jungen Leute nichts gemacht wird. Wir wünschen uns offene Treffpunkte, wo wir niemanden stören.

Wieso stören? Wen stört ihr denn?

Maximilian: Das ist schon komisch, wenn wir uns zum Beispiel an den Strandterrassen an der Nordermole treffen, Skateboard fahren und Musik hören. Angeblich beschweren sich Anwohner über den Lärm. Da gibt es doch überhaupt keine Anwohner. Und außerdem kommen wir ja nicht mit riesigen Lautsprecherboxen dorthin. Wir verstehen nicht, dass sich da jemand beschwert.

 

Gibt es denn für euch alternative Möglichkeiten, sich sportlich zu betätigen?

Michelle: Ein paar Leute von uns haben ja am Kalvarienberg einen Mountainbike-Parcours gebaut. Der wurde von der Kurverwaltung gesperrt. Wenn das aus Umweltgründen nicht geht, wünschen wir uns einen Parcours woanders. Obwohl: Am Kalvarienberg wäre das schon gut.

 

Was haltet ihr von den Plänen, einen Parcours auf dem ehemaligen Spielplatz am Krautacker in der Teutendorfer Siedlung einzurichten?

Maximilian: Es gibt einige Jugendliche aus Teutendorf, die den schon nutzen. Allerdings ist er eigentlich zu klein, und auch die Höhenunterschiede sind nicht besonders groß. Außerdem wünschen wir uns einen Platz mehr im Zentrum, nicht am Stadtrand. In Frage käme vielleicht ein Platz am Moorredder, auf dem wir uns ohnehin schon treffen.

 

Und was ist mit einem Skate-Park?

Michelle: Wir hatten schon mal einen auf einer Ecke am Leuchtenfeldparkplatz am Maritim. Der wäre super-geeignet, vor allem, weil er ziemlich zentral liegt. Warum kann der nicht wieder geöffnet werden?

 

Was anderes. Wie sieht es aus mit dem Musikangebot für junge Leute in Travemünde?

Michelle: Im Brügmanngarten gibt es eine tolle Bühne, die leider nur wenig genutzt wird. Zu Silvester und zu Ostern, sonst kaum. Da treten dann oft nur Jazzbands und Gruppen für die ältere Generation auf. Warum gibt es wie zum Beispiel in Timmendorf nicht mal Live-Konzerte mit Musik für junge Leute? Mit Rappern wie Casper und Alligatoah oder DJs, zum Beispiel Felix Jaehn? Der kommt doch hier aus der Gegend.

 

Was ist mit dem Haus der Jugend in Travemünde?

Maximilian: Das ist nicht das Richtige für uns, mehr für kleine Kinder, vor allem, wenn die schon um 19 Uhr zumachen. Dann gehen wir ja erst los.

 

Und was geht in Lübeck?

Michelle: Es gibt zu später Stunde keine vernünftige Busanbindung. Wir wünschen uns einen Shuttlebus, der vor allem am Wochenende auch nachts fährt. Toll wäre, wenn das Lümo, der Bus auf Abruf über eine App, auch Travemünde ansteuern würde. Man müsste natürlich auch zurückkommen können. Einige von uns aus Kücknitz gehen sogar zu Fuß nach Hause. Das würde ich nachts nicht machen.

Maximilian: Toll wäre es, wenn wir eine Location in Travemünde hätten. Eine Kneipe, einen Anlaufpunkt, wo man mal zusammensitzen kann, mit entsprechender Musik und toller Atmosphäre. Eben ein Jugendlokal. Das gibt es hier einfach nicht.

Lümo auch nach Travemünde? Das sagt der Stadtverkehr:

„In absehbarer Zeit ist nicht geplant, Lümo räumlich und zeitlich auszuweiten“, sagt Stadtverkehrssprecherin Gerlinde Zielke. Grundsätzlich sei ein Ride-Sharing wie beim Lümo überall denkbar. Es werde jedoch insbesondere für weite Strecken sowohl die Nachfrage als auch die Finanzierbarkeit zu prüfen sein. Stadtverkehr und Lübecker Verkehrsgesellschaft (LVG) seien seitens der Hansestadt Lübeck nicht beauftragt, ein Nachtangebot in Lübeck und Lübeck-Travemünde vorzuhalten. Erfahrungsgemäß sei etwa ein stündlicher Verkehr nach festem Fahrplan für Kunden, insbesondere für junge Leute, nicht attraktiv. Für einen häufiger eingesetzten Linienbus sei die Nachfrage wiederum nicht ausreichend genug, und der Betrieb wäre daher nicht wirtschaftlich.

Lümo ist ein Nachtshuttle, der freitags, sonnabends und vor Feiertagen jeweils von 23 bis 5 Uhr eingesetzt wird. Gebucht und bezahlt wird per App. Das Lümo-Fahrzeug kann zur gewünschten Zeit an den gewünschten Ort bestellt werden. Eventuell muss das Fahrzeug mit anderen Fahrgästen geteilt werden, die im gleichen Bereich unterwegs sind. Aktuell fährt das Lümo nur im Betriebsgebiet zwischen Lohmühle, Altstadt und Hochschulstadtteil.

Näheres zum Angebot des Stadtverkehrs unter www.sv-luebeck.de/de/service/lümo.html

 

Ist bei der Travemünder Woche für euch etwas dabei?

Michelle: Die Travemünder Woche ist nur Fressen und Saufen. Das Programm ist überhaupt nichts für uns. Allenfalls auf die Beach Area am Strand kann man gehen.

 

Wie wollt ihr euch in Travemünde einbringen, was meint ihr, könntet ihr bewegen?

Michelle: Wir haben das Gefühl, dass wir irgendwie nicht gehört werden. Im Ortsrat haben wir leider keine offizielle Stimme. Wir wollen aber mit einigen Leuten jetzt öfter dorthin gehen und uns zu Wort melden.

Travemünde: Fast die Hälfte der Einwohner ist 65 Jahre und älter 

Die Einwohnerzahl der Hansestadt Lübeck belief sich Stand 31. Dezember 2018 auf 220 629, davon in Travemünde auf 13 534. In den Altersgruppen null bis 17 Jahre waren es in Lübeck 33 300 (15,1 Prozent), 18 bis 64 Jahre 136 872 (62 Prozent) und 65 Jahre und älter 50 457 (22,9 Prozent). Im Vergleich dazu Travemünde: null bis 17 Jahre 1240 (9,2 Prozent), 18 bis 64 Jahre 6170 (45,6 Prozent) und 65 Jahre und älter 6124 (45,2 Prozent).

Der Anteil der Null- bis 17-Jährigen ist in Travemünde im Vergleich zu den anderen Stadtteilen am niedrigsten. In der Innenstadt liegt er mit 10,5 Prozent etwas höher, am höchsten ist er in Buntekuh mit 19,8 Prozent. Beim Anteil in der Kategorie 65 und älter ist Travemünde absoluter Spitzenreiter. Dahinter folgen mit großem Abstand St. Gertrud (25,4 Prozent) und Schlutup (24,6 Prozent). Allerdings: Die meisten Einwohner im Alter von 85 Jahren und älter, insgesamt 1657, leben im Stadtteil St. Gertrud.

 

Quelle: Statistisches Jahrbuch Hansestadt Lübeck http://bekanntmachungen.luebeck.de/dokumente/d/639/inline

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Von Thomas Krohn

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