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Lübeck Kein Spaß: Lübecker Ankläger jagen Satire-Bloggerin
Lokales Lübeck Kein Spaß: Lübecker Ankläger jagen Satire-Bloggerin
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18:45 25.11.2013
Von Peer Hellerling
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Lübeck

Die vier Ermittler, drei Männer und eine Frau, klingeln um 8 Uhr an der Haustür der Dortmunderin Eva Ihnenfeldt, sie haben einen Durchsuchungsbeschluss des Amtsgerichts Lübeck in der Tasche. Die 54-jährige Bloggerin und Geschäftsführerin der Business Academy Ruhr ist des sogenannten Missbrauchs von Titeln verdächtig — Paragraph 132a des Strafgesetzbuchs. Der Hintergrund: Anfang März hatte Ihnenfeldt den Scherztitel „Dr. h.c. of Ministry, MLDC Miami“ für 39 Euro zum Geburtstag geschenkt bekommen.

„Es liegen Anzeichen vor, dass sie den Titel unerlaubt geführt hat“, sagt der Lübecker Oberstaatsanwalt Günter Möller. „Wir schießen nicht mit Kanonen auf Spatzen.“ Die Sanktion beträgt eine Geldstrafe oder bis zu einem Jahr Haft. „Auf die Anzeichen bin ich gespannt“, gibt sich Ihnenfeldt kämpferisch. „Solch ein Blödsinn.“ Sie habe sich nie als Doktorin ausgegeben. Lediglich zweimal habe sie in ihrem Blog satirisch über den Scherztitel geschrieben.

Und genau darauf beziehen sich die Ermittler, womöglich haben sie den spaßigen Unterton nicht mitgelesen. „Der Tatverdacht beruht auf einer Internetrecherche“, heißt es im Durchsuchungsbeschluss. Die „Intensität des Eingriffs“ sei zwar „erheblich“, der Verdachtsgrad jedoch hoch und ebenso groß „die Bedeutung der zu erwartenden Beweismittel“. Nach Angaben von Hans-Jürgen Humbert vom Lübecker Amtsgerichts reiche der bloße Anfangsverdacht, damit die Staatsanwaltschaft einen Durchsuchungsbeschluss beantragen kann.

Die Kripo-Beamten suchten am Dienstag in den Wohn- und Geschäftsräumen zum Beispiel nach verdächtigen Visitenkarten und Briefpapier. Sie nahmen auch die Urkunde mit, die Eva Ihnenfeldt gerahmt und aus Spaß an die Wand gehängt hatte. Außerdem machten die Beamten ein unvorteilhaftes Foto der barfüßigen 54-Jährigen im Bademantel. „Das nehme ich nicht hin“, sagt sie, ihr Anwalt ist bereits eingeschaltet.

Ebenso hat sich Ihnenfeldt an den Deutschen Journalistenverband gewandt. Als Bloggerin wertet sie ihre Wohnung und Geschäftszimmer als Redaktionsräume, die rechtlichen Hürden für eine Durchsuchung sind dann ungleich höher. „Das hat sich für uns nicht so dargestellt“, sagt Oberstaatsanwalt Möller. Er will nun abwarten, was die gefundenen Beweise ergeben. Bei hinreichendem Tatverdacht könnte es zu einer Anklage kommen, im umgekehrten Fall wird das Verfahren eingestellt.

Der Grund für das harte Vorgehen liegt ebenfalls in Lübeck. Ein Geschäftsmann verkauft von hier aus die Spaßtitel via Internet. Er hat in den USA die Kirche MLDC Miami gegründet, sämtliche Ehrendoktortitel sind eigentlich Kirchentitel und der Kaufpreis ist offiziell eine Spende. Insgesamt ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen ihn und rund 60 weitere Personen.

pah