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Lübeck Keine Ferienwohnungen in der Altstadt: Die Reaktionen sind gespalten
Lokales Lübeck Keine Ferienwohnungen in der Altstadt: Die Reaktionen sind gespalten
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06:48 14.06.2019
Schöne Lübecker Altstadt: Die Stadt will keine weitere Ferienwohnungen auf der Altstadtinsel. Quelle: Timon Ruge
Lübeck

Gute Sache – schlechte Sache? Ein Verbot von neuen Ferienwohnungen auf der Altstadt, das will die Stadt. Die Politiker sind uneins, ob sie das absegnen wollen. Grüne und Unabhängige sind dafür. Die Große Koalition aus SPD und CDU ist noch nicht entschieden. Jetzt wird am Montag darüber im Bauausschuss debattiert.

Heikles Thema für die Große Koalition

Politischen Sprengstoff birgt das Verbot von Ferienwohnungen allemal, denn heikel ist das Thema vor allem für die Große Koalition. Es könnte der erste Prüfstein für die Zwangsehe aus SPD und CDU sein. Denn beide Parteien haben dazu unterschiedliche Positionen. Die SPD hat das Thema vorangetrieben und Ende August 2018 ein Verbot von Ferienwohnungen in Gängen und Höfen beschlossen – damals mit Grünen, Unabhängigen, Linke, GAL und Freie Wählern. Dagegen votierten indes CDU, FDP und AfD. Enthalten hatte sich die BfL.

SPD und CDU verschiedener Meinung

Seit Januar steht die Große Koalition. Und jetzt? „Für mich ist das Verbot durchaus akzeptabel“, sagt Ulrich Pluschkell. Er hatte das Thema nach vorne gebracht – damals noch mit Axel Flasbarth, der jetzt bei den Grünen ist. Aber Pluschkell weiß auch: „In der Fraktion haben wir das Thema noch nicht beraten.“ Die CDU hat hingegen eine eindeutige Meinung. „Dem werden wir so nicht zustimmen“, stellt Fraktionschef Oliver Prieur klar. „Wir wollen so viele Ferienwohnungen wie möglich auf der Altstadtinsel erhalten“, sagt Christopher Lötsch, Vorsitzender des Bauausschusses.

Große Freude bei den Grünen

Hingegen sind die Grünen total zufrieden. „Das ist eine sehr, sehr gute Lösung“, sagt Axel Flasbarth. Er hat seit März das Parteibuch der Grünen, hatte das Verbot von Ferienwohnungen noch als SPD-Politiker angestoßen – im August 2018. Ihm ist wichtig, dass die Wohnungen für die Lübecker erhalten werden. Außerdem sollen weiterhin viele Menschen in der Altstadt leben, damit sie lebendig bleibt.

Leere Läden werden zu Ferienwohnungen?

„Ich finde es gut, dass es in der Zukunft klare Regeln gibt“, sagt Arne-Matz Ramcke, baupolitischer Sprecher der Grünen. Er kann sich vorstellen, dass leere Läden und Büros in Touristen-Unterkünfte umgewandelt werden. „In dem Punkt wäre ich flexibel.“ Aber auf keinen Fall sollten Dauer-Wohnungen in Ferienwohnungen verwandelt werden.

Das sagen die Politiker dazu.

So sieht es auch Detlev Stolzenberg, Fraktionschef der Unabhängigen. „Leerstände könnten zu Ferienwohnungen werden – beispielsweise in der Holstenstraße“, stimmt er zu. Für Stolzenberg ist aber wichtig, dass die Touristen-Unterkünfte das normale Wohnen nicht verdrängen und die Nachbarschaft nicht gestört wird. „Wir wollen nicht, dass die Bewohner aus der Altstadt verdrängt werden.“

Stadt will Wohncharakter der Altstadt erhalten

Der Grund für das Verbot: Die Stadt will den Wohncharakter auf der Altstadtinsel erhalten. Denn immer mehr Privatleute vermieten Wohnungen an Touristen. Häufig werden die Unterkünfte in Internet-Portalen wie Airbnb angeboten. Tendenz steigend. Metropolen wie Barcelona und Berlin haben dem Wildwuchs an Ferienwohnungen bereits einen Riegel vorgeschoben. Jetzt soll es auch in Lübeck eine neue Satzung geben, die Ferienwohnungen auf der Altstadtinsel verbietet. Aber 175 solcher Touristen-Unterkünfte bleiben bestehen, sie genießen Bestandsschutz.

Kaufmannschaft für Touristen-Unterkünfte in den Gängen

Ein klarer Befürworter von Ferienwohnungen in der Altstadt ist Hartmut Richter, Präses der Kaufmannschaft. „Für den Tourismus ist das sehr zu begrüßen“, so Richter. Die Touristen würden gerne die mittelalterliche Backsteingotik erleben, vor allem auch in den Gängen, Höfen und Hinterhöfen. „Das ist doch das normalste der Welt.“ Wenn es Konflikte mit den Nachbarn gebe, dann müsse die Polizei das regeln. Für Richter geht es dabei auch um Geld. Wenn Altstadt-Häuser top saniert werden, „dann kann man das mit normalen Mieten nicht refinanzieren“, so Richter.

Grüne: Hotel-Gäste bringen der Stadt mehr Geld

Grünen-Politiker Flasbarth fordert einen „sanften Tourismus“, der wenig Schaden anrichtet und viel Nutzen hat. „Bei den Ferienwohnungen ist das genau anders herum.“ Damit würde großer Schaden angerichtet, aber die Stadt hat kaum einen Nutzen davon. Flasbarth: „Mit Hotel-Gästen verdient die Stadt mehr.“

Josephine von Zastrow

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