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Lübeck Keine Gäste: Lübecks Schwimmbäder müssen trotzdem beheizt werden
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Keine Gäste wegen Corona: Lübecks Schwimmbäder müssen trotzdem beheizt werden

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10:00 18.03.2021
Björn Hoppe (52), Direktor der Lübecker Schwimmbäder, im leeren Zentralbad Schmiedestraße.
Björn Hoppe (52), Direktor der Lübecker Schwimmbäder, im leeren Zentralbad Schmiedestraße. Quelle: Felix König/Agentur 54°
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Innenstadt

Es ist still in der großen Schwimmhalle. Um das große Schwimmbecken ist rot-weißes Absperrband gespannt. Nicht einmal Plätschern ist zu hören, denn dies ist ein Schwimmbad ohne Wasser. Seit Anfang November ist das Zentralbad an der Schmiedestraße in der Lübecker Innenstadt geschlossen, wie auch die anderen beiden Hallenbäder in St. Lorenz Nord und Kücknitz. Björn Hoppe (52), Direktor der Lübecker Schwimmbäder, sagt in die Stille hinein: „Wenn man es hier schreien und juchzen hört: Das ist meins. Eine leere Immobilie verwalten, die einen wichtigen Sinn und Zweck hat, das ist frustrierend. Das tut weh.“

Bilder vom leeren, stillen Zentralbad Schmiedestraße – und den wenigen Menschen, die jetzt dort arbeiten.

Defizit von Lübecks Schwimmbädern fällt geringer aus

Es ist nur ein schwacher Trost für ihn, dass das Betriebsergebnis der Schwimmbäder für 2020 sogar etwas besser ist als geplant: Das Defizit war auf 4,06 Millionen Euro veranschlagt, jetzt wird es wohl die vier Millionen nicht überschreiten, trotz fehlender Eintrittsgelder. Von den sonst etwa 60 Mitarbeitern sind nach Hoppes Angaben zurzeit mehr als zwei Drittel an Ordnungsamt und Gesundheitsamt ausgeliehen, um die Corona-Krise zu bewältigen.

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Mitarbeiter halten Hallenbad-Technik am Laufen

16 Mitarbeiter allerdings sind nach wie vor in den Bädern im Einsatz. Der Betriebstechniker Paul Wiese (25) steht im Keller unter dem Zentralbad, lässt Wasser aus einem Rohr ab, mit dem oben die kalte Dusche gespeist wird, und wechselt das Ventil. Ganz in Ruhe können er und seine Kollegen jetzt die Arbeiten machen, die unter laufendem Betrieb kaum möglich sind. Trotzdem sagt er: „Mit Gästen ist es schöner. Dann sieht man, wofür man’s macht.“

Besucherzahlen eingebrochen

In der Corona-Pandemie sind die Besucherzahlen der Lübecker Schwimmbäder eingebrochen. Sie gingen von 452 000 (2019) um 58 Prozent auf 190 000 (2020) zurück. Bei den drei Hallenbädern (Zentralbad, Sportbad St. Lorenz, Schwimmbad Kücknitz) betrug der Rückgang sogar 62 Prozent – von 397 000 auf 151 000.

In einem normalen Jahr verbrauchen die drei Lübecker Hallenbäder 55 000 Kubikmeter Wasser. Im vergangenen Jahr waren es 20 000 weniger, das entspricht etwa 130 000 gefüllten Badewannen. (Der gesamte Wasserverbrauch Lübecks liegt pro Jahr etwas unter 12 Millionen Kubikmeter.)

Heizung in Hallenbädern bleibt angeschaltet

Ein Hallenbad kann man nicht einfach stilllegen und dann wieder hochfahren. „Stecker ziehen, Schlüssel umdrehen: So einfach ist es nicht“, sagt Björn Hoppe. Das Wasser abzulassen lohne sich nur, wenn das Bad vier bis sechs Wochen ungenutzt bleibe. Im Zentralbad und in Kücknitz haben Hoppe und sein Team sich dafür entschieden, im Sportbad St. Lorenz dagegen bleibt das Wasser im Becken. „Das halten wir auf Standby-Betrieb“, sagt Hoppe. Wenn Wasser im Becken ist, erklärt er, muss es die ganze Zeit umgewälzt, gereinigt und chemisch aufbereitet werden, damit sich keine Algen bilden. Es muss auch weiter beheizt werden – wenn auch nur auf 19 Grad statt, wie sonst, 26 Grad. Sonst platzen die Fliesen ab. Auch die Hallen müssen beheizt werden, weil sonst die Fensterscheiben so beschlagen, dass sie hinterher nicht mehr zu reinigen sind.

Lübecker Schwimmbäder bilden weiter aus

Hoppe bedauert vor allem, dass so viele Schwimmkurse für Kinder ausfallen. 2500 Teilnehmer sind es normalerweise pro Jahr, im vergangenen Jahr waren es nur 1300. „Wir schieben eine Wartewelle vor uns her.“ Er geht fest davon aus, dass es nach der Pandemie wieder so wird wie vorher. Auch den im Sommer frei werdenden Ausbildungsplatz will er wieder besetzen.

Bis dahin wird Ann-Kathrin Stooß (22) ausgelernte Fachkraft für Bäderbetriebe sein. Ganz unten, dort, wo die Filteranlage steht, ein glockenförmiges, drei Meter hohes Ungetüm, schiebt sie eine Karre mit alten, pastellfarbenen Fliesen über den Estrich. Sie räumt gerade Lagerbestände um. Sie hofft, dass sie vor dem Ende ihrer Lehrzeit noch einmal das tun darf, was sie am liebsten tut: „Ich will wieder Publikum haben, Schwimmkurse geben, Kindergeburtstage betreuen!“ 

Von Hanno Kabel