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Lübeck Kinder entdecken den geheimen Fluchtweg des Bürgermeisters
Lokales Lübeck Kinder entdecken den geheimen Fluchtweg des Bürgermeisters
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19:36 14.03.2019
Bürgermeister Jan Lindenau (links) begleitet die Kinder der Kita St. Aegidien durch das Rathaus. Oberhalb der großen Treppe im Eingangsbereich schauen sie sich Gemälde aus der Stadtgeschichte an. Quelle: Ulf-Kersten Neelsen
Innenstadt

Die schmale Holztür ist hinter einer Schrankwand im Büro des Bürgermeisters verborgen. Von außen nicht zu erkennen. Jan Lindenau dreht den kleinen Schlüssel im alten Schloss. Knarrend öffnet sich die Tür. Zwischen Spinnweben und Staub führt eine enge Wendeltreppe hinab in die Dunkelheit. „Ist da der Schatz?“, flüstern die Kinder.

Zurück zum Anfang, zur Begrüßung der 13 Kinder im Eingangsbereich des Rathauses. Auf Nachfrage der Kita St. Aegidien hatte Bürgermeister Jan Lindenau angeboten, die Fünf- und Sechsjährigen persönlich durch das Haus zu führen. Nun sind sie in Begleitung der Erzieherinnen da. „Ich wollte mir einen Schlips anziehen“, verrät Jelle (6). Lindenau schmunzelt. „Muss man nicht“, sagt er, „ist immer wichtig, was man für eine Arbeit macht und nicht, wie man aussieht.“

Kinder der Kita St. Aegidien schauen sich im Audienzsaal des Rathauses den großen Globus an. Quelle: Ulf-Kersten Neelsen

„Könige, Präsidenten und so“

Erste Station ist der Audienzsaal. „Wir gehen erst mal dahin, wo wir alle wichtigen Leute begrüßen, wenn die nach Lübeck kommen: Könige, Präsidenten und so“, sagt der Verwaltungschef, „und ihr seid ja auch wichtiger Besuch.“ Im Saal zeigt er auf den großen Globus. „Hier schauen wir uns immer an, wo die Gäste herkommen?“ Manchmal aus Russland, manchmal aus dem Süden, erzählt er. „Habt ihr auch Brasilien?“, fragt ein Junge.

Staunend hören Noah, Frieda, Magnus und alle anderen Kinder zu, wie der Bürgermeister ihnen die historische Funktion des Raumes erklärt. „Wenn jemand im Handel irgendwelchen Blödsinn gemacht hat, betrogen hat oder so, dann wurde hier das Gericht gesprochen.“ Dann dürfen die Kinder eine Geheimtür öffnen, „durch die man einfach verschwinden kann“. Nacheinander blicken sie hinter der „Tapetentür“ die dunkle Wendeltreppe hinauf. „Ist kalt“, ruft ein Kind, „ich zittere wie ein Eisblock.“ Lindenau verrät: „Ich kann aus meinem Büro direkt hier runterlaufen und weggehen.“ Tatsächlich habe er das aber noch nie gemacht.

Wie der Bürgermeister aus dem Rathaus fliehen kann

Zwischen dem Büro des Bürgermeisters im ersten Stock und dem Audienzsaal im Erdgeschoss des Rathauses verläuft ein versteckter Gang. Laut Dr. Jan Lokers, Direktor des Stadtarchivs, war die Wendeltreppe zu Zeiten der Hanse vermutlich aber gar kein Geheimgang. „Dort, wo sich heute das Büro von Jan Lindenau und weitere Büros befinden, war im Mittelalter der Hansesaal“, erklärt er. Dieser diente während der Hansetage als Versammlungsort für die Städtevertreter der Hanse. Darunter lag – wie heute – der Audienzsaal, von wo der Lübecker Rat die Geschicke der Stadt leitete.

„Mit dem Gang wollte man vermutlich eine schnelle Verbindung zwischen den beiden Machtzentren schaffen, damit sich die Lübecker Ratsleute während der Hansetage für Beratungen zurückziehen konnten.“ Ursprünglich führte die Treppe sogar noch weiter in den Keller, dieser Weg ist aber 1880 vermauert worden. Außerdem soll es noch einen ein Abzweig in den Mittelsaal des Kanzleigebäudes geben.

Auf dem Weg in sein Büro betrachtet die Gruppe die historische Decke in der Hörkammer. Lindenau erklärt, dass das Rathaus immer wieder umgebaut und immer größer wurde. „Ursprünglich gebaut wurde es 1230, das ist also schon ganz lange her.“ Oberhalb der großen Treppe in der heutigen Eingangshalle des Rathauses schauen sich die Kinder Gemälde aus der Stadtgeschichte an, durchqueren dann den Bürgerschaftssaal und gelangen in den Roten Saal. Dort gibt es ein Interview.

Bürgermeister hat nicht nur Geheimgang, sondern auch Schatz im Büro

Viele Fragen haben sich die Kinder ausgedacht, die der Bürgermeister alle beantwortet. Als er seine Hobbys, Lieblingsspeisen und Aufgaben erklärt sind, hat er eine Überraschung parat. Die Kleinen dürfen einen Schatz suchen. Alle sind hellwach – auch die, die vorher an der langen Tafel kurz eingenickt waren.

Kinder der Kita St.Aegidien gehen im Büro des Bürgermeisters Jan Lindenau auf Schatzsuche, mit dabei Noah de Medeiros, Frieda Murjahn (beide 5) Foto : Ulf-Kersten Neelsen Quelle: Ulf-Kersten Neelsen

Lindenau hilft beim Suchen in seinem Büro. Er öffnet eine Tür in der Schrankwand und scherzt angesichts des Mini-Waschbe

ckens dahinter: „Das ist mein Badezimmer.“ Dann rufen die Kinder: „Da ist eine Tür!“ Laut Bürgermeister ist das der geheime Weg zwischen Büro und Audienzsaal. Aber wo ist der Schatz? Endlich: Eine Kiste voller süßer Goldtaler steht unterm Waschbecken. „Wir sind reich“, rufen die Kinder und verabschieden sich beeindruckt und mit Schokoschnuten.

Kinder fragen Bürgermeister Jan Lindenau

Kinder: Bist Du wie ein König?

Jan Lindenau: „Ne, wie ein König nicht, der kann ja fast alles alleine entscheiden. Und er ist heutzutage mehr ein Repräsentant, so wie die Königin von England. Ich bin Chef der Verwaltung, von dem ganzen Apparat, der in der Stadt alles organisiert: Straßen bauen, Spielplätze, Feuerwehr und all diese Sachen. Also bin ich nicht so richtig König, trotzdem habe ich ’ne Menge zu entscheiden.“

Kinder: Können auch Kinder Bürgermeister werden?

Lindenau: „Das ist schwierig, denn es gibt ein Mindestalter und man muss nach den deutschen Gesetzen auch selber wählen dürfen, und ist dann auch erst wählbar. Als ich Bürgermeister wurde, war ich 38 Jahre alt. Der jüngste Bürgermeister in der Geschichte.“

Kinder: Hast Du ein Lieblingsessen?

Lindenau: „Tja, das ist so eine Sache (überlegt länger). Ich esse gerne mal ein Wiener Schnitzel mit Pommes unten im Ratskeller. Darf man aber nicht so oft, sonst wird man dick.“

Kinder: Was ist Dein Hobby?

Lindenau: „Ich sammle alles, was mit Zirkus zusammenhängt: Plakate, Programmhefte. Mein Sohn und ich bauen seit drei Jahren einen kleinen, halben Zirkuswagen in meinem Büro zu Hause, wo ich die Programme lagern will.“

Cosima Künzel

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