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Lübeck Kinder kämpfen um ihren Spielberg
Lokales Lübeck Kinder kämpfen um ihren Spielberg
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13:49 18.04.2014
Nannette (10, v. l.), Fin (11), Madeleine (13), Lena (11) und Eva (7) sind enttäuscht, dass die Stadt ihren Hang bebauen will. Quelle: Lutz Roeßler
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„Es ist einfach perfekt zum Schlittenfahren“, schwärmt Fin Sach (11) und blickt auf einen kleinen Rodelberg hinter ihr. „Im Winter sind wir immer hier, besonders weil es so nah dran ist und wir allein toben dürfen.“ Doch damit könnte bald Schluss sein. Die Stadt will die Grünfläche am Heiweg bebauen. Und genau das wollen die Kinder verhindern. Denn von der Nachbarschaft wird der Spiel- und Rodelberg sowohl im Winter als auch im Sommer oft genutzt. Viele Kinder aus den umliegenden Straßen treffen sich dort zum Spielen. „Wenn wir nicht Schlittenfahren können, spielen wir verstecken, fangen oder picknicken hier“, erzählt Lena Schröder (11).

Morgen haben die Kinder deshalb die Mitarbeiter der Stadt und Politiker eingeladen, zum Rodelberg zu kommen. „Damit alle sehen, wie schön es hier ist“, erzählt Nannette Liebmann (10). Vielleicht — so hoffen die Kinder — überlegt es sich die Stadt dann ja noch einmal anders mit der Bebauung. Der bunt gemalte Brief hat die Verwaltung bereits erreicht. „Wir haben auch gleich eine Rückmeldung bekommen“, erzählt Mutter Britta Sach, „aber leider haben die zuständigen Mitarbeiter keine Zeit vorbeizukommen.“ Bisher haben Vertreter der Grünen und der FDP ihr Kommen zugesagt. Doch die Kinder hoffen trotzdem auf weitere Gäste.

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„Das Ganze soll kein Boykott gegen das Bauvorhaben sein“, betont Britta Sach, „über neue Familien im Gebiet freuen wir uns immer.“ Man wolle nur alles tun, um den Berg zu erhalten. Die Idee mit dem Picknick kommt von den Kindern selbst. „Warum können die denn nicht einfach bis zum Zaun bauen, und dahinter bleibt unser Rodelberg?“, fragt Fin und zeigt auf die Grünfläche, die zwischen dem Hang und der Straße liegt.

Doch bei der Abteilung Stadtgrün und Verkehr ist das Ganze beschlossene Sache. Das Bauvorhaben soll umgesetzt werden. „Wir werden ein Stück weiter einen neuen Berg für die Kinder aufschütten“, verspricht Ralf Schott, stellvertretender Bereichsleiter, „das wurde auch schon mit in den Kaufvertrag aufgenommen.“ Doch das ist für die Kinder nicht das Gleiche. „Drüben ist der Hundeauslauf, da müssen wir dann wegen der Haufen immer aufpassen, wo wir spielen“, meint Madeleine Liebmann (13). „Außerdem muss man dann beim Schlittenfahren darauf achten, dass kein Hund in den Weg läuft. Und im Sommer sind überall Maulwurfshügel“, ergänzt Fin.

Bisher können die Kinder durch einen Waldweg zu dem etwas versteckten Hang gelangen. Zur einen Seite grenzt die Fläche an eine Kleingartensiedlung, zur anderen liegt eine Wiese. „Es ist ein Kleinod“, sagt Britta Sach, „hier können die Kinder Natur hautnah erleben — und es kann nichts passieren.“ Besonders ärgert die Mutter, dass der Vorlage im Bauausschuss zu entnehmen ist, dass die Belange der Kinder von der Planung nicht in besonderem Maße berührt werden. „Wo, wenn nicht hier?“, fragt sich die Mutter. Denn im Umkreis sind nicht nur viele Anwohner mit Kindern, sondern auch Schulen und Kindertagesstätten. Und deswegen geben die Kinder auch nicht auf. Vielleicht können sie ihren Spiel- und Rodelberg ja doch noch retten.

„Die Stadt soll sehen, wie schön es hier ist.“
Nannette Liebmann (10)

Maike Wegner