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Lübeck Kita-Eltern sind kurz vor dem Ziel
Lokales Lübeck Kita-Eltern sind kurz vor dem Ziel
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12:47 30.11.2017
Die 20, die über den Kindern, Eltern und Politikern schwebt, ist die Botschaft. Familien fordern, dass Kitas nur 20 statt 30 Tage im Jahr schließen und außerdem alle gleichzeitig. 1116 Unterschriften überreichte eine Initiative im Börsensaal des Rathauses an Jan Lindenau und Kathrin Weiher. Quelle: Foto: Felix König
Innenstadt

Sie kamen mit fantasievollen und bunten Luftballons: Kinder, Mütter und Väter überbrachten den Politikern im Rathaus einen Aktenordner mit 1116 Unterschriften. Gesammelt von der Elterninitiative für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf – eine Facebook- Gruppe, die innerhalb eines halben Jahres die Kita-Politik der Stadt förmlich auf den Kopf stellte. „Bitte machen Sie etwas daraus“, bat Gründerin Jenny Scharfe die Bildungssenatorin Kathrin Weiher (parteilos) und den künftigen Bürgermeister Jan Lindenau (SPD), als sie die Unterschriften überreichte.

Es geht den Familien um eine Neuregelung der Schließtage in Kitas und in der Schulkindbetreuung. Die sind nämlich nicht einheitlich. Was dazu führt, dass Familien mit Kindern in verschiedenen Einrichtungen bis zu 60 Schließtage im Jahr organisieren müssen. Tage, an denen entweder die Kita oder die Betreute Grundschule geschlossen sind. Mal ist dann das eine Kind zu Hause, mal das andere.

Mütter und Väter verbrauchen ihren Jahresurlaub, um das zu organisieren – oder rufen Großeltern und Nachbarn um Hilfe. Erschwerend kommt hinzu, dass die Kitas an 30 Tagen im Jahr geschlossen sind.

Das haben Politiker 2001 beschlossen, als die Stadt sparen musste.

Wie das konkret aussieht, schildert Stephan von Lingelsheim. „Ich habe mich von meiner Partnerin getrennt und habe zwei Kinder, fünf und acht Jahre.“ Ein Kind wird in der Stadtparkschule betreut, das andere in der Kita Alsheide. Von Lingelsheim: „Nie gibt es einheitliche Schließtage.“ Bei 24 Urlaubstagen seien 60 Schließtage einfach nicht zu leisten. Romina Gutsch ist alleinerziehende Mutter einer Tochter. Eineinhalb Jahre hat sie nach einem Job gesucht. „Ich musste Angebote ablehnen, weil ich Vollzeit arbeiten sollte“, erzählt die junge Mutter. Romina Gutsch, die mittlerweile in der Verwaltung der Uni als Teilzeitkraft arbeitet, ist nicht nur auf kürzere Schließzeiten angewiesen, sondern auch auf eine längere, tägliche Betreuungszeit.

Das alles soll jetzt kommen. SPD, GAL und Grüne stellen heute einen gemeinsamen Antrag in der Bürgerschaft. Danach wird die Schließzeit für alle Kitas von 30 auf 20 Tage im Jahr reduziert. 2019 werden dann die Schließzeiten in der Schulkindbetreuung daran angepasst. Außerdem wird zu 2019 geprüft, ob im ganzen Stadtgebiet zusätzliche Kita-Gruppen mit zehnstündiger Betreuung angeboten werden können.

„Dieser Antrag öffnet mir das Herz“, sagt Jenny Scharfe, Gründerin der Elterninitiative. Befürchtungen der Verwaltung, dass die Lübecker Wirtschaft zusammenbricht, wenn künftig Tausende Familien gleichzeitig in den Urlaub gehen, weist Stefanie Berndt vom Landeselternbeirat zurück: „Ganz Belgien macht gleichzeitig Ferien, nichts bricht zusammen.“

 dor

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